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Johannes Paul II. – die Papstwahl

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Und tatsächlich, noch bevor die Kardinäle zur Wahl in die Sixtinische Kapelle ziehen, scheint gewiss zu sein: Die Wahl wird zwischen zwei italienischen Kandidaten entschieden. Die Konservativen sammeln sich um Giuseppe Siri, Erzbischof von Genua. Siri ist erzkonservativ, reaktionär und misstrauisch gegen jede Reform. Aber es bildet sich auch eine Gegenfraktion aus Kardinälen aus Westeuropa und der Dritten Welt für den eher weltoffenen und progressiven Erzbischof von Florenz Giovanni Benelli. Er steht für eine größere Offenheit gegenüber der modernen Welt, für eine Reform der Liturgie, die Freiheit der theologischen Forschung und die offene Auseinandersetzung mit anderen christlichen Glaubensbekenntnissen. Zwar sind Absprachen vor dem Konklave verboten, und offiziell werden die Kardinäle bei ihrer Entscheidung durch den Heiligen Geist erleuchtet, doch eine Papstwahl ist stets ein politisches Kräftemessen. Und was sich in diesen Tagen vor Beginn des Konklaves abspielt, gleicht mehr einem weltlichen Wahlkonvent. Hinter den Kulissen werden Treffen und Geheimverhandlungen arrangiert, Kontakte geknüpft, Allianzen geschmiedet, Befindlichkeiten ausgelotet.

Doch da geschieht etwas, das die Stimmung umschlagen lässt: Nur wenige Stunden vor Beginn des Konklaves am 14. Oktober macht der Vorabdruck eines Interviews der Zeitung „Gazetta del Popolo" die Runde, in dem Siri eine Demokratisierung der Kirche strikt ablehnt und sich gegen die Kollegialität der Bischöfe ausspricht. Angeblich sollte es erst nach Beginn des Konklaves erscheinen. Das Interview wird Siri Stimmen kosten. Aber auch Benellis Ansehen nimmt Schaden. Man vermutet, er habe die vorzeitige Veröffentlichung lanciert. Nur Demut und Bescheidenheit sind Eigenschaften, mit denen sich noch unentschlossene Kardinäle gewinnen lassen. Und ein „Papabile", ein aussichtsreicher Kandidat, darf sich nicht ins Rampenlicht drängen.

Das Konklave beginnt

Am Mittag des 14. Oktober, des Eröffnungstags des Konklaves, beziehen die Kardinäle ihre kargen Zellen im Apostolischen Palast. Die Wohngemächer der Borgia-Päpste sind durch Trennwände unterteilt. Die Fenster der winzigen Quartiere sind versiegelt, die Luft ist stickig. Karol Wojtyla erhält die Zelle Nummer 91. Es gibt ein einfaches Feldbett, ein Nachtschränkchen und einen kleinen Schreibtisch. Kein Waschbecken. Um zur Toilette zu gelangen, muss er an den Zellen der anderen Kardinäle vorbei.

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Chronik Bildbiografie Papst Johannes Paul II.
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