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LEXIKON

Dialktik

[
griechisch dialektike techne, „Unterredungskunst“
]
Denkweise, die innere Widersprüche im Denken zunächst begrifflich zu entfalten und schließlich zu überwinden sucht. Widersprüchlichkeiten erhalten so eine produktive Funktion und werden im Bezug auf das Ganze des Denkens integriert. Dialektik tritt dabei sowohl als angewandte logische Methodenlehre, als Argumentationstheorie wie auch als kritische Entwicklungstheorie des Wissens auf.
Ursprünglich Kunst der Gesprächsführung (Sophisten, Eristik), wurde die Dialektik von Sokrates und Platon zu einer philosophischen Methode ausgebildet, die Wahrheitsfindung durch Rede und Gegenrede unternimmt. Aristoteles entwarf die Dialektik als ein Verfahren zur Aufdeckung von Argumentationsfehlern, wie auch zur Klärung begrifflicher Zusammenhänge (Topik). Als formale Logik war Dialektik neben Grammatik und Rhetorik im Mittelalter das dritte Bildungselement des Triviums im Rahmen der Artes liberales. Als Argumentationslehre, die das Aufstellen und Erwägen wahrscheinlicher Meinungen erlaubt, wurde Dialektik im Mittelalter und der Frühen Neuzeit auch als Gegenstück zur Analytik angesehen. Für I. Kant war Dialektik eine „Logik des Scheins“, weil sie nur durch die Vernunft, ohne sich von der Erfahrung leiten zu lassen, zu Erkenntnissen gelangen möchte (transzendentalen Dialektik).
Seine heutige Prägung erhielt der Begriff der Dialektik durch G. W. F. Hegel. Dialektik war für ihn die Methode der Philosophie und der Fortschritt des Geistes zugleich. Indem ein Inhalt, z. B. die Freiheit, für sich gesetzt wird, ist er noch einseitig (These). In dieser Feststellung und näheren Bestimmung wird der Inhalt negiert, der Freiheit z. B. die Notwendigkeit der Allgemeinheit entgegengehalten (Antithese). Indem diese Negation als Entfaltung des ursprünglichen Inhalts verstanden wird, hat sich der zuerst angesetzte Gedanke dialektisch geklärt und ist zur Identität mit seinen Bestimmungen gekommen (Synthese). Der Marxismus schließt an dieses Schema an, versteht es jedoch als Verfahren der Kritik am Bewusstsein von der gesellschaftliche Wirklichkeit (dialektischer Materialismus). S. Kierkegaard sah eine existenzielle Dialektik im Verhältnis des Menschen zu Gott, die Kern des christlichen Glaubens sei; dies nimmt K. Barths dialektische Theologie auf. Die negative Dialektik T. W. Adornos unternahm den Versuch, die „Nichtidentität“ des Einzelnen mit dem allgemeinen Begriff herauszuarbeiten (Kritische Theorie). In jüngerer Zeit hat vor allem J. Habermas diese Entwicklung weitergeführt, jedoch unter stärkerer Berücksichtigung der gesellschaftlichen Diskurse.
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