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Leonardo da Vinci – Künstler, Genie und Universalgelehrter

Am 2. Mai 1519 – vor 500 Jahren - starb eines der großen Genies der Menschheit: Leonardo da Vinci. Der Universalgelehrte schuf nicht nur weltberühmte und einzigartige Kunstwerke wie die Mona Lisa oder das letzte Abendmahl, er war auch wissenschaftlich und technisch seiner Zeit weit voraus. Schon damals erdachte der geniale Gelehrte Roboter, Fahrzeuge und sogar Fluggeräte und gewann fundamentale Erkenntnisse über die menschliche Anatomie, die Gestirne und die Natur.

Zwei Porträts Leonardo da Vincis
So könnte er ausgesehen haben: Links die bekannte Rötelzeichnung seines Schülers Francesco Melzi aus der Zeit nach 1510, rechts ein Stich nach einem möglichen Selbstporträt von 1505.
Leonardo da Vinci wird in eine Zeit des Aufbruchs hineingeboren – die Renaissance. In dieser Ära wird antikes Wissen wiederentdeckt und Künstler und Philosophen besinnen sich auf Ideale der griechischen und römischen Zeit. Das "dunkle" Mittelalter scheint endgültig vorbei. Inmitten dieser Aufbruchsstimmung wird 1452 in der Nähe von Florenz Leonardo da Vinci geboren - als uneheliches Kind eines Notars und einer Bauerntochter. Doch der junge Leonardo hat Glück: Er darf zwar aufgrund seiner zweifelhaften Herkunft keine Universität besuchen, dafür wird sein Zeichentalent vom Bildhauer und Malers Andrea del Verrocchio entdeckt.

Verrocchio macht den jungen Leonardo zu seinem Lehrling und dieser lernt nun das Handwerk des Künstlers von der Pieke auf: Er malt, zeichnet, modelliert, gießt und bearbeitet Bronze, er schneidert Kostüme und ist an der Ausrichtung prunkvoller Feste für die toskanischen Höfe beteiligt. Mit 20 Jahren wird er selbst Meister und geht dann im Jahr 1482 nach Mailand, an den Hof des Herzogs Ludovico Sforza.

Besucherandrang vor der Mona Lisa
Wer Leonardos berühmtestes Werk, die „Mona Lisa“, aus der Nähe betrachten möchte, muss viel Geduld und spitze Ellbogen mitbringen.

Kriegsmaschinen, Autos und Fluggeräte

In Mailand erlebt Leonardo da Vinci seine produktivsten Jahre – und dort wird er auch vom "bloßen" Künstler zum Universalgenie. Denn Sforza ernennt ihn zum Festungsbauer und Militärexperten, später zum Zeremonienmeister und Leonardo hat die Möglichkeit, neben der Malerei seinen vielfältigen Interessen nachzugehen. Er eignet sich Kenntnisse der Naturwissenschaften und Ingenieurskunst an, studiert Mathematik, Geometrie, Statik, Hydraulik, Geologie, Optik, Anatomie, Zoologie, Botanik, Kartographie, Schiffsbau und Architektur.

In umfangreichen Notizbüchern skizziert und beschreibt Leonardo in dieser Zeit unzählige Ideen und Erfindungen – und ist der technischen Entwicklung seiner Zeit dabei um Jahrhunderte voraus. Er entwirft Stadtpläne, hydraulische Pumpen, Automobile, Maschinengewehre, Kräne, Räderwerke, Tauchglocken und sogar Fluggeräte. So entwirft der geniale Künstler Flügel zum Anschnallen, aber auch den ersten Gleitschirm und sogar einen "Drehflügler" – den Vorläufer unserer Hubschrauber.

Modell der Luftschraube Leonardo da Vincis
Die sogenannte „Luftschraube“ zählt zu den berühmtesten technischen Entwürfen Leonardos. Kleine, federgetriebene Modelle soll der Meister tatsächlich zum Fliegen gebracht haben.

Gesteine, Mond und die Anatomie

Leonardo da Vinci hat jedoch auch ein waches Auge für die Prozesse und Kräfte der Natur. Er entwickelt eine erste Vorstellung davon, dass es so etwas wie einen Wasserkreislauf auf der Erde gibt und macht sich Gedanken darüber, wie verschiedene Gesteine entstehen. Beim Blick in den Himmel erkennt er, dass der Mond nicht aus sich heraus leuchtet, sondern das Sonnenlicht widerspiegelt. Der Künstler vermutet deshalb, dass die Mondoberfläche aus glattem, glänzenden Material bestehen muss.

Als Maler ist da Vinci noch etwas wichtig: Er will den menschlichen Körper begreifen und sein Funktionieren in allen Details verstehen. Zu diesem Zweck seziert er - trotz päpstlichen Verbots - eigenhändig menschlichen Leichen und zeichnet im Detail seine Beobachtungen auf. Ihm ist die erste Zeichnung eines menschlichen Fötus in der Gebärmutter zu verdanken. Sein Vitruvianischer Mensch – eine Studie zu den Proportionen des menschlichen Körpers – gehört noch heute zu den bekanntesten Zeichnungen da Vincis.

Schloss Clos Lucé in Amboise
Schloss Clos Lucé in Amboise, der Altersitz Leonardos, der ihm von Franz I. als Platz zum Leben und Arbeiten überlassen wurde.

Ein echtes Universalgenie

Am Ende seines Lebens hat da Vinci mehr als 13.000 Seiten an Notizen, Planzeichnungen und Gedankengängen niedergebracht – eine ganze Enzyklopädie. Umgesetzt und verwirklicht hat er jedoch nur die wenigsten seiner Ideen. Das Universalgenie interessiert sich mehr für die grundsätzliche Lösung als für die tatsächliche Umsetzung – selbst bei den Geräten, die schon damals technisch machbar gewesen wären.

Am 2. Mai 1519 stirbt Leonardo da Vinci im französischen Amboise, wo er einige Jahre in einem Loireschloss der französischen Könige verbrachte. Nach seinem Tod erhält einer seiner Schüler den Großteil der Aufzeichnungen, doch als dieser stirbt, zerstreuten sich die Bücher und Blätter. Leonardos wissenschaftlich-technisches Wirken gerät weitgehend in Vergessenheit.

Lange Zeit bleibt da Vinci dadurch nur als der Schöpfer so einzigartiger Kunstwerke wie der "Mona Lisa", dem "letzten Abendmahl" oder der "Felsgrottenmadonna" in Erinnerung. Erst nach und nach tauchten einzelne Seiten und auch einige gebundene Codices aus da Vincis Hand wieder auf. Heute gilt Leonardo da Vinci als einer der berühmtesten und genialsten Universalgelehrten der Geschichte. Auch heute noch – 500 Jahre nach seinem Tod - wecken sein Werk und seine Idee Staunen und Faszination.

NPO, 02.05.2019
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