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Japanische Gärten

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Durch die Anwendung von Symbolen wird die natürliche Vielfalt der Gärten verstärkt: Ein Strauch kann einen entfernten Berg oder Wasserfall verkörpern, der kunstvoll geharkte Sand die Küste. Besonders Steine sind charakteristisch für den japanischen Garten und werden mit der gleichen Sorgfalt ausgesucht wie bestimmte Pflanzen vom Gärtner der westlichen Welt. Der Garten am Daigoji Samboin-Tempel in Kyoto, der 1598 entworfen wurde, birgt fast 800 einzeln ausgewählte Steine.

Die Symbolik erreichte ihren Höhepunkt in der Entwicklung des kare sansui ("trockener Garten"), der ohne Pflanzen oder Wasser angelegt wurde, ein Ort der Meditation des Zen-Buddhismus. Das westliche Auge wird durch die "erhabene Einfachheit" zunächst in Staunen versetzt, denn solch ein Garten besteht aus nichts anderem als ein paar sorgfältig ausgesuchten und genau platzierten Steinen, die von Sand umgeben sind, in den ein gleichmäßiges Muster geharkt wurde. Manchmal verkörpert ein Garten eine ganze Landschaft, wie beim Daitokuji-Daisenin-Tempel, der 1509 in Kyoto geschaffen wurde und in dem die wogenden Muster im Sand einen Fluss darstellen, der Steine umspült, die den Berg Horai und ein "Schatzboot" symbolisieren. Im Gegensatz dazu steht der berühmte Garten des Ryoanji-Tempels, ebenfalls in Kyoto, der in den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts geschaffen wurde: ein völlig abstrakter Entwurf mit 15 Steinen, die als Inseln im geharkten weißen Kies liegen.

Der Garten im Haus

In Japan besteht traditionell kaum eine Trennung zwischen Garten und Wohnraum. Die Unterteilung ist fließend und besteht nur aus zerbrechlichen Schirmwänden, die im Sommer offen stehen und Farbenpracht und Duft des Gartens bis ins Haus lassen. Im Wohnzimmer steht ein Tokonoma ("Schönheitsalkoven"), in dem die verschiedensten Gegenstände ausgestellt werden. Man kann hier auf bonkei ("Tablett-Gärten") stoßen, Miniaturlandschaften mit Zwergpflanzen, die zwischen winzigen Bergen aus Torfmoos und "Meeren" aus Sand stehen. Andere Gartenminiaturen, die man hier sieht, sind künstlich klein gehaltene Bonsai-Bäume (wörtlich "Baum im Tablett"), die durch Beschneiden und Versteifen mit Draht jahrelang geformt wurden, bis sie ein vom künstlerischen Standpunkt zufrieden stellendes und "natürliches" Aussehen erreicht haben.

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