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Leonardo da Vincis vitruvianischer Mensch

Symbol für Symmetrie, Schönheit und Körperbewusstsein

Der vitruvianische Mensch von Leonardo da Vinci (1452–1519) ist heute eine seiner bekanntesten Arbeiten und ein weltweites Symbol für Symmetrie, Schönheit und Körperbewusstsein. Es gibt den vitruvianischen Menschen als Poster, als Schlüsselanhänger, gedruckt auf T-Shirts und auf Postkarten. Außerdem blickt er uns von der italienischen 1-Euro Münze entgegen, von der Krankenversicherungskarte und er ist das Logo zahlreicher Heilkundepraxen. Was viele jedoch nicht wissen: Die Zeichnung des vitruvianischen Menschen wurde zwar von Leonardo Ende des 15. Jahrhunderts angefertigt, das Konzept der Zeichnung stammt jedoch nicht von ihm. Es ist sehr viel älter.

Der vitruvianische Mensch
Der vitruvianische Mensch von Leonardo da Vinci

Proportionsstudie nach Vitruv, circa 1492.

Die Idee des vitruvianischen Menschen basiert darauf, dass der aufrecht stehende Mensch sich sowohl in die Geometrie eines Quadrates, als auch in die eines Kreises einfügen kann. Sie stammt von dem römischen Architekten, Ingenieur und Namensgeber Vitruv, der sie bereits im 1. Jhr. vor Christus schriftlich festhielt.

 

Vitruvs Idee von den menschlichen Körpermaßen

In seinem Hauptwerk Zehn Bücher über Architektur (De architectura libri decem),  der ersten umfassenden Behandlung antiker Techniken wie beispielsweise Städtebau, Materialienkunde oder Wasserversorgung, formulierte Vitruv auch die Lehre des wohl geformten Körpers (homo bene figuratus).

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Vitruvius bei Kaiser Augustus

Vitruvius präsentiert Kaiser Augustus sein Hauptwerk "De Architectura". (von Sebastian Le Clerc, 1684)

 

Dieser Lehre liegt die Annahme zugrunde, dass die griechische Maßeinheit, das sogenannte Klafter (gr: orguia), – also das Maß von der Fingerspitze des ausgestreckten Armes eines erwachsenen Mannes bis zur Fingerspitze des anderen Armes – exakt so lang ist wie seine Größe von Kopf bis Fuß. Das Klafter konnte wiederum in kleinere, gleich große Längenabstände unterteilt werden.

 

Vitruv setzte in seinem System folgende Längen zueinander in Beziehung:

 

1 Elle = 1/4 der Gesamtgröße (des Klafters)

1 Fuß = 1/6 der Gesamtgröße (des Klafters)

1 Handspanne = 1/8 der Gesamtgröße (des Klafters)

1 Handbreite = 1/24 der Gesamtgröße (des Klafters)

1 Fingerbreite = 1/96 der Gesamtgröße (des Klafters)

 

Diese Unterteilungen entsprechen dem „duodecimalen System“, einem System, das stets mit einem geraden Nenner der Beziehungsgrößen arbeitet, welcher auf der Zahl zwölf basiert. Dieses antike metrologische System war solange im allgemeinen Gebrauch, bis es im 19. Jahrhundert von der Einführung des Meters verdrängt wurde, der dagegen die Zahl zehn als Basis hat.

Größere Bekanntheit erlangte Vitruvs Werk, und damit seine Idee über die menschlichen Körpermaße, allerdings erst in späterer Zeit; nämlich erstmals wieder in der Renaissance. Eine neue Stilrichtung in der Architektur nahm sich im 15. Und 16. Jahrhundert in Italien die Antike zum Vorbild und griff dafür auch auf Vitruv zurück, in dessen zehn Büchern alle Grundlagen der römischen Architektur beschrieben waren.

Da Vitruvs Werk allerdings nicht illustriert war und seine theoretischen Erläuterungen umständlich beschrieben, fertigte man Zeichnungen zu seinen Ideen an. So konnte man sich die Bauten der Antike veranschaulichen und die Erläuterungen aus Vitruvs zehn Büchern besser verstehen und umsetzen.

Leonardo da Vinci
Studie von Frauenhänden von Leonardo da Vinci, circa 1490
Vitruvs geometrische Beschreibungen des menschlichen Körpers weckten auch das Interesse des damals in Mailand arbeitenden Malers und Bildhauers Leonardo da Vinci.

 

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von Simone Horlacher, Oktober 2013
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