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LEXIKON

Ersmus von Rotterdam

lateinisch Desiderius
Erasmus von Rotterdam
Erasmus von Rotterdam
eigentlich Geert Geerts, niederländischer Humanist, Theologe und Philologe, * 28. 10. 1466 oder 1469 Rotterdam,  12. 7. 1536 Basel; Priester seit 1492, 1517 vom Klosterleben entbunden. Schon während seiner Schulzeit lernte Erasmus die antiken Autoren kennen und wurde von der Frömmigkeitsbewegung der Devotio moderna beeinflusst. Studium in Paris, Reisen nach England, den Niederlanden, Italien, Deutschland und der Schweiz, vielfältige Kontakte zu den führenden Vertretern des Geisteslebens seiner Zeit u. a. T. More. Seit 1516 Ratgeber des späteren Kaisers Karl V., bei dem er sich im Glaubensstreit für M. Luther einsetzte, mit welchem er seit 1519 in Korrespondenz stand. Erasmus vertritt das Konzept eines christlichen Humanismus, der die christlichen Ideale mit der Weisheit antiker Autoren und der menschlichen Vernunft zu vereinen sucht. Mit seiner Forderung, nicht das Trennende, sondern die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen zu erkunden und Gegensätzlichkeiten hinzunehmen, wird er zum Wegbereiter des Toleranzgedankens. In seiner 1526 auf Deutsch veröffentlichten Streitschrift „Vom freien Willen“ tritt Erasmus für die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ein, ohne die ein moralisches und verantwortungsvolles Leben nicht möglich sei. Mit dieser Schrift begab er sich in Auseinandersetzung mit M. Luther und es folgte ein Bruch mit der Reformation, deren Vordenker er gewesen war.
Bedeutung erlangte Eramus auch mit seiner Herausgebertätigkeit. Seine 1516 vorgelegte kritische Ausgabe des griechischen Neuen Testaments diente Luther als Grundlage seiner Bibelübersetzung. Mit seinen Editionen klassischer Autoren der Antike (u. a. Aristoteles, Terenz) versuchte Erasmus das Wissen über diese Epoche zu fördern und eine Erneuerung des Christentums auf der Grundlage antiken Gedankenguts voranzutreiben. Das Zusammenspiel christlicher Ideale mit den Werten der Antike forderte er auch in seiner Schrift Enchidirion militis christiani (deutsch 1524 „Handbüchlein des christlichen Streiters“). Neben satirischen Schriften („Lob der Torheit“ 1511, deutsch 1534), in denen er die Selbstgerechtigkeit und Schwächen der Menschen anprangert, verfasste Erasmus auch pädagogische Schriften, in denen er eine ehtisch-religiöse Erziehung als Voraussetzung für die charakterliche Entwicklung des Menschen und sein verantwortliches Handeln in der Gesellschaft ansieht („Die Erziehung eines christlichen Fürsten“ 1517, deutsch 1968; „Über die Notwendigkeit einer frühzeitigen allgemeinen Erziehung der Kinder“ 1529).
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