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LEXIKON

antiautoritạ̈re Bewegungen

seit Ende der 1960er Jahre Bezeichnung für politische Gruppierungen von meist jüngeren Menschen, die den Anpassungszwängen der Gesellschaft (Sozialstruktur) entgehen wollen und überzeugt sind, dass eine Gesellschaft ohne Zwänge und Repressionen geschaffen werden könne und müsse, auch wenn es bisher kein Vorbild dafür gibt. Ihre Ablehnung richtet sich gegen alle als falsch empfundene oder missverstandene Autorität, nämlich 1. allgemein gegen Herrschaft und Macht, gegen die Gewalt von Menschen über Menschen (in Staat, Familie, Ausbildung u. a.), insbesondere gegen den Krieg; 2. gegen den Leistungsdruck im Berufssystem und Wirtschaftsmechanismus; 3. gegen den Konsumzwang („Konsumterror“), den die soziale Schichtung mit sich bringe. Der Begriff der antiautoritären Bewegung bezieht sich im engeren Sinne auf die Zeit der Außerparlamentarischen Opposition (Ende der 1960er Jahre). Auch in Gruppierungen der 1970er und 1980er Jahre finden sich Elemente der antiautoritären Bewegung. Als Gegengewichte zu orthodoxen marxistischen Gruppen, die ihrerseits neue Autoritätsmuster bildeten, versteht sich die undogmatische Linke (Spontigruppen). Formen des Eskapismus als Reaktion gegen Verhaltensmuster der Konsumgesellschaft (Aussteiger, Punker) und Formen mit starker Wohlstandsidentifikation mit Hang zum „Konsumzwang“ (Disco-Generation, Popper) bilden eher unpolitische Randerscheinungen.
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