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LEXIKON

Der Fall Roms und die Völkerwanderung

Der Fall Roms und die Völkerwanderung
Augustinus (354-430), einer der wichtigsten abendländischen Kirchenväter, über die Eroberung Roms im Jahr 410 als Hintergrund für sein Hauptwerk "Der Gottesstaat":

Unterdessen wurde Rom durch das Eindringen der Goten unter Alarich und durch einen furchtbaren Zusammenbruch zu Fall gebracht, und die Verehrer der falschen und vielen Götter, die wir Heiden zu nennen pflegen, begannen, indem sie diesen Fall Roms mit der christlichen Religion in Verbindung zu bringen wagten, heftiger und bitterer als sonst, den wahren Gott zu schmähen. Da entbrannte ich von Eifer für das Haus des Herrn und nahm mir vor, wider ihre Schmähungen und Irrtümer die Bücher über den Gottesstaat zu schreiben. Diese Arbeit hielt mich einige Jahre hin ... Endlich aber wurde das große Werk über den Gottesstaat in 22 Büchern abgeschlossen."

Der gallische Bischof Orientius (Mitte 5. Jahrhundert) über die Endzeitstimmung, die sich im Zeichen der Völkerwanderung ausbreitet:
"Müde erwartet alles das greisenhafte Ende der Welt, und schon läuft ab die Zeit am letzten Tage. Siehe, wie rasch der Tod die ganze Welt bezwungen und welch starke Völker die Wucht des Krieges zu Boden geworfen hat! ... Nicht dichter Wald, nicht die Unwirtlichkeit eines hohen Gebirges, nicht die reißenden Strudel mächtiger Flüsse, nicht feste Burgen, nicht Städte im Schutze ihrer Mauern, ... waren im Stande, die barbarischen Horden zu hintergehen ... Ganz Gallien rauchte als einziger Scheiterhaufen ...
Doch was soll ich den Leichenzug der hinsinkenden Welt beschreiben, der ohne Unterbrechung seine gewohnte Bahn zieht? ..."
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