wissen.de
Total votes: 127
LEXIKON

Berlin

Geschichte

Die Städte Berlin und Cölln wurden um 1230 von dem Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg gegründet. Cölln wird urkundlich erstmals 1237, Berlin 1244 erwähnt. Sie entwickelten sich zu einer Doppelstadt, die, führend im Märkischen Städtebund (1308), später Mitglied der Hanse, 1432 erstmals einen gemeinsamen Rat bildete. Die Vereinigung wurde jedoch 1442 von Kurfürst Friedrich II., dem Eisernen, wieder aufgehoben.
Berlin war dann seit Kurfürst Johann Cicero (14551499) ständige Residenz und Hauptstadt von Kurbrandenburg.
Die Stadt nahm unter Friedrich Wilhelm I., dem Großen Kurfürsten, einen kräftigen Aufschwung (beginnende Industrialisierung; Hugenotteneinwanderung). König Friedrich I. verfügte 1709 die endgültige Vereinigung mit Cölln.
Der Ausbau der Industrie wie die Förderung der Akademien der Künste (gegründet 1696) und der Wissenschaften (1700) unter König Friedrich Wilhelm I. und Friedrich dem Großen sowie die Gründung der Universität (1810) machten die Stadt nicht nur zu einem wirtschaftlichen, sondern auch zu einem geistig-kulturellen Zentrum. Um 1800 hatte Berlin 170 000 Ew.
1871 wurde Berlin Hauptstadt des Deutschen Reichs. Es wuchs zur Weltstadt heran, 1877 war Berlin die erste Millionenstadt im deutschen Sprachgebiet.
1920 wurden 7 Städte (Charlottenburg, Spandau, Wilmersdorf, Schöneberg, Neukölln, Köpenick, Lichtenberg), 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke eingemeindet. Die damals geschaffenen Stadtgrenzen gelten im Wesentlichen noch heute. In der Zeit der Weimarer Republik (19191933) war Berlin Zentrum des Kulturlebens.
Die Olympische Spiele 1936 wurden von den Nationalsozialisten zu Propagandazwecken missbraucht. Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg durch Luftangriffe und bei der Eroberung durch sowjetische Truppen stark zerstört. Im Berliner Führerbunker verübte A. Hitler 1945 Selbstmord.
Deutschland nach 1945
Deutschland nach 1945
Aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Siegermächten (USA, Großbritannien, Frankreich, UdSSR) wurde Berlin von diesen gemeinsam besetzt und verwaltet. Unter der alliierten Kommandantur amtierte zunächst eine deutsche Stadtverwaltung.
Im Zuge des sich verschärfenden Ost-West-Konflikts versuchte die UdSSR 1948 vergeblich, durch die Berliner Blockade die Westmächte aus Berlin zu verdrängen. Gleichzeitig führte sie die Spaltung der Stadt in Berlin (Ost) (sowjetischer Sektor) und Berlin (West) (die 3 westlichen Sektoren) herbei, indem sie in ihrem Sektor anstelle des gewählten Magistrats einen von der SED beherrschten Magistrat einsetzte. Berlin (Ost) wurde zunehmend in das System der Sowjetzone bzw. DDR eingegliedert und 1949 zur Hauptstadt der DDR erklärt; formal behielt es noch bis 1978 einen gewissen Sonderstatus.
Berlin (West) gab sich 1950 anstelle der bisherigen Magistratsverfassung eine Verfassung, in der es sich (übereinstimmend mit Artikel 23 GG) als ein Land der Bundesrepublik Deutschland bezeichnete. Die Westmächte suspendierten diese Bestimmung als unvereinbar mit dem Viermächtestatus und behielten sich die oberste Regierungsgewalt selbst vor. Sie billigten jedoch die Einbeziehung von Berlin (West) in die Rechts-, Wirtschafts-, Finanz-, Währungs- und Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland. Die von Berlin (West) in den Deutschen Bundestag entsandten Abgeordneten hatten kein volles Stimmrecht. Berlin (West) erhielt erhebliche Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt.
In der Folge unternahmen die Sowjetunion und die DDR immer wieder Versuche, den Status von Berlin (West) durch wirtschaftlichen und politischen Druck auszuhöhlen und die Stadt von der Bundesrepublik Deutschland zu trennen. Demgegenüber gaben die Westmächte mehrfach Garantien für Berlin (West) ab und hielten am Viermächtestatus für Gesamt-Berlin fest.
Die offene Sektorengrenze zwischen Berlin (Ost) und Berlin (West), die zahlreichen DDR-Bewohnern die Flucht in den Westen ermöglicht hatte, wurde 1961 von den DDR-Behörden durch den Bau der Berliner Mauer abgeriegelt, die zu einer tief gestaffelten Grenzbefestigung ausgebaut wurde. In westöstlicher Richtung waren die wenigen Mauerdurchgänge zunächst nur für ausländische und bundesdeutsche Besucher mit Tagesaufenthaltsgenehmigungen passierbar.
Einen bedeutenden Schritt zur Normalisierung brachte das Viermächteabkommen über Berlin vom 3. 9. 1971 (in Kraft seit 3. 6. 1972). Es ermöglichte u. a. innerdeutsche Vereinbarungen über den Transitverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) sowie über die Einreise von Westberlinern nach Berlin (Ost) und in die DDR. Die grundlegenden Differenzen über den Status Berlins wurden jedoch nicht beigelegt. Die Westmächte betrachteten als Geltungsbereich des Abkommens ganz Berlin, die UdSSR dagegen nur Berlin (West), da sie den Viermächtestatus schon seit 1962 als erloschen ansah.
Die 1989 einsetzende friedliche Revolution in der DDR veränderte die Lage Berlins grundlegend. Am 9. 11. 1989 wurde die Mauer geöffnet; am 30. 11. 1990 war ihr Abriss beendet. Nach der ersten freien Kommunalwahl in Berlin (Ost) am 6. 5. 1990 verwalteten der Senat von Berlin (West) und der Magistrat von Berlin (Ost) gemeinsam die Stadt.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. 10. 1990 wurde ganz Berlin ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Der Einigungsvertrag erklärte es zur Hauptstadt Deutschlands, ließ jedoch die Frage des Sitzes von Parlament und Regierung offen. Am 11. 1. 1991 trat die Verfassung von 1950 in ganz Berlin in Kraft. Am 20. 6. 1991 erklärte der Deutsche Bundestag Berlin zum Parlaments- und Regierungssitz. 1992 wurde ein „Hauptstadtvertrag“ zwischen Berlin und dem Bund geschlossen. 1995 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum für einen Verfassungsneuentwurf, der im selben Jahr in Kraft trat. Ein geplanter Zusammenschluss der Länder Berlin und Brandenburg kam nicht zustande, da er 1996 in Brandenburg in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde. 1999 erfolgte der Umzug von Bundestag und Bundesregierung von Bonn nach Berlin.
Oberbürgermeister von Gesamtberlin: 1945/46 Arthur Werner (parteilos), 1946/47 Otto Ostrowski (SPD), 1947/48 Louise Schroeder (SPD, amtierend).
Oberbürgermeister von Berlin (West): 19481951 Ernst Reuter (SPD).
Regierende Bürgermeister von Berlin (West): 19511953 Ernst Reuter (SPD), 19531955 Walther Schreiber (CDU), 19551957 Otto Suhr (SPD), 19571966 Willy Brandt (SPD), 1966/67 Heinrich Albertz (SPD), 19671977 Klaus Schütz (SPD), 19771981 Dietrich Stobbe (SPD), 1981 Hans-Jochen Vogel (SPD), 19811984 Richard von Weizsäcker (CDU), 19841989 Eberhard Diepgen (CDU), 19891991 Walter Momper (SPD).
Oberbürgermeister von Berlin (Ost): 1948 bis 1967 Friedrich Ebert (SED), 19671974 Herbert Fechner (SED), 19741990 Erhard Krack (SED), 1990 Christian Hartenhauer (PDS), 1990/91 Tino Schwierzina (SPD).
Regierender Bürgermeister von Berlin: 19912001 Eberhard Diepgen (CDU); seit 2001 Klaus Wowereit (SPD).
  1. Einleitung
  2. Stadtbild
  3. Bevölkerung
  4. Kultur
  5. Kirche und Religion
  6. Wirtschaft und Verkehr
  7. Geschichte
Total votes: 127