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Lawinengefahr: Wie kann ich mich schützen?

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LVS-Gerät
Mit Hilfe eines modernen Lawinenverschüttetensuchgerätes, kurz LVS-Gerät, können Lawinenopfer leichter und schneller geortet und in Folge geborgen werden.
Ausrüstung: Wie kann ich mich schützen?

Gerät man in eine Lawine, ist es für Flucht meist schon zu spät - man wird von der Lawine erfasst und mitgerissen. Von diesem Moment an läuft die Zeit. Denn ist man unter dem Schnee verschüttet, wird sehr schnell die Atemluft knapp. Wenn der Schnee nicht gerade außergewöhnlich locker ist oder man einen größeren Luftraum um sich herum hat, bleiben einem im Schnitt noch rund 15 bis 35 Minuten, bis man erstickt. Zwar gibt es immer wieder glückliche Ausnahmen, aber meist sterben Lawinenopfer innerhalb der ersten beiden Stunden, wenn sie nicht vorher geborgen werden.

Ob ein Mensch eine Lawine überlebt oder nicht, hängt daher entscheidend davon ab, wie schnell er gefunden wird. Und dafür kann jeder Wintersportler selbst etwas tun – beispielsweise durch die richtige Ausrüstung. Die Minimalversion sind passive Reflektoren aus Metall, die heute schon in viele Skijacken eingearbeitet sind. Diese Reflektoren werfen die Signale zurück, die die Peilgeräte der Rettungskräfte aussenden. Das erleichtert das Aufspüren eines Verschütteten.

Eine effektivere Variante ist das das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS). Dieses besteht aus einem kleinen Sender, der ständig Funksignale einer bestimmten Frequenz ausstrahlt. Wird jemand von einer Lawine verschüttet, können Rettungskräfte oder auch nicht verschüttete Begleiter ihre LVS-Geräte so umstellen, dass sie zu Empfängern werden. Wie mit einem Peilgerät können sie dann die Signale des Verschütteten orten und ihn so unter dem Schnee schneller finden. Diese Suchgeräte kann man an vielen Skiorten inzwischen auch leihen.

Ein Airbag gegen die Lawine

Auf den ersten Blick skurril wirkt eine weitere Lawinenschutzmaßnahme: der Lawinen-Airbag. Er ist im Rucksack integriert und besteht aus großen Luftkammern, die sich beim Ziehen einer Reißleine automatisch füllen. In wenigen Sekunden blasen sie sich auf 150 Liter Volumen auf. Dieser luftige Airbag macht den Träger nicht nur leichter, er sorgt auch dafür, dass er ähnlich wie andre leichte, aber große Teile in der wirbelnden Schneemasse der Lawine an die Oberfläche gespült wird.

So eigentümlich dieser aufblasbare Begleiter wirkt – er hat sich in der Praxis schon bewährt. So zeigen Daten des Schweizer Lawinenforschungsinstituts in Davos: Im Schnitt liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit für Träger eines Lawinen-Airbags bei 95 Prozent – das ist sehr viel mehr als ohne dieses Hilfsmittel.

Lawinen-Airbag
Lawinen-Airbag mit ausgefalteten Airbag-Taschen

Sich informieren kann Leben retten

Egal ob mit Lawinenschutz-Ausrüstung oder ohne: Jeder Wintersportler sollte sich vor einer Tour über den aktuellen Status seines Zielgebiets informieren. Oft gibt es dazu schon in den Hotels und Pensionen Aushänge mit den aktuellen Meldungen der Lawinenwarndienste. Sie ermitteln auf Basis von Wetterdaten und Sensoren die Lawinenwahrscheinlichkeit für verschiedene Hänge und Skigebiete und teilen ihnen eine Lawinenwarnstufe zu. Auch im Radio und Internet veröffentlichen die Lawinenwarndienste mehrmals täglich aktualisierte Lawinenwarnungen. Herrscht akute Lawinengefahr, sollte man den Lieblingshang besser meiden  - der eigenen Sicherheit zuliebe.

NPO, 18.01.2017
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