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LEXIKON

Eastwood

[
ˈi:stwud
]
Clint, US-amerikanischer Filmschauspieler, Regisseur und Produzent, * 31. 5. 1930 San Francisco; seit Ende der 1950er Jahre vor allem Fernsehtätigkeit; wurde dann in den 1960er Jahren durch seine Rollen in den Italo-Western von S. Leone (z. B. „Für eine Handvoll Dollar“ 1964) zum internationalen Leinwandstar; in den 1970er Jahren setzte er diese Erfolge in der Zusammenarbeit mit dem Actionregisseur D. Siegel fort („Dirty Harry“ 1971; „Flucht von Alcatraz“ 1979) und kultivierte dabei ein lakonisch-zynisches Rollenbild. Gleichzeitig konnte Eastwood sich als Produzent und Regisseur profilieren.
Eastwood, Clint
Clint Eastwood
  • Deutscher Titel: Die Brücken am Fluss
  • Original-Titel: The Bridges of Madison County
  • Land: USA
  • Jahr: 1995
  • Regie: Clint Eastwood
  • Drehbuch: Richard LaGravenese nach dem Roman von Robert James Waller
  • Kamera: Jack N. Green
  • Schauspieler: Clint Eastwood, Meryl Streep, Annie Carley, Victor Slezak, Jim Haynie
Ein durchreisender Fotograf (Clint Eastwood) und eine verheiratete Farmerin (Meryl Streep) erleben eine kurze Episode später leidenschaftlicher Liebe. Die Kritik lobt zwar die atmosphärisch dichte Inszenierung Clint Eastwoods, bemängelt jedoch, dass sein Film »Die Brücken am Fluss« streckenweise sentimental und zudem in der Handlungsführung leicht durchschaubar sei. An die berühmte Romanvorlage von Robert James Waller reiche der Streifen nicht heran.
  • Deutscher Titel: Für eine Handvoll Dollar
  • Original-Titel: PER UN PUGNO DI DOLLARI
  • Land: Italien
  • Jahr: 1964
  • Regie: Sergio Leone
  • Drehbuch: Sergio Leone, Duccio Tessari, Victor A. Catena
  • Kamera: Massimo Dallamano
  • Schauspieler: Clint Eastwood, Gian Maria Volonté, Marianne Koch, José Calvo
Nach katastrophalen Testvorführungen läuft ohne jede Werbung in einem kleinen Kino in Florenz im August 1964 der Film an, mit dem der Siegeszug des »Italo-Westerns« beginnt. Sergio Leones Streifen »Für eine Handvoll Dollar« wird allein durch Mundpropaganda zum Überraschungshit in Europa und erobert bald darauf auch Amerika.
Die Story ist angelehnt an »Yoyimbo« (1961) von Akira Kurosawa: Der abgerissene Revolvermann Joe (Clint Eastwood) kommt nach San Miguel an der mexikanischen Grenze. Zwei verfeindete Familien herrschen über die Stadt: Die Schnapsbrennersippe der mexikanischen Rojo-Brüder und die amerikanischen Baxters, die mit Waffen handeln. Joe arbeitet für beide Parteien und hetzt sie weiter gegeneinander auf. Nach vielen Grausamkeiten hat er schließlich beide Gaunerfamilien getötet, weil sie »ungerecht« waren.
Einige italienische Western waren Leones Film vorausgegangen, aber keiner brach so radikal mit allen Regeln des klassischen Genres: In der Geschichte gibt es keine »sauberen« Vorbilder, keine schönen Landschaften und keine romantischen Momente. Stattdessen betritt ein neuer Heldentyp die Leinwand, der nur für sich kämpft und gewinnt, weil er noch härter als die Gegner ist. Eine heruntergekommene Szenerie in sonnenversengter Landschaft bildet die wenig idyllische Kulisse. Grelle Bild- und Toneffekte beschwören eine neue Atmosphäre herauf, die die todesverachtende Lässigkeit des Helden unterstreicht, durch die Clint Eastwood zum Idol einer ganzen Generation junger Kinogänger wird.
In den Folgejahren entstehen hunderte Italo-Western, doch nur wenige Regisseure können den neuen Mythos des alten Westerns so überzeugend vermitteln wie Leone mit diesem und zwei weiteren »Dollar«-Filmen: »Für ein paar Dollar mehr« (1965) und »Zwei glorreiche Halunken« (1966).
  • Deutscher Titel: Dirty Harry
  • Original-Titel: DIRTY HARRY
  • Land: USA
  • Jahr: 1971
  • Regie: Don Siegel
  • Drehbuch: Harry Julian Fink, R.M. Fink, Dean Riesner
  • Kamera: Bruce Surtees
  • Schauspieler: Clint Eastwood, Harry Guardino, Reni Santoni
Inspektor Callahan, genannt »Dirty Harry« (Clint Eastwood), ist ein zynischer Einzelgänger, dessen Methoden Verbrecher zu überführen meist am Rand der Legalität liegen. Deshalb muss er auch den psychopathischen Killer, der in San Francisco wahllos Menschen umbringt, nach der Festnahme wegen eines Formfehlers wieder auf freien Fuß setzen. Als der Mörder dann aber erneut zuschlägt, schreitet Dirty Harry ohne dienstlichen Auftrag zur Abrechnung.
Von allen Seiten wird der Film heftig kritisiert: Regisseur Don Siegel wird vorgeworfen, offen zur Selbstjustiz aufzurufen, der Titelheld propagiere die Rückkehr zum Faustrecht. Tatsächlich zeigt »Dirty Harry« die amerikanische Großstadt als gewalttätigen Dschungel, in dem Polizei und Justiz längst nicht mehr das Sagen haben und in dem allein gewalttätige Eigeninitiative zum »Erfolg« führt.
Vom Publikum allerdings wird der Film begeistert aufgenommen, wie die Zuschauerzahlen belegen. Für Eastwood erweist sich die fünfte Zusammenarbeit mit Action-Spezialist Siegel als die bisher erfolgreichste, wenn auch zugleich umstrittenste. »Dirty Harry« zieht eine Reihe von Fortsetzungen mit Eastwood in der Hauptrolle nach sich: »Calahan« (1973), »Der Unerbittliche« (1976) und »Dirty Harry kehrt zurück« (1983), in der er auch Regie führt.
  • Deutscher Titel: Die Flucht von Alcatraz
  • Original-Titel: ESCAPE FROM ALCATRAZ
  • Land: USA
  • Jahr: 1979
  • Regie: Don Siegel
  • Drehbuch: Richard Tuggle, nach einem Roman von J. Campbell Bruce
  • Kamera: Bruce Surtees
  • Schauspieler: Clint Eastwood, Patrick McGoohan, Roberts Blossom, Jack Thiebeau
Don Siegel dreht seinen harten Actionfilm nach einem authentischen Fall: 28 Jahre lang galt die Gefängnisinsel Alcatraz als ausbruchssicherste Haftanstalt der Vereinigten Staaten. Noch nie konnte ein Gefangener von dort entkommen, bis am 11. Juni 1962 drei Häftlingen die Flucht gelang.
Clint Eastwood spielt den hochintelligenten Schwerverbrecher Frank Morris, der den Plan austüftelt und den Ausbruch in monatelanger Detailarbeit mit seinen Komplizen (Fred Ward, Jack Thiebeau) vorbereitet. Dennoch droht ihre Flucht immer wieder an unvorhergesehenen Ereignissen zu scheitern, was für den nervenzerrenden Thrill des Films sorgt.
Weitere Filme: „Bird“ 1988 (nur Regie); „Erbarmungslos“ 1992 (auch Regie); „In the Line of Fire“ 1993; „Absolute Power“ 1997 (auch Regie); „Ein wahres Verbrechen“ 1999 (auch Regie); „Space Cowboys“ 2000 (auch Regie); „Mystic River“ 2003 (nur Regie); „Million Dollar Baby“ 2004 (auch Regie); „Flags of our fathers“ 2006 (nur Regie); „Letters from Iwo Jima“ 2006 (nur Regie); „Der fremde Sohn“ 2008 (nur Regie); „Gran Torino“ 2008 (auch Regie); „Invictus“ 2009 (nur Regie).
  • Deutscher Titel: Erbarmungslos
  • Original-Titel: UNFORGIVEN
  • Land: USA
  • Jahr: 1992
  • Regie: Clint Eastwood
  • Drehbuch: David Webb Peoples
  • Kamera: Jack N. Green
  • Schauspieler: Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman
  • Auszeichnungen: Oscars 1993 für Film, Regie, Nebendarsteller (Gene Hackman)
Hollywood-Action-Held und Regisseur Clint Eastwood entmythologisiert in »Erbarmungslos« das Genre des Westerns der Film bringt ihm große künstlerische Anerkennung der Kritiker und den Gewinn von drei Oscars.
Eastwood selbst spielt den einst gefürchteten Revolverhelden Bill Munny, der alt und gebrochen als Witwer lebt. Noch einmal macht er sich aber mit seinem schwarzen Freund Ned Logan (Morgan Freeman) auf die Suche nach zwei Brüdern, auf die wegen Misshandlung einer Prostituierten ein Kopfgeld ausgesetzt worden ist.
Munny, früher ein rücksichtsloser Killer, versucht anfangs, seinen Auftrag friedlich auszuführen; doch die Provokationen seiner Umgebung, u.a. in Person des zynischen Sheriffs Little Bill Daggett (Gene Hackman), lassen Munny keinen Ausweg mehr sehen: Es kommt zu einem dramatischen, gewalttätigen Show-down.
Eastwood gelingt eine differenzierte Analyse der Entstehung und Ausbreitung von Gewalt unter Menschen, die verloren sind in ihrer Geschichte und weder Perspektive noch Realitätsbezug mehr besitzen. Vor allem macht Eastwood nicht den Fehler, seine Figuren zu Idolen zu erheben und somit einer zusätzlichen Verklärung Vorschub zu leisten. Durch diese Entglorifizierung des Westerns gilt »Erbarmungslos« nicht wenigen Kritikern als Markstein des Genres.
Wirtschaftlich wird »Erbarmungslos« zwar kein Spitzenerfolg, aber mit 75 Mio. Dollar Einspielergebnis gehört er in den USA zu den besten 20 Filmen und bleibt damit noch über den Erwartungen der Warner-Bros.-Produktionsgesellschaft.
  • Deutscher Titel: In The Line Of Fire Die zweite Chance
  • Original-Titel: IN THE LINE OF FIRE
  • Land: USA
  • Jahr: 1993
  • Regie: Wolfgang Petersen
  • Drehbuch: Jeff Maguire
  • Kamera: John Bailey
  • Schauspieler: Clint Eastwood, John Malkovich, Rene Russo, Dylan McDermot
»In the line of fire« ist mehr ein Clint-Eastwood-Film als der des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen, von dem Kritiker behaupten, seine beste Leistung im Rahmen der Produktion sei wohl die, dass die Regie nicht sonderlich auffalle.
Rechtzeitig zum 30. Jahrestag der Ermordung John F. Kennedys konstruiert der Plot den erneuten Versuch eines Attentats auf den amtierenden amerikanischen Präsidenten. Clint Eastwood mimt dabei einen Secret-Service-Agenten, der sich Vorwürfe macht, bei Kennedys Ermordung versagt zu haben. Er wird fortan zum Kontrahenten des gegenwärtigen Killers, eines intelligenten Psychopathen (John Malkovich). »In The Line Of Fire« bezieht seine Spannung ebenso wie »Auf der Flucht« (1993) aus dem packenden Duell der Hauptfiguren. Vielen Kritikern erscheint der Film als der beste amerikanische Thriller des Jahres.
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