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LEXIKON

Film

[englisch Häutchen]

Geschichte bis zum Ende des 2. Weltkriegs

Vorläufer der Bewegungsillusion waren das 1832 erfundene Lebensrad (Stroboskop) und die Abblätterbücher. E. Muybridge dokumentierte seit 1872 mit bis zu 24 Kameras Bewegungsabläufe. Nach Erfindung der Fotografie und des Filmbands entwickelte T. A. Edison das Kinetoskop, die Gebrüder Lumière in Lyon den Kinematographen, M. Skladanowsky in Berlin das Bioskop. 1895 standen die ersten brauchbaren Aufnahme- und Wiedergabegeräte für die Kinematographie zur Verfügung. Die Themen der ersten Stummfilme waren Straßenszenen, Sportaufnahmen und politische Geschehnisse.
Die Entwicklung der Filmindustrie erreichte 1912 mit dem Entstehen Hollywoods den ersten Höhepunkt. Aus den Slapstickkomödien M. Sennetts gingen die Komödienstars C. Chaplin und B. Keaton hervor. Unter den US-amerikanischen Filmpionieren begann D. W. Griffith eine künstlerische Sprache auszubilden: Häufiger Einstellungswechsel ohne Schnitt durch Objekt- oder Kamerabewegung, Verwendung von Landschaftstotalen, Großaufnahmen, Rückblenden, Auf- und Abblendungen, ein dem Geschehen angepasster Bildrhythmus und zurückhaltendes Spiel der Darsteller. Griffith beeinflusste auch den russischen Revolutionsfilm. Hier waren es vor allem Regisseure wie S. M Eisenstein und W. I. Pudowkin, die die filmische Montage zum künstlerisch-agitatorischen Prinzip entwickelten.
Nach dem 1. Weltkrieg begann in Frankreich eine Blütezeit des filmischen Experiments mit impressionistischen Montagen, raffinierten Stimmungsgemälden u. tiefenpsychologischen Metaphern (A. Gance u. a. Regisseure). Die spätere Avantgarde tendierte zum Surrealismus (L. Buñuel) und zum cinéma pur, dem reinen Spiel der Formen. Der deutsche Stummfilm trat nach dem 1. Weltkrieg in eine künstlerisch bedeutsame Phase. Neben historischen Ausstattungsfilmen (E. Lubitsch) dominierte eine vom Expressionismus beeinflusste malerisch-architektonische Stilrichtung, die sich vor allem in der Darstellung dämonischer Triebe und Schicksalsmächte manifestierte (F. W. Murnau, F. Lang).
Am 6. 10. 1927 wurde in den USA mit dem Film „The Jazz Singer“ der erste Tonfilm uraufgeführt. Nun bedurfte es nicht mehr der optischen Hilfsmittel der Stummfilmära, um akustische Vorgänge ausdrücken; der Gewinn an Realismus führte aber in manchen Fällen zu einem Verlust der künstlerischen Qualität, da die Bildsprache vernachlässigt wurde.
Die Weltwirtschaftskrise verstärkte den Trend zu realistischer Sehweise. Der französische Film erreichte in den Werken von J. Vigo, R. Clair, M. Carné u. J. Renoir einen neuen Höhepunkt. Der US-amerikanische Film brachte einen sozialkritischen Realismus hervor, der sich in einem neuen Typ des Gangsterfilms ebenso manifestieren konnte wie in satirischen Lustspielfilmen (F. Capra). Daneben etablierten sich nun schnell neue Filmgattungen wie der Musicalfilm, der Zeichentrickfilm (W. Disney) und der Western. Seit Mitte der 1930er Jahre gab es in den USA den Farbfilm, seit Anfang der vierziger Jahre auch in Europa. Im Hollywood der 1930er Jahre vollendete sich die Kommerzialisierung und Professionalisierung des Films durch den Aufbau des Studiosystems mit seiner hochgradigen Arbeitsteilung. Dadurch wuchs den Filmproduzenten, die die verschiedenen Produktionsphasen überwachten und koordinierten entscheidende Bedeutung zu. Es gab aber auch weitere Fortschritte in der künstlerischen Entwicklung. So trat O. Welles 1941 mit „Citizen Kane“ durch eine stilbildende neue Spielfilmdramaturgie hervor.
Im Russland der Stalinära erstarrte die Filmkunst unter der Doktrin des sozialistischen Realismus, in Deutschland und Italien durch den ideologischen Terror faschistischer Regime.
  1. Einleitung
  2. Technik
  3. Filmarten
  4. Herstellung eines Spielfilms
  5. Filmwirtschaft
  6. Filmproduktion
  7. Filmverleih
  8. Filmvorführung
  9. Filmwirtschaft in Deutschland
  10. Film als Kunstform
  11. Geschichte bis zum Ende des 2. Weltkriegs
  12. Geschichte nach dem 2. Weltkrieg
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