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LEXIKON

Brando

[
ˈbræn-
]
Marlon, US-amerikanischer Theater- und Filmschauspieler, * 3. 4. 1924 Omaha, Nebr.,  1. 7. 2004 Los Angeles; zunächst auf der Bühne erfolgreich; entwickelte sich in den 1950er Jahren durch die Verkörperung des aufsässigen, rebellischen Helden zum internationalen Filmstar, der das so genannte method acting (die totale Identifikation mit der Rolle) populär machte; ging seit Mitte der 1970er Jahre nur noch wenige hoch dotierte Engagements ein; Filme u. a.: „Endstation Sehnsucht“ 1951; „Der Wilde“ 1953; „Die Faust im Nacken“ 1954 (Oscar); „Der Pate“ 1972 (Oscar); „Der letzte Tango in Paris“ 1972; „Apocalypse Now“ 1979; „Weiße Zeit der Dürre“ 1989; „Don Juan DeMarco“ 1996; „The Score“ 2001.
  • Deutscher Titel: Endstation Sehnsucht
  • Original-Titel: A STREETCAR NAMED DESIRE
  • Land: USA
  • Jahr: 1951
  • Regie: Elia Kazan
  • Drehbuch: Tennessee Williams
  • Kamera: Harry Stradling
  • Schauspieler: Vivien Leigh, Marlon Brando, Karl Malden
  • Auszeichnungen: Oscars 1952 für Hauptdarstellerin (Vivien Leigh), Nebendarsteller (Karl Malden), Nebendarstellerin (Kim Hunter), Filmfestival Venedig 1951 für Hauptdarstellerin, Spezialpreis der Jury
Elia Kazan setzt mit seinem Filmdrama »Endstation Sehnsucht« das gleichnamige Bühnenstück von Tennessee Williams für die Leinwand um. Kazan hatte das Stück zuvor bereits für die Bühne inszeniert. Für seinen Film wählt er bis auf Vivien Leigh, die neu hinzukommt, dieselbe Besetzung wie bei der Broadway-Aufführung.
Blanche (Vivien Leigh) ist eine labile Frau, die ihr trübseliges Leben vergessen möchte. Sie stürzt sich in den Alkohol und sucht Unterschlupf bei ihrer Schwester Stella (Kim Hunter). Ihr Schwager Stanley Kowalsky (Marlon Brando), der sie mit seiner brutalen Körperlichkeit zugleich anzieht und abstößt, löst in ihr heftige Gefühlsverwirrungen aus. Blanche hofft auf eine gemeinsame Zukunft mit dem schüchternen Mitch (Karl Malden). Kowalsky zerstört ihre Bindung jedoch, indem er sie vergewaltigt. Psychisch zerstört wird sie in eine Nervenklinik eingewiesen.
In den USA erregt der Film wegen seines für die 50er Jahre außergewöhnlich offenen Umgangs mit Sexualität großes Aufsehen. Trotz der Kritik einiger Interessenverbände avanciert »Endstation Sehnsucht« bald zu einem Kultfilm.
Die theaternahe und originalgetreue Inszenierung Kazans wird zum Vorbild für viele Regisseure, die Theaterstücke für den Film adaptieren. Fast alle Szenen finden in der beengten Wohnung der Kowalskys statt, wodurch Blanches Ausgeliefertsein noch betont wird. Das Ergebnis ist ein bestechendes psychologisches Kammerspiel, das anrührt und verstörend wirkt.
Die Kritik feiert vor allem Marlon Brando als neue Entdeckung. Die Rolle des unangepassten Außenseiters, der seine Körperlichkeit nicht verleugnet, prägt Brandos Image nachhaltig. Er wird zu einem der ersten Idole für die protestierende Jugend in den 50er Jahren.
  • Deutscher Titel: Die Faust im Nacken
  • Original-Titel: ON THE WATERFRONT
  • Land: USA
  • Jahr: 1954
  • Regie: Elia Kazan
  • Drehbuch: Budd Schulberg
  • Kamera: Boris Kaufman
  • Schauspieler: Marlon Brando, Lee J. Cobb, Eva Marie Saint, Karl Malden
  • Auszeichnungen: Oscars 1955 für Film, Regie, Hauptdarsteller (Marlon Brando), Nebendarstellerin (Eva Marie Saint)
Regisseur Elia Kazan übt in »Die Faust im Nacken« Sozialkritik, die in ihrer Schärfe beispiellos ist. Doch der realistische Film wird bald als Klassiker der Filmgeschichte gefeiert acht Oscars sind der Lohn.
Schauplatz ist der New Yorker Hafen: Ex-Boxer Terry (Marlon Brando) gerät in die finsteren Machenschaften des Gewerkschaftsbosses Friendly (Lee J. Cobb) und verschuldet ungewollt den Mord an einem Dockarbeiter. Durch die Hilfe von Pater Barry (Karl Malden), der im Hafenviertel aktiv ist, und seine Liebe zu Edie (Eva Marie Saint) kann sich Terry, der mehr und mehr unter der Gewalttätigkeit leidet, aus dem Gewerkschaftsmafia-Milieu befreien.
An Originalschauplätzen gedreht, vermittelt der Film die Eintönigkeit, die die Gewaltbereitschaft schürt. Als überragend werden die schauspielerischen Leistungen und die Bildsprache bewertet.
  • Deutscher Titel: Der letzte Tango in Paris
  • Original-Titel: L„ULTIMO TANGO A PARIGI
  • Land: Italien
  • Jahr: 1972
  • Regie: Bernardo Bertolucci
  • Drehbuch: Franco Arcalli, Bernardo Bertolucci
  • Kamera: Vittorio Storaro
  • Schauspieler: Maria Schneider, Marlon Brando, Jean-Pierre Léaud, Massimo Girotti, Giovanna Galetti, Maria Michi, Veronica Lazare.
Heftige Beifallsstürme und lautstarke Buhrufe zugleich begleiten die Vorstellung von Bernardo Bertoluccis neuem Werk »Der letzte Tango in Paris«, das beim Filmfestival im Oktober 1972 in New York uraufgeführt wird.
Der Film verursacht einen Skandal: Wegen seiner Sexszenen wird er in seinem Entstehungsland Italien von der Staatsanwaltschaft sogar als »pornographisch« verboten. Cineasten hingegen beurteilen ihn wegen seiner ästhetischen Qualität als »Kunstfilm«.
Die »skandalöse« Story: Der plötzliche Selbstmord seiner Frau wirft den alternden Amerikaner Paul (Marlon Brando) völlig aus der Bahn. Auf der Suche nach einer neuen Unterkunft, in der ihn nicht alles an die Gattin erinnert, trifft er bei einer Wohnungsbesichtigung in Paris auf die junge Französin Jeanne (Maria Schneider). Zwischen den beiden flammt plötzlich heftiges sexuelles Begehren auf nichts zählt außer der reinen Lust. Es werden keine Namen ausgetauscht und auch keine Verständigung angestrengt (in der Originalversion spricht er englisch, sie französisch). Obwohl Jeanne ein Verhältnis zu einem anderen Mann hat, will sie doch auch auf Pauls sexuelle Ausstrahlung nicht mehr verzichten. Erst als dieser versucht, das Verhältnis in eine bürgerliche Beziehung zu wandeln, sie verfolgt und sogar bedrängt, zieht Jeanne sich zurück und tötet ihn wenig später.
Bernardo Bertolucci wird vorgeworfen, der Film bestehe nur aus Sex und Obsession. Doch er zeigt mehr: Eine Beziehung, die nur auf Körperlichkeit ausgerichtet ist, in der keine Gefühle erlaubt sind, in der die Einsamkeit und der Schmerz dominieren.
Revolutionär ist die Thematik keineswegs auch Ingmar Bergman oder Michelangelo Antonioni stellen pure Lust als letzte Zuflucht in einer kalten, kommunikationsfeindlichen Welt dar. Ohne das Klima der sexuellen Befreiung zu Beginn der 70er Jahre allerdings wären Filme wie »Der letzte Tango in Paris«, Walerian Borowczyks »Unmoralische Geschichten«(1973), Liliana Cavanis »Der Nachtportier« (1973) oder auch Pier Paolo Pasolinis »Erotische Geschichten aus 1001 Nacht« (1974) nicht denkbar.
Für Marlon Brando bedeutet das Werk einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Filmlegende: Nachdem er bereits im Jahr zuvor ein glanzvolles Come-back in Francis Ford Coppolas Film »Der Pate« (1971) gefeiert hatte, überrascht und schockiert er einmal mehr die Zuschauer diesmal durch seine Freizügigkeit.
  • Deutscher Titel: Apocalypse Now
  • Original-Titel: APOCALYPSE NOW
  • Land: USA
  • Jahr: 1979
  • Regie: Francis Ford Coppola
  • Drehbuch: John Milius, Francis Ford Coppola, nach einem Roman von Joseph Conrad
  • Kamera: Vittorio Storaro
  • Schauspieler: Martin Sheen, Marlon Brando, Robert Duvall, Dennis Hopper
  • Auszeichnungen: Goldene Palme Filmfestspiele Cannes 1979 für Film; Oscars 1980 für Kamera und Ton
Auf dem Filmfestival in Cannes präsentiert Francis Ford Coppola seinen noch unfertigen Vietnam-Film »Apocalypse Now« als »work in progress«, erntet dafür aber bereits herausragende Kritik. Captain Willard (Martin Sheen) erhält vom CIA in Saigon den Spezialauftrag, einen offenbar wahnsinnig gewordenen Colonel (Marlon Brando) zu liquidieren. Dieser hat sich im Dschungel von Kambodscha ein eigenes Reich geschaffen, in dem er sich wie ein Gott verehren lässt und einen Privatkrieg mit unvorstellbarer Grausamkeit führt.
Willards Reise flussaufwärts durch das Kriegsgebiet verdichtet sich immer mehr zu einem Alptraum in leuchtenden Farben, Coppola bleibt in der irritierenden Schwebe zwischen Entlarvung und Mystifizierung des Krieges. Er mischt Satire mit überwältigenden Farborgien, zeigt Napalmbrände zu den Klängen der »Doors«, Hubschrauberangriffe zu Wagners »Walkürenritt«, surfende GIs im Gefechtsfeuer und Playgirls auf der Dschungelbühne. Das Ganze wirkt wie ein Drogenrausch, in dem die Apokalypse aber stets gegenwärtig ist abstoßend und faszinierend zugleich.
Das Projekt drohte mehrfach zu scheitern: Die Kosten explodierten von 13 auf über 30 Mio. Dollar, Marlon Brando war so fett geworden, dass Coppola deshalb das Drehbuch änderte, ihn nur noch im Halbdunkel zeigte und teilweise doubeln ließ, Hauptdarsteller Martin Sheen bekam einen Herzinfarkt, und der Taifun »Olga« zerstörte die Dekorationen und große Teile der Ausrüstung. Um sein Werk überhaupt zu Ende führen zu können, haftete Coppola schließlich mit seinem Privatvermögen.
Total votes: 105
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