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LEXIKON

Feuchtwanger

Lion, Pseudonym J. L. Wetcheek, deutscher Schriftsteller, * 7. 7. 1884 München,  21. 12. 1958 Los Angeles, Californien; emigrierte 1933 nach Frankreich, dann in die USA; schrieb zunächst hauptsächlich Dramen, dann mit internationalem Erfolg historische und zeitgeschichtliche Romane: „Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch“ 1923; „Jud Süß“ 1925; „Erfolg“ 1930; „Die Geschwister Oppenheim“ 1933; „Exil“ 1940; „Josephus-Trilogie“ 19321942, deutsch 19321945; „Goya“ 1951; „Jefta und seine Tochter“ 1957.
Feuchtwanger, Lion
Lion Feuchtwanger
  • Erscheinungsjahr: 1923
  • Veröffentlicht: Deutsches Reich
  • Verfasser:
    Feuchtwanger
    , Lion
  • Deutscher Titel: Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch
  • Genre: Roman
Der deutsche pazifistisch-sozialistische Dramatiker und Erzähler Lion Feuchtwanger (* 1884,  1958) verfolgt mit seinem im 14. Jahrhundert spielenden historischen Roman »Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch«, der beim Verlag Kiepenheuer in Berlin erscheint, folgendes Ziel: »Die Kräfte, welche die Völker bewegen, sind die gleichen, seitdem es aufgezeichnete Geschichte gibt. Sie bestimmen die Geschichte der Gegenwart ebenso, wie sie die der Vergangenheit bestimmt haben. Diese unveränderten und unveränderlichen Gesetze in ihren Auswirkungen zu gestalten, ist wohl das höchste Ziel, das ein historischer Roman erreichen kann. Ihm strebt der Autor zu, der heute an einem ernsthaften historischen Roman schreibt. Er will die Gegenwart darstellen. Er sucht in der Geschichte nicht die Asche, er sucht das Feuer. Er will sich und den Leser zwingen, die Gegenwart deutlicher zu sehen, indem er sich distanziert.« Zentrale Gestalt ist die wegen einer Entstellung innerlich vereinsamte Gräfin Margarete von Tirol, die Tochter Herzog Heinrichs von Kärnten. Sie kämpft gegen dynastische Interessen um das Wohl ihres Landes. Feuchtwanger, Sohn eines Fabrikanten, begann nach seiner Promotion zum Dr. phil. als Dramatiker und Theaterkritiker. Auf einer seiner Auslandsreisen wurde er bei Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 in Tunis interniert; es gelang ihm die Flucht nach Deutschland, wo er sich als Übersetzer und Bearbeiter indischer, griechischer und spanischer Dramen betätigte und 1918/19 die Bekanntschaft Bertolt Brechts machte.
  • Erscheinungsjahr: 1925
  • Veröffentlicht: Deutsches Reich
  • Verfasser:
    Feuchtwanger
    , Lion
  • Deutscher Titel: Jud Süß
  • Genre: Roman
Angeregt von der gleichnamigen Novelle Wilhelm Hauffs, untersucht Lion Feuchtwanger (* 1884,  1958) in dem Roman »Jud Süß«, der beim Drei Masken Verlag in München erscheint, am Beispiel des jüdischen Finanzmanns Joseph Süß-Oppenheimer einen Fall von Antisemitismus, aber auch von der Korrumpierbarkeit durch Macht. Süß-Oppenheimer, genannt Jud Süß, war Berater und Finanzier des Herzogs Karl Albert von Württemberg. Er wurde am 4. Februar 1738 nach dem Tod des Herzogs in Stuttgart hingerichtet. Als Inhaber eines großen Vermögens trat Süß-Oppenheimer 1732 mit dem Herzog in Verbindung, der ihm zuerst die Direktion des Münzwesens übertrug und ihn schließlich zum Geheimen Finanzrat und Kabinettsminister ernannte. Süß-Oppenheimer wurde ein für den Herzog unentbehrlicher Berater, den er beim Kampf gegen die Landstände unterstützte. Als Minister besetzte er alle entscheidenden Ämter mit Personen seiner Wahl, ließ elf Millionen Gulden Falschgeld prägen, errichtete ein Salz-, Wein- und Tabakmonopol, verkaufte für Riesensummen Privilegien, holte viele Juden ins Land und belastete das Volk mit Abgaben aller Art. Wegen seiner Steuerpolitik und seines aufwändigen Lebensstils zog er sich den Hass der Bevölkerung zu. Nach dem Tod des Herzogs 1737 wurde er wegen Amtserschleichung, Betrug und Hochverrat angeklagt und zum Tod verurteilt. In seinen historischen Romanen beschäftigt sich Lion Feuchtwanger überwiegend mit der jüdischen Vergangenheit v. a. während des Dritten Reichs. Zu seinen bedeutendsten Romanen zählen »Die hässliche Herzogin Margarete Maultasch« (1923), der in der Veit-Harlan-Verfilmung zu trauriger Berühmtheit gelangte »Jud Süß« (1925) und die Trilogie »Der Wartesaal« (1930-1940), bestehend aus »Erfolg« (1930), »Die Geschwister Oppenheim« (1933) und »Exil« (1940).
  • Erscheinungsjahr: 1940
  • Veröffentlicht: Deutsches Reich
  • Verfasser:
    Feuchtwanger
    , Lion
  • Deutscher Titel: Exil
  • Genre: Roman
»Exil«, erschienen beim Querido-Verlag in Amsterdam, ist der Dritte und letzte Teil von Lion Feuchtwangers Romanzyklus »Der Wartesaal«, in der der Autor »die Geschehnisse in Deutschland zwischen den Kriegen von 1914 und 1939« behandelt, eine Zeit, in der »das Alte... noch nicht tot und das Neue noch nicht lebendig« ist, »eine scheußliche Übergangszeit... ein jämmerlicher Wartesaal«: »Zweck der Trilogie ist es, diese schlimme Zeit des Wartens und des Übergangs, die dunkelste, welche Deutschland seit dem Dreißigjährigen Krieg erlebt hat, für die Späteren lebendig zu machen. Denn es wird diesen Späteren unverständlich sein, wie wir ein solches Leben so lange ertragen konnten; sie werden nicht begreifen, warum wir so lange warteten, ehe wir die einzig vernünftige Schlussfolgerung zogen, die nämlich, der Herrschaft der Gewalt des Widersinns unsererseits mittels der Gewalt ein Ende zu setzen und an ihrer Statt eine vernünftige Ordnung zu setzen.« Bereits erschienen sind die Romane »Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz« (1930) und »Die Geschwister Oppenheim« (1933). Hauptfigur von »Exil« ist der von den Nationalsozialisten als Kulturbolschewist beschimpfte Komponist Sepp Trautwein, ein im Grunde unpolitischer Künstler, der der politischen Entwicklung im Deutschen Reich hilflos gegenübersteht. In der Emigration gerät er in eine Schaffenskrise, die ihm den Zusammenhang zwischen Kunst und Leben, Gesellschaft und Individuum verdeutlicht und ihn zu einer realistischen Welt- und Kunstauffassung führt.
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