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Königin Viktoria

Personifizierung einer Epoche

Als die erst 18-jährige Viktoria 1837 den britischen Thron bestieg, trat sie ein schweres Erbe an. Es waren politisch turbulente Zeiten und das öffentliche Ansehen der königlichen Familie hatte einen Tiefpunkt erreicht.

Königin Viktoria
Viktoria war das einzige Kind des Herzogs Eduard von Kent und der deutschen Prinzessin Marie Luise von Sachsen-Coburg-Gotha. Ihre Krönung fiel in die Phase erster innerer Reformen, ausgelöst nicht zuletzt auch durch den Regierungsstil ihrer Vorgänger. Schon Georg IV. (Reg .1820–1830) hatte durch Prunksucht und Affären das Königshaus in Verruf gebracht und unter dem streitfreudigen Exzentriker Wilhelm IV. (Reg. 1830–1837) ihrem Onkel, waren Reformen schließlich unausweichlich geworden. Den Anfang machte die Ausweitung des Wahlrechts in der Parlamentsreform von 1832.

Bald darauf begann ein rasanter Aufschwung des nationalen Wohlstands. Zölle wurden abgeschafft und 1853 wurde der Freihandel in vollem Umfang eingeführt, Wirtschaft und Industrie blühten und England galt als "Werkstatt der Welt" – zugleich aber wuchs auch die soziale Ungleichheit. Daneben trat das Empire mit einem unverhohlenen Streben nach kolonialer Ausdehnung auf, baute seine Machtstellung aus und öffnete überseeische Märkte für die heimische Industrie.

 

DIE PARTEILICHE MONARCHIN

Zeitlebens begleitete Viktoria engagiert alle Aspekte der Tagespolitik. Zu Beginn ihrer Regentschaft hatte die junge Königin im zweimaligen Premierminister Lord Melbourne einen ihrer engsten Vertrauten gefunden. Dank dessen Einfluss schenkte sie den Whigs, der späteren Liberalen Partei, ihre volle Unterstützung – zunächst jedenfalls. Denn im Oktober 1839 lernte sie ihren Vetter Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha kennen und schon im Februar darauf war die Hochzeit. Die Ehe, aus der zwischen 1840 und 1857 neun Kinder hervorgingen, verlief überaus glücklich und harmonisch.

Albert v. Sachsen-Coburg-G.
In Albert hatte Viktoria aber nicht nur einen Gatten, sondern auch einen politischen Berater, der sich trotz mancher Widerstände von außen überaus aktiv an den Alltagsgeschäften der Königin beteiligte. Innenpolitisch herrschte seit den frühen 1830er Jahren heftiger Dauerstreit und im Parlament lösten sich liberale und konservative Regierungen regelmäßig ab. Der Zankapfel waren die sozialen und politischen Reformen: Arbeitsrecht, Sozialfürsorge, Bildung, das Parlament selbst. Als Hauptkontrahenten standen sich Robert Peel und Lord Palmerston gegenüber, später Benjamin Disraeli und William Gladstone. Nach dem Fall der Regierung Melbourne 1841 hatte Albert seine Gattin von der konservativen Politik Peels überzeugt und so wechselte sie die Seiten.

Mit ihrem Gatten teilte Viktoria zudem die Ansicht, der Monarch sei nicht nur zum Repräsentieren da und forderte das Mitspracherecht der Krone vor allem in außenpolitischen Angelegenheiten, ein Anliegen, das der Liberale Palmerston, von 1846 bis 1851 Außenminister und später zweimal Premier, allerdings geflissentlich überhörte.

 

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aus der wissen.de-Redaktion
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