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Bis heute gibt der Fall "Kaspar Hauser" Rätsel auf

Ein Unbekannter gibt Rätsel auf – und soll der Erbprinz von Baden sein

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Einige Jahre bleibt es ruhig. Kaspar Hauser wohnt unterdessen in Ansbach, wo er in den besten Kreisen verkehrt. Doch dann, am 14. Dezember 1833, wird er von einem Unbekannten niedergestochen, der ihm zuvor Auskunft über seine Herkunft versprochen hatte. Am Tatort findet sich ein Beutel mit einer spiegelverkehrt notierten Botschaft, in der sich der Täter als „M.L.Ö.“ ausweist. Die Ärzte sind sich uneinig, ob überhaupt ein Angriff stattgefunden hat. Drei Tage später stirbt Kaspar Hauser und wird unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Die Suche nach dem Attentäter verläuft im Sande.

Ein seltsamer junger Mann mit eingeschränktem Wortschatz, der unter rätselhaften Bedingungen aufwuchs – es ist kein Wunder, dass Kaspar Hauser die Phantasie seiner Zeitgenossen zu beschäftigen begann. Rasch kam die Vermutung auf, es handele sich bei ihm um einen Sohn des Großherzogs von Baden, der kurz nach seiner Geburt gegen einen anderen Säugling ausgetauscht worden sei. Tatsächlich starb der Sohn des Großherzogs am 16. Oktober 1812, also etwa zu dem Zeitpunkt, an dem der unbekannte Tagelöhner die Verantwortung für Kaspar Hauser übernommen haben will. Beweise für den Tausch gibt es freilich keine. Stattdessen deuten mehrere Indizien darauf hin, dass der Findling von Nürnberg ein problematisches Verhältnis zur Wahrheit hatte und vieles aus seinem Leben bloß erfunden hat. Dies gilt auch für die angeblichen Attentate, die er ersann, um schwindendes Interesse an seiner Person auszugleichen. Dass ihn die selbst zugefügte Stichverletzung von 1833 das Leben kosten sollte, war sicher nicht beabsichtigt. Doch wer er wirklich gewesen ist, muss auch weiterhin offen bleiben – und wird Forscher noch lange beschäftigen.

Kai U. Jürgens
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