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LEXIKON

De Sca

Vittorio, italienischer Filmregisseur und Schauspieler, * 7. 7. 1902 Sora,  13. 11. 1974 Neuilly-sur-Seine; als Regisseur einer der Hauptvertreter des Neorealismus; Filme: „Schuschia“ 1946; „Fahrraddiebe“ 1948; „Das Wunder von Mailand“ 1951; „Umberto D.“ 1952; „Rom, Station Termini“ 1953; „Das Dach“ 1956; „Die Eingeschlossenen von Altona“ 1962; „Der Garten der Finzi Contini“ 1970 u. a.
Sica, Vittorio de
Vittorio de Sica
Vittorio de Sica mit Sophia Loren
  • Deutscher Titel: Schuschia (Schuhputzer)
  • Original-Titel: SCIUSCIA
  • Land: Italien
  • Jahr: 1946
  • Regie: Vittorio De Sica
  • Drehbuch: Sergio Amidei, Adolfo Franci, Vittorio De Sica
  • Kamera: Anchise Brizzi
  • Schauspieler: Franco Interlenghi, Rinaldo Smordoni, Aniello Mele
  • Auszeichnungen: Oscar 1948 für nichtenglischsprachigen Film
Vittorio De Sica verfilmt im Stil des Neorealismus die tragische Geschichte einer Jungenfreundschaft.
Im Rom der Nachkriegszeit verdienen sich die heimatlosen Jungen Giuseppe und Pasquale ihr Leben durch Schuhputzen. In ihrer Freizeit träumen sie davon, ein Pferd zu kaufen und wegzureiten. Um die Realisierung zu beschleunigen, beteiligen sie sich an einem Diebstahl und werden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Maßgeblich für den Schuldspruch ist das Geständnis Pasquales, der nun von Giuseppe als feiger Verräter gesehen wird. Giuseppe flieht aus dem Gefängnis, und Pasquale folgt ihm. Während einer Prügelei der verfeindeten Freunde stürzt Giuseppe und stirbt. Pasquale bleibt einsam und fassungslos zurück.
In den Kritiken wird »Schuschia« als Schlüsselwerk des Neorealismus bezeichnet. De Sica attackiert die Unmenschlichkeit der Erwachsenenwelt, die seine beiden jugendlichen Hauptfiguren kriminalisiert und letztlich den Tod des einen zu verantworten hat.
  • Deutscher Titel: Fahrraddiebe
  • Original-Titel: LADRI DI BICICLETTE
  • Land: Italien
  • Jahr: 1948
  • Regie: Vittorio De Sica
  • Drehbuch: Cesare Zavattini, Oreste Biancoli, Suso Cecchi d„Amico, Vittorio De Sica, Adolfo Franci, Gherardo Gherardi, Gerardo Guerrieri
  • Kamera: Carlo Montuori
  • Schauspieler: Lamberto Maggiorani, Enzo Staiola, Lianella Carell
Bereits bei seiner Uraufführung in Rom erntet der Film »Fahrraddiebe« von Vittorio De Sica höchstes Kritikerlob. De Sicas Werk markiert den Höhepunkt des italienischen Neorealismus und beeinflusst viele europäische Filmemacher der 50er Jahre.
In dem ausschließlich mit Laiendarstellern und an Originalschauplätzen gedrehten Film geht es um eine Episode im Leben des arbeitslosen Antonio. Als dieser die Möglichkeit erhält, als Plakatankleber zu arbeiten, löst er mit dem letzten Geld seiner Familie ein Fahrrad bei einem Pfandleiher aus und tritt die Stelle an. Da das Fahrrad ihm aber bereits kurze Zeit später gestohlen wird, macht er sich mit seinem kleinen Sohn auf die Suche nach dem Dieb. Als sie ihn finden, kann Antonio ihm jedoch nichts nachweisen. In seiner Verzweiflung stiehlt er selbst ein Fahrrad und wird prompt erwischt.
Obwohl die einfache Geschichte eine existenzielle Bedrohung darstellt, da Antonios Hoffnung auf Arbeit am Fahhrad hängt, zeichnet sie sich durch eine lebendige und unsentimentale Erzählweise aus.
  • Deutscher Titel: Das Wunder von Mailand
  • Original-Titel: MIRACOLO A MILANO
  • Land: Italien
  • Jahr: 1951
  • Regie: Vittorio de Sica
  • Drehbuch: Cesare Zavattini
  • Kamera: Aldo Graziati, Gianni Di Venanzo
  • Schauspieler: Emma Grammatica, Francesco Golisano, Paolo Stoppa
  • Auszeichnungen: Goldene Palme Filmfestspiele Cannes 1951 für Film
Der gutherzige Toto wächst bei der netten älteren Dame Lolotta auf und lebt nach ihrem Tod im Waisenhaus. Mit 18 Jahren schließt er sich den Armen und Kranken an, die in einem Budendorf am Stadtrand leben. Als auf dem Standort der Siedlung eine Ölquelle entdeckt wird, sollen die Armen vertrieben werden. Nun erhält Toto Hilfe von seiner toten Ziehmutter Lolotta: Sie schickt ihm eine weiße Taube, mit der ihm jeder Wunsch erfüllt wird. Er legt daraufhin die Polizei lahm, indem er deren Kommandos in Opernarien verwandelt. Doch er erfüllt auch unsinnige Wünsche der Armen, so dass ihm die Taube wieder genommen wird. Die Polizei kann jetzt ungehindert die Armen abtransportieren und ihre Buden einreißen. Die Armen aber steigen mit der wundertätigen Hilfe Lolottas in den Himmel auf, in der Hoffnung irgendwo ein besseres Leben zu finden.
De Sica gelingt mit diesem Film formal und inhaltlich ein anrührendes Meisterwerk, dessen märchenhafte Züge den Neorealismus überwinden. Sein Film ist eine Parabel auf die Notwendigkeit, die Gegensätze zwischen Arm und Reich in den westlichen Industrieländern zu überwinden.
  • Deutscher Titel: Umberto D.
  • Original-Titel: UMBERTO D.
  • Land: Italien
  • Jahr: 1952
  • Regie: Vittorio De Sica
  • Drehbuch: Cesare Zavattini, Vittorio De Sica
  • Kamera: G. R. Aldo
  • Schauspieler: Carlo Battisti, Maria Pia Casilio, Lina Gennart
Vereinsamt lebt der alte Umberto D. mit seinem einzigen Freund, einem Hund, zusammen in einem kleinen, schäbigen Zimmer. Der pensionierte Beamte steckt in Existenzschwierigkeiten: Seine Rente reicht nicht aus, um die Miete zu bezahlen und seine Vermieterin ist nicht länger bereit, ihm das Geld zu stunden. Vergeblich wartet er auf eine Erhöhung seiner Rente. Die Lage spitzt sich zu, als nach einem Krankenhausaufenthalt sein Zimmer belegt ist. Umberto entschließt sich, gemeinsam mit seinem Hund aus dem Leben zu scheiden, doch kurz vor der Vollendung der Tat entwischt der Hund und verhindert so den Selbstmord. Wie sich das Schicksal des Alten weiterentwickelt, lässt der Film offen.
Vittorio De Sica legt mit dieser Gesellschaftskritik nach seinem bekanntesten Film, den »Fahrraddieben« (1948), ein weiteres Glanzstück des italienischen Neorealismus vor.
  • Deutscher Titel: Das Dach
  • Original-Titel: IL TETTO
  • Land: Italien
  • Jahr: 1956
  • Regie: Vittorio De Sica
  • Drehbuch: Cesare Zavattini
  • Kamera: Carlo Montuori
  • Schauspieler: Gabriella Pallotta, Giorgio Listuzzi, Angelo Bigioni, Gastone Renzelli
Das vielfach bewährte Gespann De Sica und Zavattini versucht in diesem ebenso sozialkritischen wie amüsanten Film, noch einmal neorealistische Stilmittel im Film einzusetzen. Nach Kritikermeinung gelingt ihnen das jedoch nicht so überzeugend wie in der Blütezeit des Neorealismus Ende der 40er Jahre, da sie die inneren Vorgänge, die im Verhalten der Personen zum Ausdruck kommen, aussparen. Die beteiligten Schauspieler sind allesamt Laiendarsteller.
Ein junges Paar versucht in Rom eine eigene Wohnung zu finden. Die Wohnung der Schwiegereltern ist jetzt schon hoffnungslos überbelegt und die Suche nach einer neuen Unterkunft bleibt ohne Erfolg. So nutzen sie als letzten Ausweg ein italienisches Gesetz aus, das besagt, dass die Bewohner eines auf öffentlichem Boden über Nacht gebauten Hauses nicht vertrieben werden dürfen. Mit Unterstützung ihrer Freunde gelingt dem Paar der nächtliche Hausbau tatsächlich und ihr Problem ist damit beseitigt.
  • Deutscher Titel: Der Garten der Finzi Contini
  • Original-Titel: IL GIARDINO DEI FINZI CONTINI
  • Land: Deutschland
  • Jahr: 1970
  • Regie: Vittorio de Sica
  • Drehbuch: Ugo Pirro, Vittorio Bonicelli, nach einem Roman von Giorgio Bassani
  • Kamera: Ennio Guarnieri
  • Schauspieler: Lino Capolicchio, Dominique Sanda, Fabio Testi, Romolo Valli, Helmut Berger
  • Auszeichnungen: Goldener Bär Filmfestspiele 1971 für Film, Oscar 1972 für ausländischen Film
Die ausklingenden 60er und beginnenden 70er Jahre machen durch zahlreiche Filme auf sich aufmerksam, die alle den Faschismus zum Thema haben (z.B. Luchino Viscontis »Die Verdammten«, 1968, Bernardo Bertoluccis »Der große Irrtum«, 1969). Auch De Sica wählt diese Thematik: Zwei jüdische Familien (unter ihnen die des Gelehrten Finzi Contini) leben im italienischen Ferrara des Jahres 1938. Micol und Giorgio, zwei Familienmitglieder, verbindet eine Liebesgeschichte. Eine Zeit lang können sich die Familien trotz bedrohlicher Anzeichen noch vor der Gefahr der Außenwelt verschließen; doch dann macht der Faschismus auch vor ihrer Tür nicht halt, und sie werden schließlich verhaftet.
De Sica erzählt seine Geschichte in schönen, elegischen Bildern, die fast schon anrührend wirken. Das bringt ihm von Kritikern den Vorwurf ein, das Grauen der millionenfachen Ermordung von Juden zu verharmlosen.
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