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LEXIKON

Chemie

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çe-; ägyptisch (?), griechisch, arabisch
]
die Lehre von den Stoffen und Stoffumwandlungen. Sie befasst sich mit dem Aufbau (Synthese), der Zerlegung (Analyse) und den Veränderungen (Reaktionen) von Stoffen und zählt zu den exakten Naturwissenschaften. In klassischer Weise unterscheidet man die anorganische Chemie, die alle Elemente außer Kohlenstoff umfasst, die organische Chemie, die auch Chemie der Kohlenstoffverbindungen heißt, und die physikalische Chemie, die sich mit den physikalischen Gesetzen bei chemischen Reaktionen beschäftigt. Darüber hinaus gibt es Spezialgebiete, bei denen alle drei Hauptformen vertreten sind: analytische Chemie, physiologische Chemie, pharmazeutische Chemie, gerichtliche Chemie, Nahrungsmittelchemie, Agrikulturchemie, Elektrochemie, Kunststoffchemie, Kolloidchemie u. a.
Nobelpreis: Chemie
Nobelpreis: Chemie
JahrPreisträger
1901J. H. van't Hoff (Niederlande)
1902E. Fischer (Deutschland)
1903S. A. Arrhenius (Schweden)
1904W. Ramsay (Großbritannien)
1905A. von Baeyer (Deutschland)
1906H. Moissan (Frankreich)
1907E. Buchner (Deutschland)
1908E. Rutherford (Großbritannien)
1909W. Ostwald (Deutschland)
1910O. Wallach (Deutschland)
1911M. Curie (Frankreich)
1912V. Grignard, P. Sabatier (Frankreich)
1913A. Werner (Schweiz)
1914T. W. Richards (USA)
1915R. Willstätter (Deutschland)
1916
1917
1918F. Haber (Deutschland)
1919
1920W. Nernst (Deutschland)
1921F. Soddy (Großbritannien)
1922F. W. Aston (Großbritannien)
1923F. Pregl (Österreich)
1924
1925R. Zsigmondy (Deutschland)
1926T. Svedberg (Schweden)
1927H. Wieland (Deutschland)
1928A. Windaus (Deutschland)
1929A. Harden (Großbritannien), H. von Euler-Chelpin (Schweden)
1930H. Fischer (Deutschland)
1931C. Bosch, F. Bergius (Deutschland)
1932J. Langmuir (USA)
1933
1934H. C. Urey (USA)
1935F. Joliot-Curie, I. Curie (Frankreich)
1936P. J. W. Debye (Niederlande)
1937W. N. Haworth (Großbritannien), P. Karrer (Schweiz)
1938R. Kuhn (Deutschland)
1939L. Ruzicka (Schweiz), A. F. J. Butenandt (Deutschland)
1943G. Hevesy de Heves (Ungarn)
1944O. Hahn (Deutschland)
1945A. I. Virtanen (Finnland)
1946J. B. Summer, J. H. Northrop, W. M. Stanley (USA)
1947R. Robinson (Großbritannien)
1948A. W. K. Tiselius (Schweden)
1949W. F. Giauque (USA)
1950O. Diels, K. Alder (BR Deutschland)
1951E. McMillan, G. T. Seaborg (USA)
1952A. J. P. Martin, R. L. M. Synge (Großbritannien)
1953H. Staudinger (BR Deutschland)
1954L. Pauling (USA)
1955V. du Vigneaud (USA)
1956N. N. Semjonow (UdSSR), C. N. Hinshelwood (Großbritannien)
1957A. Todd (Großbritannien)
1958F. Sanger (Großbritannien)
1959J. Heyrovsky (Tschechoslowakei)
1960W. F. Libby (USA)
1961M. Calvin (USA)
1962J. C. Krendrew, M. F. Perutz (Großbritannien)
1963K. Ziegler (BR Deutschland), G. Natta (Italien)
1964D. Crowfoot-Hodgkin (Großbritannien)
1965R. B. Woodward (USA)
1966R. Mulliken (USA)
1967M. Eigen (BR Deutschland), R. G. W. Norrish, G. Porter (Großbritannien)
1968L. Onsager (USA)
1969D. H. R. Barton (Großbritannien), O. Hassel (Norwegen)
1970L. Leloir (Argentinien)
1971G. Herzberg (Kanada)
1972C. Anfinsen, S. Moore, W. Stein (USA)
1973E. O. Fischer (BR Deutschland), G. Wilkinson (Großbritannien)
1974P. L. Flory (USA)
1975J. W. Cornforth (Großbritannien), V. Prelog (Schweiz)
1976W. N. Lipscomb (USA)
1977J. Prigogine (Belgien)
1978P. Mitchell (Großbritannien)
1979G. Wittig (BR Deutschland), H. Brown (USA)
1980F. Sanger (Großbritannien), W. Gilbert, P. Berg (USA)
1981K. Fukui (Japan), R. Hoffmann (USA)
1982A. Klug (Großbritannien)
1983H. Taube (USA)
1984R. B. Merrifield (USA)
1985H. A. Hauptmann, J. Karle (USA)
1986D. R. Herschbach, Y. T. Lee (USA), J. C. Polanyi (Kanada)
1987C. J. Pedersen, D. J. Cram (USA), J.-M. Lehn (Frankreich)
1988J. Deisenhofer, R. Huber, H. Michel (BR Deutschland)
1989S. Altmann (Kanada), T. R. Cech (USA)
1990E. J. Corey (USA)
1991R. Ernst (Schweiz)
1992R. A. Marcus (USA)
1993M. Smith (Kanada), K. B. Mullis (USA)
1994G. Olah (USA)
1995P. Crutzen (Niederlande), M. Molina (Mexiko), S. Rowland (USA)
1996R. F. Curl, R. E. Smalley (USA), H. W. Kroto (Großbritannien)
1997P. D. Boyer (USA), J. C. Skou (Dänemark), J. E. Walker (Großbritannien)
1998W. Kohn (USA), J. A. Pople (Großbritannien)
1999A. Zewail (Ägypten)
2000A. J. Heeger, A. G. MacDiarmid (USA), Hideki Shirakawa (Japan)
2001W. S. Knowles, K. B. Sharpless (USA), R. Noyori (Japan)
2002J. B. Fenn (USA), K. Tanaka (Japan), K. Wüthrich (Schweiz)
2003P. Agre, R. MacKinnon (USA)
2004A. Ciechanover, A. Hershko (Israel), I. Rose (USA)
2005R. H. Grubbs, R. R. Schrock (USA), Y. Chauvin (Frankreich)
2006R. D. Kornberg (USA)
2007G. Ertl (Deutschland)
2008O. Shimomura, M. Chalfie, R.Y. Tsien (USA)
2009V. Ramakrishnan (Indien), T. A. Steitz, A. E. Yobarth (USA)
2010R. F. Heck (USA), E. Negishi, A. Suzuki (Japan)
2011D. Shechtman (Israel)
2012R. Lefkowitz (USA), B. Kobilka (USA)
Die Grundbausteine aller chemischen Verbindungen sind die chemischen Elemente, die im Periodensystem der Elemente tabellarisch aufgeführt sind. Charakteristisch für die Chemie ist die Formelsprache, die es aufgrund der Elementsymbole erlaubt, selbst schwierige Reaktionsabläufe ohne Worterklärungen in Form von chemischen Gleichungen zu beschreiben, wobei die Ausgangs- und Endprodukte nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ erfasst sind (Stöchiometrie). Die verwirrende Fülle bekannter und die rasch ansteigende Zahl neuer chemischer Verbindungen aus allen Teilgebieten der Chemie, der Biochemie und der Pharmazie machen eine genaue Kennzeichnung der Stoffe notwendig. Das System der chemischen Fachbezeichnungen (Nomenklatur) hat als Basis die wissenschaftlichen Namen der Elemente, die zur Kennzeichnung von chemischen Verbindungen in mannigfacher Weise miteinander verknüpft sind. Daneben werden auch eine Reihe von gewöhnlichen Namen (Trivialnamen) für altbekannte Stoffe wie Schwefelsäure, Kochsalz, Essigsäure u. a. beibehalten. Wichtige Stoffklassen sind: Oxide, Basen, Säuren, Salze. Die organische Chemie, die heute über 3 Mio. chemische Verbindungen umfasst, kann diese Fülle nur mit Hilfe lateinischer und griechischer Buchstaben, Silben und Ziffern treffend kennzeichnen, da rund 90% aller organischen Verbindungen nur aus den drei Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehen. Charakteristisch sind hier neben kettenförmigen Verbindungen Ringsysteme verschiedener Art (Benzol, Naphthalin, Anthracen, Pyrrol, Furan).
Schon im Altertum, also lange bevor es eine Wissenschaft der Chemie gab, hatten die Menschen aller Kulturkreise Methoden und Verfahren, die wir heute als chemische Reaktionen bezeichnen, empirisch erarbeitet und über Generationen hinweg weitergegeben. Das Zeitalter der Alchemie, etwa vom 13. bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts, kennzeichnet das Streben nach dem Stein der Weisen. Als Begründer der wissenschaftlichen Chemie gilt Paracelsus.
Chemie: Geschichte
Wichtige Daten zur Geschichte der Chemie
v. Chr.Gold, Silber, Kupfer, Blei, Eisen, Zinn, Quecksilber, pflanzliche und mineralische Farbstoffe sind bekannt
11. Jh.Alkohol wird durch Destillation gewonnen
14. Jh.Schwarzpulver wird in Europa als Erfindung des Mönchs Berthold Schwarz bekannt; in China kennt man es seit 1200
1530Paracelsus begründet die wissenschaftliche Chemie
1556G. Agricola begründet die Bergbaukunde
1579A. Libavius schreibt das erste chemische Lehrbuch
1642J. Jungius setzt die Waage bei der Untersuchung chemischer Vorgänge ein
1648J. R. Glauber führt die trockene Destillation von Holz, Steinkohle und Fetten ein
1674H. Brand entdeckt den Phosphor
um 1700G. E. Stahl begründet die Phlogistontheorie
1750Schwefelsäure wird nach dem Bleikammerverfahren hergestellt
1766H. Cavendish entdeckt den Wasserstoff
1771/72C. W. Scheele entdeckt den Sauerstoff
1774C. W. Scheele entdeckt das Chlor
1774J. Priestley gelingt die Sauerstoffdarstellung
1777A. L. Lavoisier stellt eine Theorie der Verbrennung auf
1783H. Cavendish analysiert die Luftbestandteile
1791N. Leblanc entwickelt ein Verfahren zur Sodaherstellung im technischen Maßstab
1798J. W. Ritter begründet die Elektrochemie
1808J. Dalton stellt die Atomtheorie auf
1818J. J. Berzelius stellt eine dualistische elektrochemische Theorie auf
1828F. Wöhler entwickelt ein Verfahren zur Gewinnung von Aluminium
1835J. J. Berzelius entdeckt die Brenztraubensäure
1837J. Daguerre begründet das später als Daguerreotypie bezeichnete fotografische Verfahren
1839J. Goodyear entwickelt ein Verfahren zur Vulkanisation des Kautschuks
1842 R. J. Mayer formuliert das Gesetz von der Erhaltung der Energie
ab 1856Die Teerfarben-Industrie wird begründet
1859R. W. Bunsen und G. S. Kirchhoff führen die Spektralanalyse ein
1861T. Graham begründet die Kolloidchemie
1863E. Solvay entwickelt das nach ihm benannte Verfahren zur Herstellung von Soda
1867A. Kekulé formuliert erste Vorstellungen zur räumlichen Anordnung der Atome
1867C. M. Guldberg und P. Waage formulieren das Massenwirkungsgesetz
1867A. Nobel stellt Dynamit her
18681871D. Mendelejew und L. Meyer ordnen die chemischen Elemente in ein so genanntes Periodensystem
1874J. H. van't Hoff und J. A. Le Bel begründen die Stereochemie
1884L. B. Chardonnet entwickelt die Kunstseide
1887S. Arrhenius formuliert die Dissoziationstheorie
18941898W. Ramsay entdeckt die Edelgase
1906M. S. Tswett entwickelt die Chromatographie zur Trennung von Stoffen
1907L. H. Baekeland synthetisiert den nach ihm benannten Kunststoff Bakelit
1908F. Haber entwickelt ein Verfahren zur Ammoniaksynthese
1913F. Bergius entwickelt ein Verfahren zur Kohlenhydrierung
1913N. Bohr stellt ein Atommodell auf
1913F. Pregl führt die Mikroanalyse ein
1919E. Rutherford führt die erste künstliche Elementumwandlung durch
ab 1928Synthetische Waschmittel werden eingeführt
1935W. H. Carothers findet bei Untersuchungen zur Polykondensation das Polyamid 66 (Nylon)
1935G. Domagk publiziert Untersuchungsergebnisse über die antibakterielle Wirkung von Sulfonamiden
1938O. Hahn und F. Straßmann spalten Atomkerne
ab 1940Transurane werden künstlich hergestellt
1954Diamant kann synthetisch hergestellt werden
1960R. B. Woodward gelingt die Totalsynthese des Chlorophylls
ab 1964Energiegewinnung durch Atomkernspaltung
1964Element 104 (Rutherfordium) wird künstlich erzeugt
1968Antibiotika (Tetracycline) werden synthetisiert
1972Die Elektronenspektroskopie und die Hochdruckflüssigkeits-Chromatographie werden neu entwickelt
1973Flüssigkristalle werden praktisch eingesetzt, z. B. als Temperaturindikatoren
1973Die Kohlevergasung wird eingeführt
1979R. Zare u. a. entwickeln die Laserfluorimetrie
1985H. Kroto und R. Smalley synthetisieren das C60-Fulleren
1996In Mainz entdecken S. Hofmann, P. Armbruster und weitere Forscher das Element mit der Ordnungszahl 112 (Ununbium)
2003In Dubna (Russland) gelingt die Erzeugung des instabilen Elements 115 (Ununpentium) und seines Zerfallsprodukts Element 113 (Ununtrium)
2006In Dubna (Russland) gelingt die Erzeugung des instabilen, bislang schwersten Elements 118 (Ununoctium)
2009Erstmals gelang die Messung von Bromnitrat in der Stratosphäre; Brom ist nach Chlor die wichtigste Substanz für die durch den Menschen verursachte Ozonzerstörung
Alchimisten-Labor: Kupferstich
Kupferstich eines Alchimisten-Labors
Kupferstich eines Alchimisten-Labors aus dem Jahr 1625. Durch die Beschwörung magischer Kräfte und die Ausübung geheimnisvoller Zauber versuchte man den Stein der Weisen zu finden.
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