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Journalismus & Recherche

Die Recherche - der Weg zur Information

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Was bedeutet Recherche?

Jede Information sollte also nachgeprüft werden! Recherche heißt, Informationen brauchbar zu machen, sie zu verifizieren und differenzieren oder Informationen überhaupt erst zu sammeln.

Dabei kann es um verschiedenes gehen:

  • Man hat ein Gerücht gehört und möchte diesem auf den Grund gehen.
    Stimmt das Gerücht? Steckt vielleicht noch mehr dahinter? Wer kann etwas darüber wissen? Der Journalist sollte dabei prüfen, wie glaubwürdig seine Quellen sind. Jedes Zitat, jede Behauptung von Tatsachen muß sich zurückverfolgen lassen.
  • Eine Behauptung soll überprüft werden (Überprüfungsrecherche).
    Eine Behauptung ist bereits mehr als ein Gerücht. Sie könnte zum Beispiel in einer Pressemitteilung stehen oder in einer Rede des Bürgermeisters aufgestellt worden sein. Auch hier gilt ist: Wie wird die Behauptung belegt? Gibt es Möglichkeiten, die Fakten auch anders zu interpretieren? Wurden Zahlen richtig und vollständig wiedergegeben oder ein falscher Eindruck erweckt, indem wichtiges Material nicht erwähnt wurde?
  • Eine Story läuft bereits, mehr Material wird benötigt.
    Das ist die Nachrecherche: Wer könnte noch etwas dazu sagen? Wie erging es den Betroffenen? Welche Folgen hatte die erste Veröffentlichung? Ergeben sich neue Erkenntnisse?
  • Ein Thema soll abgegrast werden.
    Das dürfte die häufigste Form der Recherche sein. Der Journalist hat sich vorgenommen, etwas über „Gewalt in der Schule“ zu schreiben. Nun fragt er Schüler, ob sie schon Erfahrung mit Gewalt an der Schule gemacht haben. Er fragt ältere Lehrer, ob sich die Gewaltsituation verschlimmert hat. Der Schulrat kann um eine Stellungnahme gebeten werden. Vielleicht sieht es an einer Schule im Nachbarort besser/ schlimmer aus: Warum? Das ganze lässt sich mit einem allgemeinen Überblick erweitern: Ob es in Kleinstadtschulen friedlicher zugeht. Wie US-Schüler mit der Gewalt an ihren Schulen umgehen. Ist es schon so schlimm wie in den Ghettos der US-Metropolen?
  • Beim Quellenstudium hat der Journalist ein Thema gefunden, über das er berichten wird.

Es reicht jedoch nicht aus, einfach nur Informationen zu sammeln. Sie müssen wahr sein und verständlich. Um das sicherzustellen, müssen sie überprüft werden:

  • Relevanz:
    Welche Bedeutung haben sie für unsere Zielgruppe?
  • Glaubwürdigkeit:
    Sind meine Informationen wahr? Wie neutral oder befangen ist mein Informant? Häufig kann dies mit der Gegenrecherche überprüft werden. Beispiel: Lehrer sagt, es sollen Kollegen entlassen werden - Schulamt bestreitet dies.
    Tipp:
    In der Regel sind Informanten unbefangener, je weniger sie selbst Nutzen aus einem Artikel ziehen könnten.
  • Verständlichkeit:
    Kann ich mit meinen bisherigen Informationen den Sachverhalt verständlich schildern?

Im angelsächsischen Journalismus gibt es eine Regel, die in Deutschland leider oft nicht ausreichend beachtet wird. Dort gilt: Jede Information muss durch zwei voneinander unabhängige Quellen bestätigt werden. Erst dann gehört sie zu den „news that fit to print“ (so lautet das Motto der New York Times).

 

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