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LEXIKON

dritter Weg

Politik
gesellschaftswissenschaftlicher Ausdruck, der in vielfältigem Sinn verwendet wird und von uneinheitlicher Bedeutung ist. In kulturkritischer Sicht war damit eine Absage an den „westlichen Individualismus“ wie an den „östlichen Kollektivismus“ gemeint. Befürworter (u. a. W. Röpke) eines dritten Weges in den Wirtschaftswissenschaften plädierten für eine Wirtschaftsordnung, die einen Mittelweg zwischen einer völlig unreglementierten Marktwirtschaft und zentral gelenkter Planwirtschaft anstrebt. Freier Wettbewerb und marktkonforme staatliche Eingriffe sollten sich dabei ergänzen. Als dritter Weg wurden auch neomarxistische Bestrebungen (z. B. von O. Šik) bezeichnet, die ein Gesellschaftssystem anstreben, in dem die Produktionsmittel zwar teilweise vergesellschaftet sind, das System aber demokratische und pluralistische Elemente enthält. Diese Richtung propagierte auch der Eurokommunismus der 1970er Jahre. Im Hinblick auf die Entwicklungsländer beschrieb der dritte Weg eine Politik, die sich eigenständig zwischen den westlichen Industrieländern und den sozialistischen Staatshandelsländern bewegte. In deutschlandpolitischer Hinsicht ist eine Richtung gemeint, die nach 1945 ein wiedervereinigtes Deutschland unter neutralen Vorzeichen anzustreben gewillt war.
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