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Kommt das Rauchverbot im Auto?

Italien, Frankreich, England und Österreich haben eines gemeinsam: Sie haben ein gesetzliches Rauchverbot am Steuer umgesetzt. Eine solche Maßnahme wird auch in Deutschland schon länger diskutiert - bisher allerdings ohne finales Ergebnis. Was aber spricht überhaupt für ein Rauchverbot im Auto hierzulande, was dagegen? Und welche Sanktionen drohen rauchenden Autofahrern in anderen Ländern?

Rauchender Autofahrer mit Zigarette in der Hand
In Deutschland noch erlaubt - das Rauchen am Steuer.

Aktuell gibt es noch kein Rauchverbot auf deutschen Straßen. Doch schon lange wird ein solches gefordert. Die Stimmen von Gesundheitseinrichtungen wie der Bundesärztekammer und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sind dabei am lautesten, denn Rauchen gefährdet nicht nur das Wohlergehen des Rauchenden selbst, sondern auch das seiner Mitmenschen. Besonders Kinder sind von Gesundheitsschädigungen durch das Passivrauchen gefährdet.

Das DKFZ fand im Zuge eigener Untersuchungen heraus, dass sich im Wageninneren beim Rauchen genauso viel Tabakrauch wie in einer Raucherkneipe ansammelt – sogar bei geöffnetem Fenster. Kinder nehmen aufgrund ihrer schnelleren Atmung deutlich mehr Schadstoffe auf als erwachsene Passivraucher. Somit riskieren Eltern, die mit dem Nachwuchs im Pkw unterwegs sind und gleichzeitig rauchen, eine langfristige Schädigung ihrer Kinder. Aufgrund dessen fordern Gesundheitsexperten ein Rauchverbot am Steuer beim Mitführen von Minderjährigen.

Auto als privater Raum

Auch die deutsche Bevölkerung befürwortet dies, wie eine Umfrage des DKFZ ergab. Etwa 87 Prozent der deutschen Autofahrer standen einer Gesetzesänderung positiv gegenüber. Dennoch hat die Regierung ein Rauchverbot im Auto bisher nicht durchgesetzt. Das Problem: Laut dem deutschen Gesetz gilt ein Fahrzeug offiziell als privater Raum. Ein Rauchverbot am Steuer würde hierzulande einen unbefugten Eingriff in die private Freiheit der Menschen darstellen. Ebenso wenig könne das Essen und Trinken während der Fahrt verboten werden.

Weitere Argumente von politischer Seite beziehen sich auf die undurchführbaren Kontrollen der Einhaltung dieses Gesetzes. So könne nicht angemessen überprüft werden, ob sich jeder Autofahrer an das Rauchverbot hält. Diesen beiden Argumenten steht jedoch ein anderes Gesetz paradoxerweise gegenüber. So gilt bereits seit einigen Jahren das Handyverbot am Steuer. Die Verkehrssicherheit wird durch die technische Ablenkung in solchem Maß gefährdet, dass der Eingriff in den privaten Raum des Menschen gerechtfertigt erscheint.

Rauchverbotsschild auf dem Armaturenbrett
Laut dem Gesetz gilt ein Fahrzeug hierzulande als privater Raum. Ein Rauchverbot am Steuer würde daher einen unbefugten Eingriff in die private Freiheit der Menschen darstellen.

Gefahr durch Ablenkung

Doch Autofahrer lassen sich nicht nur von eingehenden Textnachrichten ablenken – Rauchen kann ebenso zu gefährlichen Situationen durch Ablenkung führen. Ablenkung ist heutzutage die häufigste Ursache für Verkehrsunfälle. Jährlich sterben mehr Menschen bei einem Verkehrsunfall, der durch technische Ablenkung des Fahrers entstanden ist als durch zu hohen Alkoholkonsum. Dies war bereits im Jahr 2017 Grund genug, die Bußgelder für die Handybenutzung während der Fahrt zu erhöhen.

Doch tatsächlich können auch ganz alltägliche Handlungen zu Ablenkung am Steuer führen, dazu gehört zum Beispiel das Rauchen. Beim Anzünden der Zigarette sind die Blicke des Fahrers bereits mehrere Sekunden lang nicht mehr auf den Verkehr gerichtet – und nur wenige Sekunden Unachtsamkeit reichen aus, um gefährliche Situationen zu verursachen. Weiterhin steht dem Fahrer beim Rauchen nur eine Hand zum Fahren zur Verfügung. Dies kann die Reaktionsgeschwindigkeit auf unerwartete Situationen ebenfalls erheblich einschränken.

Es besteht außerdem immer die Gefahr, dass die Zigarette im Wageninneren zu Boden fällt. Neben anderen möglichen Folgen ist auch hierbei die Ablenkung des Fahrers sehr groß. Blickt er nur wenige Sekunden auf der Suche nach der Zigarette auf den Fahrzeugboden, legt der Wagen bereits eine so große Strecke zurück, dass ein Auffahrunfall bei einer Bremsung des Vordermannes kaum zu verhindern ist.

In anderen Ländern schon Alltag

Als weiteres Argument für ein Rauchverbot im Auto wird oft die Umweltverschmutzung angeführt. Obwohl jedes Auto in der Regel über einen entsprechenden Behälter für Zigarettenreste verfügt, werfen viele ihre Kippen stattdessen während der Fahrt aus dem Fenster. Ein Rauchverbot im Auto könnte auch in Deutschland diese Art von Umweltverschmutzung reduzieren - und vielleicht kommt ein solches Gesetz bald wirklich.

Am 11. Oktober 2019 hat der Bundesrat einen Gesetzesentwurf für ein Rauchverbot am Steuer auf den Weg gebracht. Dieses soll das Rauchen im Fahrzeug untersagen, wenn Kinder und Schwangere mitfahren. Bevor das Rauchverbot im Auto in Kraft treten kann, muss allerdings noch der Bundestag darüber entscheiden - und eine Frist dafür ist nicht vorgeschrieben.

In vielen Ländern Europas hat der Gesundheitsaspekt für Kinder indes bereits den Ausschlag gegeben. In der folgenden Tabelle finden Sie die gesetzlichen Vorgaben zum Rauchen während der Autofahrt sowie die möglichen Bußgelder bei Nichteinhaltung, welche im Ausland gelten.

Infografik Rauchverbote im Auto
Rauchverbote und Sanktionen

Laura Gosemann / Verlag für Rechtsjournalismus, 20.11.2109
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