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LEXIKON

CDU

Abkürzung für Christlich Demokratische Union.
Die CDU ist eine politische Partei in Deutschland, die 1945 als christliche Partei auf überkonfessioneller Grundlage gegründet wurde. Gründungszentren waren Berlin (A. Hermes, W. Schreiber, J. Kaiser, E. Lemmer ) und das Rheinland (K. Arnold, R. Lehr, K. Adenauer ).
Adenauer, Konrad
Konrad Adenauer
Konrad Adenauer (1959)
Erst 1950 schlossen sich die einzelnen Landesverbände zu einer Bundespartei zusammen. In Bayern entstand mit der CSU eine Partei, die ähnliche Ziele wie die CDU verficht. Größere Tragweite als das von antikapitalistischen Ideen und vom Geist der „christlichen Soziallehre“ geprägte Ahlener Programm aus dem Jahre 1947 erlangten die „Düsseldorfer Leitsätze“ von 1949 und das Hamburger Programm von 1953. Allerdings spielten programmatische Gesichtspunkte oder ideologische Auseinandersetzungen bei der CDU in den 1950er und 1960er Jahren keine größere Rolle. Persönlichkeiten wie K. Adenauer und L. Erhard waren für den Erfolg der Partei wichtiger als die Programmatik. Nicht im Berliner Programm von 1968, sondern im ersten Grundsatzprogramm von 1978 in Ludwigshafen kam es zu einer grundlegenden inhaltlichen Erneuerung entlang der Leitbegriffe Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Schon in der Mannheimer Erklärung von 1975 waren mit dem Aufgreifen der Neuen Sozialen Frage neue programmatische Akzente gesetzt worden. Das auf dem Hamburger Parteitag 1994 verabschiedete Programm („Freiheit in Verantwortung“) stand in der Kontinuität des Grundsatzprogramms von Ludwigshafen. Die CDU bekannte sich zum Modell der ökologischen und sozialen Marktwirtschaft. 2007 verabschiedete die CDU in Hannover ein neues Grundsatzprogramm („Freiheit und Sicherheit - Grundsätze für Deutschland“), in dem sie sich als Volkspartei der politischen und gesellschaftlichen Mitte definierte.
Die CDU hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur programmatisch, sondern auch organisatorisch erneuert. Die organisatorischen Reformen und Strukturwandlungen der Partei gingen vor allem auf die Generalsekretäre K. Biedenkopf (19731977) und H. Geißler (19771989) zurück. Nachfolger in dieser Funktion wurden V. Rühe (19891992), P. Hintze (19921998), A. Merkel (19982000), R. Polenz (2000), L. Meyer (20002004), V. Kauder (2005), R. Pofalla (20052009), H. Gröhe (seit 2009).
Seit 1948 im Verwaltungsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebiets (u. a. durch Hermann Pünder und H. Schlange-Schöningen) und 19491969 in der Bundesregierung (durch die Kanzler K. Adenauer, L. Erhard, K. G. Kiesinger und viele Minister) war die CDU maßgeblich am Aufbau der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. 19691982 befand sich die Partei auf Bundesebene in der Opposition. Im Oktober 1982 gelangte sie durch den Bruch der sozialliberalen Koalition wieder zur Regierungsverantwortung. Mit H. Kohl stellte sie zum vierten Mal den Kanzler. Unter seiner Führung gelang die Wiedervereinigung Deutschlands. 1998 wurde die CDU erneut Oppositionspartei. Durch eine 1999 bekannt gewordene Parteispendenaffäre geriet die CDU in eine schwere Krise. In diesem Zusammenhang trat W. Schäuble als Partei- und Fraktionsvorsitzender zurück. Neue Parteivorsitzende wurde A. Merkel. Nach den vorgezogenen Bundestagswahlen 2005 bildete die CDU/CSU eine große Koalition mit der SPD, da die angestrebte bürgerliche Mehrheit mit der FDP nicht erreicht wurde. Mit A. Merkel wurde erstmals eine Frau in das Amt des Bundeskanzlers gewählt. Bei den Bundestagswahlen 2009 konnte die CDU/CSU gemeinsam mit der FDP eine stabile Mehrheit für eine Regierungsbildung erreichen.
CDU: Parteispendenskandal
CDU: Parteispendenskandal

Am 16. Februar 2000 stürzte CDU-Parteivorsitzender Wolfgang Schäuble über den Parteispendenskandal. Zu seinem Rücktritt gab er folgende Erklärung ab (Auszug):

Die CDU befindet sich in der schwersten Krise ihrer Geschichte. In einer nicht für möglich gehaltenen Weise ist in der Vergangenheit gegen die Vorschriften des Parteiengesetzes und die Prinzipien von Transparenz und innerparteilicher Demokratie verstoßen worden. Die Aufklärung dieser Vorgänge war und ist schwierig und schmerzhaft für die Partei, für ihre Mitglieder und Sympathisanten. Aber zu diesem Weg gibt es keine Alternative, um verloren gegangenes Vertrauen wieder zurückzugewinnen und neue Glaubwürdigkeit zu begründen. Die Krise der CDU darf nicht zur Krise unserer Demokratie werden. Deshalb ist es von überragender Bedeutung, dass die Union als große integrierende Kraft der Mitte erhalten bleibt. Diesem Ziel hat sich alles andere unterzuordnen.
In den vergangenen Wochen und Monaten war es immer schwieriger für die CDU, ihre Position im politischen Wettbewerb bemerkbar zu machen. Es muss aber wieder ein Zustand eintreten, der es der Union erlaubt, als starke Opposition gegen die rot-grüne Regierung wahrgenommen und mit ihren Alternativen akzeptiert zu werden. Das betrifft insbesondere auch die gemeinsame Bundestagsfraktion von CDU und CSU. Deshalb ist in mir die Überzeugung gereift, dass ohne einen sichtbaren, also auch personellen Neuanfang sich die Union nicht aus der Umklammerung dieser Krise befreien kann. ...
Die CDU stützt sich auf alle Berufsschichten und hat Parteiorganisationen in allen Ländern Deutschlands mit Ausnahme Bayerns. Im Bundestag bilden CDU und CSU seit 1949 eine gemeinsame Fraktion: 1949: 140 von 402 Sitzen; 1953: 244 von 487 Sitzen; 1957: 270 von 497 Sitzen; 1961: 242 von 489 Sitzen; 1965: 245 von 496 Sitzen; 1969: 242 von 496 Sitzen; 1972: 225 von 496 Sitzen; 1976: 243 von 496 Sitzen; 1980: 226 von 497 Sitzen; 1983: 244 von 498 Sitzen; 1987: 223 von 497 Sitzen; 1990: 319 von 662 Sitzen; 1994: 294 von 672 Sitzen; 1998: 245 von 669 Sitzen; 2002: 248 von 603 Sitzen; 2005: 226 von 614 Sitzen; 2009: 239 von 622 Sitzen (jeweils zu Beginn der Legislaturperiode; bis 1987 ohne Berliner Abgeordnete). Parteivorsitzende seit 1950: K. Adenauer 19501966, L. Erhard 1966/67, K. G. Kiesinger 19671971, R. Barzel 19711973, H. Kohl 19731998, W. Schäuble 19982000, A. Merkel seit 2000.
Im Juni 2012 hatte die CDU rd. 483 000 Mitglieder.
Die 1945 in der sowjetischen Zone gegründete CDU hatte schon 1948 unter dem Druck der Besatzungsmacht ihre Selbständigkeit eingebüßt und ordnete sich bis 1989 als Blockpartei der SED unter, ohne eigenständige Akzente zu setzen. In der Volkskammerwahl 1990 wurde sie stärkste Partei. Im gleichen Jahr vereinigte sie sich mit der CDU der Bundesrepublik Deutschland.
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