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LEXIKON

Fbel

Textgattung
eine erzählende Lehrdichtung in Prosa oder Vers, in der häufig menschliche Charkterzüge, Sitten und Redeweisen auf Tiere übertragen werden (Tierfabel) und dadurch eine allgemein verbindliche Erfahrung oder sittliche Wahrheit an einem Beispiel veranschaulicht wird. Kern einer jeden Fabel ist die Kritik an einer menschlichen Schwäche und damit inbegriffen eine ableitbare Verhaltensregel, die in Form einer „Moral“ der Erzählung nachgestellt oder in diese eingeflochten ist.
Formen von Fabeldichtungen finden sich zu allen Zeiten und in allen Erzähltraditionen der Völker; früheste Zeugnisse reichen bis in die sumerische Zeit zurück. Ihre für die abendländische Literatur nachhaltigste Gestaltung erfuhr die Fabel im 5.  Jahrhundert v. Chr. durch Äsop; in der deutschen Literatur des Mittelalters wurden einzelne Fabeln aus lateinischen Sammlungen als lehrhafte Exempel verwendet. Erst im 15. Jahrhundert entstanden ganze Sammmlungen in der Nachfolge Äsops (H. Steinhöwels „Esopus“), erstmalig wurden Fabeln der indisch-arabischen Erzähltradition ins Deutsche übersetzt. Im 16. Jahrhunderts erreichte die Fabel im Dienst von Humanismus und Reformation ihren ersten Höhepunkt (E. Alberus, H. Sachs); im 17. Jahrhundert wurde die antike und lateinische Fabeltradition durch die französische verdrängt; durch J. de La Fontaine erhielt die Gattung eine geistvolle Zuspitzung und einen politischen Gehalt. Die Aufklärung schätzte die Fabel in besonderem Maße und nutzte sie für die Verbreitung bürgerlicher Tugenden (Ch. F. Gellert, F. von Hagedorn, M. G. Lichtwer, G. E. Lessing u. a.). Nachfolgende Schriftsteller griffen die Form vor allem in satirischer, zeitkritischer oder zitierender Weise auf (u. a. H. Heine, F. Kafka, B. Brecht).
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