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„Lassen Sie doch mal den Rauch rein …!“

Großputz mal anders

Bei Putzen denken wir zwangsläufig an Meister Propper samt Sagrotan & Co. Doch es geht auch anders. Und das höchst wirkungsvoll, natürlich und auch noch so, wie es unsere Vorfahren vor Tausenden von Jahren schon gemacht haben: Mit einer Hausräucherung! Diese ersetzt natürlich nicht den klassischen Hausputz, sondern setzt auf einer ergänzenden, jedoch tieferen Ebene an, nämlich dort, wo wir die Atmosphäre von Räumen wahrnehmen und spüren.

Wie funktionert das?

Ganz einfach: Es bedarf etwas Zubehör wie eine feuerfeste Schale, Sand, Räucherkohle, eine Feder zum Verteilen des aufsteigenden Rauches und passendes Räucherwerk. Das können Kiefern- und Fichtennadeln sein, Beifuß, Wermut, Salbei, Rosmarin, Thymian, Wacholderbeeren und am besten noch etwas Weihrauch. Die Kräuter können sogar im eigenen Garten oder in Wald und Wiese gesammelt werden, alles wird in getrocknetem Zustand verräuchert. Sobald die Kohle durchgeglüht ist und mit einer Ascheschicht überzogen ist, kann eine Prise Räucherwerk aufgelegt werden. Der aufsteigende Rauch und der Duft werden gleichmäßig im Raum bei geschlossenen Fenstern verteilt. Was hierbei passiert, können wir uns so vorstellen: Was wir in einem Raum als dichte, schwere, manchmal auch als negative beschriebene Energie oder Schwingung empfunden wird, heftet sich an den Rauch. Die Fenster können bereits nach 2-3 Stunden geöffnet werden. Wer es intensiver mag, lässt den Rauch über Nacht in den Räumen und lüftet erst dann ordentlich durch. Dann sollte jedoch ein anderer Übernachtungsort aufgesucht werden!

Frau mit Räucherwerk und Feder
Das gleichmäßige Verteilen des Rauches mit einer Feder, auch in die Ecken, gehört zum Ablauf einer Hausräucherung.

Beim Öffnen der Fenster zieht alles zusammen ab: Der Rauch nimmt alles mit, was als bedrückend, schwer oder nicht hier her gehörend empfunden wurde. Der Duft, den wir durch die ätherischen Öle wahrnehmen, hebt zusätzlich noch die Schwingung im Raum. Zurück bleibt eine Atmosphäre, die als frisch, klar, gereinigt und leicht empfunden wird und in der sich wieder leichter leben und arbeiten lässt. Das Wohlgefühl, das sich hinterher einstellt, ist geradezu körperlich spürbar. Noch heute kennen wir in den südlichen Regionen Deutschlands den Ausdruck „Da muss ich mal den Rauch rein lassen!“ Gemeint ist damit, dass es Ungereimtheiten gibt, die – sobald der Rauch reingelassen wurde – sich geklärt haben oder „in Luft auflösen“. Insgesamt sollte an eine Hausräucherung immer nach Krankheit, Streit oder heftigen Diskussionen gedacht werden.

Ein altes und bewährtes Hausmittel

Es zeigt sich jedoch aktuell, dass sich immer mehr Menschen an diesen alten Brauch erinnern. Gerade bei Umzügen in alte Häuser, die seit Generationen Geschichte und Schicksal deren Bewohner in sich tragen, reagieren die neuen Bewohner sensibel auf das, was sie in ihrem „neuen“ Wohnumfeld wahrnehmen. Das kann sich ganz unterschiedlich zeigen: In vermehrt auftretenden Krankheiten, trüben Gedanken, plötzlichen Verhaltensmustern, die völlig fremd sind in der Familie, oder tatsächlich dadurch, dass ein Familienmitglied „etwas spürt“, ohne das benennen zu können. In solchen Fällen kann eine intensive Hausräucherung helfen, indem das Schicksal von Haus und früheren Bewohnern gewürdigt und befriedet wird, so dass für die Nachfolgenden eine gute Wohnatmosphäre entstehen kann.

Die Zeit zwischen Weihnachten und dem 06. Januar wird die zwölf Raunächte genannt. Für unsere Ahnen war dies eine Zeit voller Magie. In Räucher- und Feuerritualen wurde Altes verabschiedet, was nicht die Schwelle zum Neuen Jahr überschreiten sollte. Im Orakel sollte sich zeigen, was das Neue Jahr bringt. Der Blick auf das Neue Jahr enthielt vor allem guten Gedanken und Wünsche. Um allem einen möglichst guten Empfang zu bereiten, wurde besonders in den Raunächten intensiv geräuchert. Ein weiterer Grund dafür war, dass die Zeit „zwischen den Jahren“ noch mit tiefer Dunkelheit, Kälte und Angst vor allerlei Krankheit einher ging. Das Vieh musste gesund über den Winter gebracht werden, denn vom Fortbestand der Herde hing die Existenz ab. Bauer und Bäuerin zogen mit ihren Pfannen, gefüllt mit der Kohle aus dem Küchenfeuer und bestreut mit den im Sommer geernteten Kräutern durch Wohnräume und Ställe. Das half, Krankheit von Tier und Mensch fernzuhalten und die Stimmung dank des sommerlichen Duftes der Räucherkräuter zu heben. Nach diesen Räucherungen blickten die Menschen mit neuem Mut in Richtung heller werdende Tage. Besonders in ländlichen Gegenden und im Alpenraum hat sich dieser Brauch bis heute gehalten.

Räucherwerk und Heizkohle
Die Kohle sollte außen bereits eine Ascheschicht haben, dann erst kann die Räucherware aufgelegt werden. Es entsteht sofort Rauch und feiner Duft.

Räuchern hat eine lange Tradition

Auch die alte Tradition, die Raunächte bewusst zu begehen, lebt wieder auf. Wir reflektieren, was im Alten Jahr gut und weniger gut war. Begleitet vom passenden Räucherwerk lassen wir das los, was uns behindert hat. In den nächsten Raunächten räuchern wir dann mit Lorbeer und weißem Copal, um Träume und Visionen für das Neue Jahr anzuregen. Je dynamischer und wechselhafter sich der moderne Alltag zeigt, umso sehnsüchtiger scheinen wir eine Anbindung und Verankerung in den Ritualen unserer Vorfahren zu suchen und zu finden.

Der Vorwurf des esoterischen Schabernacks ist dann jedoch auch nicht weit, jedoch schnell entkräftet. In den letzten Jahrzehnten wurde dank wissenschaftlicher Forschungen die Wirksamkeit von Düften auf Gefühle, Erinnerungen und vegetatives Nervensystem im ältesten Teil unseres Gehirns, dem limbischen System, belegt. Zahlreiche Wirtschaftszweige machen sich das zunutze, um beim Konsumenten mit synthetischen Düften den Kaufreiz anzuregen, ohne dass derjenige bewusst einen Duft wahrnimmt.

Doch zurück zum Räuchern! Wie ist es entstanden? Nachdem die Menschen das Feuer für sich nutzbar machen konnten, wurde die Runde um das Feuer und die Wahrnehmung von Duft und Rauch zu einem verbindenden Symbol. Feuer stand für Wärme, Schutz, Nahrung und Gemeinschaft. Mehr und mehr entwickelte sich daraus das Räuchern zu einem eigenständigen Brauch. Rituelle Orte und Plätze für Zeremonien, um Zusammenkünften vorzubereiten, wurden geräuchert. In den Grabkammern der Verstorbenen wurden Räucherutensilien gefunden, um ihnen die Reise ins Jenseits möglichst angenehm zu gestalten. Die Verbindung zum Göttlichen wurde mit Rauch und Duft sichtbar gemacht. Der Wechsel der Jahreszeiten wurde mit Feuerritualen zeremoniell begrüßt. Orakel und Weissagungen wurden mit Räucherduft begleitet. Später dann gesellten sich dazu ganz pragmatische Gründe, nämlich medizinische und reinigende. Als im Lauf der Geschichte die Besiedlungen dichter wurden und Mensch und Tier unter einem Dach lebten, kamen Seuchen wie Pest und Cholera auf. Keimtötende Kräuter wie Thymian und Harze wie Weihrauch wurden verräuchert, um die Ansteckungsgefahr zu bannen.  Weise Kräuterfrauen begleiteten Gebärende mit einer auf die Körpermuskulatur entspannend wirkenden Räucherung.

Vielfältige Anwendungsbereiche

Heute wird das Räuchern wieder sehr vielfältig eingesetzt, nicht nur für eine Hausräucherung. Mit Lavendel, Myrrhe, Sandelholz und Rosenblüten finden wir zur Entspannung am Abend, um das Gedankenkarussell zur Ruhe zu bringen. Holz und Nadeln der Zirbe sorgen für einen tieferen Schlaf. Zitronenschalen, Salbei und Harze wie Dammar und Sandarak sorgen für eine bessere Konzentration. Eine wohltuende Stimmung verbreitet der betörende Duft von Süßgras. Eine bestimmte Zusammenstellung von Kräutern, Gewürzen, Harzen und Hölzern kann in einer Räuchermischung das Selbstvertrauen stärken, Entscheidungen und Neubeginn fördern und aktuelle Lebensthemen begleiten.

Eine Anleitung für eine Hausräucherung können Sie anfordern unter: info@labdanum.de, Betreff Hausräucherung

Räucherwerk und Zubehör: www.labdanum.de

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Christine Fuchs, 05.10.2015
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