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LEXIKON

ameriknische Philosophie

die Philosophie der USA hat sich am Rand der philosophischen Tradition des Abendlands entwickelt, wobei sie ständig aus dem europäischen Geistesleben neue Impulse aufgenommen hat. Die Verarbeitung des europäischen Gedankenguts, insbesondere auf praktische Vorstellungen und Ziele hin, gibt dem amerikanischen Denken neben den zahlreichen spekulativen Zügen eine eigenständige Prägung.
Als Initiator der Philosophie der USA kann G. Berkeley gelten, der sich 17281731 in Amerika aufhielt. Auf seine Anregung gehen die ersten Ansätze einer idealistisch-theistischen Philosophie zurück, deren Hauptvertreter J. Edwards war. Auf dem Boden der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eindringenden Aufklärungsphilosophie bildeten sich der ethische Rationalismus B. Franklins und die Vernunftreligion T. Paines aus, der auch T. Jefferson anhing. Der deutsche Idealismus fand dann in Verknüpfung mit pantheistischen Gedankengängen seinen amerikanischen Ausdruck in R. W. Emersons Transzendentalismus. Unter dem Einfluss von H. Spencer und C. Darwin gewann schließlich der Gedanke der Entwicklung und des Fortschritts im amerikanischen Denken immer mehr an Bedeutung, wie sich überhaupt um die Mitte des 19. Jahrhunderts gegenüber der von der deutschen Philosophie gespeisten idealistisch-metaphysischen Richtung eine realistisch-positivistische Strömung stärker abhob.
Auf der einen Seite entwickelte sich unter dem Einfluss von Hegel und Schopenhauer im Anschluss an H. Lotze der Personalismus, vertreten von B. P. Bowne, J. Royce, R. T. Flewelling, W. E. Hocking, E. S. Brightman und der Schule des sog. „Kalifornischen Personalismus“. Auf der anderen Seite lehrten der Mitbegründer der modernen Logistik C. S. Peirce und J. M. Baldwin eine positivistische Erkenntnistheorie, die metaphysischen Gedankengängen keinen Raum ließ.
W. James versuchte diese Scheidung von Metaphysik und positivistischer Einstellung durch seinen antimaterialistischen „radikalen Empirismus“ zu überwinden. Seine Pragmatismus genannte Lehre wurde auf vielen Gebieten (besonders in der Pädagogik, Psychologie und Soziologie) wirksam und weitergebildet. Den subjektivistischen und individualistischen Tendenzen des Pragmatismus traten die „Neurealisten“ unter A. N. Whitehead, W. P. Montague und R. B. Perry sowie die „kritischen Realisten“ unter A. O. Lovejoy entgegen.
Im 20. Jahrhundert trat das mathematisch-naturwissenschaftlich orientierte Denken besonders hervor, so in der von R. Carnap u. a. vertretenen Semantik; auch die experimentelle Psychologie und Pädagogik unter Führung von W. McDougall bestimmte weitgehend die Richtung des amerikanischen Denkens. Die Vielfalt der gegenwärtigen philosophischen Richtungen wird u. a. repräsentiert durch den logischen Positivismus H. Putnams, der praktischen Philosophie J. Rawls, den erkenntnistheoretischen und sprachphilosophischen Untersuchungen W. Van Orman Quines oder den pragmatisch-hermeneutischen Ansätzen R. Rortys.
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