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LEXIKON

Arbeiterfrage

vor allem seit Mitte des 19. Jh. in den Mittelpunkt gerückte sozialpolit. Überlegungen u. Aktivitäten, obwohl noch um 1850 das Schwergewicht (über 50 %) der arbeitenden Bevölkerung bei den in der Landwirtschaft Tätigen lag u. weniger als 10 % der Fabrikarbeiterschaft zuzurechnen waren. Für diese aber galt nach zeitgenöss. Beobachtungen, dass sie bei geringerer Arbeitszeit weit höhere Verdienste als die ländl. Arbeiter erzielten. Daher sollten vornehmlich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Landarbeiterschaft Maßnahmen des Arbeiterschutzes, des Vertragsschutzes sowie des Arbeiterwohnstättenbaus, aber auch Einrichtungen wie Kranken-, Sterbekassen sowie Altersversicherung eingeführt werden. Dennoch wurde die Zielsetzung der Förderung der Lebensbedingungen der industriellen Arbeiterschaft für die sich anbahnende staatl. Sozialpolitik dominierend. Sie entfaltete sich bes. unter dem polit. Aspekt, zur Milderung der Klassengegensätze zwischen Arbeit u. Kapital beitragen zu wollen. Das Arbeitsverhältnis, der freie Arbeitsvertrag wurde zum Begründungsargument für umfassende sozialpolit. Aktivitäten. Dieser ausgeprägte Zuschnitt der Sozialpolitik auf die A. in der Zeit der beginnenden Industrialisierung, der sich in Teilen der Theorie vor allem aber in der Praxis der Sozialpolitik bis zur Gegenwart erhalten hat, wird wegen der Veränderungen in den Lebensverhältnissen heute als unzureichend angesehen. Nicht die in festen Arbeitsverhältnissen stehenden Personen, sondern die außerhalb Befindlichen (Alte, Kinder u. Ehefrauen) lebten so heißt es so lange in Unsicherheit, als es der Sozialpolitik nicht gelinge, wirksame Hilfe zu leisten bei der hier notwendigen Anpassung an neue Lebensformen.
H. Achinger, Sozialpolitik als Gesellschaftspolitik. 21971. G. Albrecht, Sozialpolitik. 1955. H. Herkner, Die A. 61916. H. Lampert, Sozialpolitik. 1980.
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