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Islamischer Staat: Was wollen die Terroristen wirklich?

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Soldat im Nahen Osten
IS-Anhänger sind nicht immer rein religiös motiviert.

Sterben für den "reinen" Islam

"Die Attentate von Paris deuten jedoch darauf hin, dass religiös begründete Ziele des IS neuerdings mehr Gewicht bekommen haben – sowohl auf strategischer Ebene als auch bei der Anhängerschaft", so der IS-Experte. Stand dabei zunächst die Durchsetzung des sunnitischen Islam im eigenen Herrschaftsgebiet im Vordergrund, geht es jetzt auch verstärkt um die weltweite Ausbreitung des Islam und der Sharia-Normen – und das selbst dann, wenn solche Terrorakte mit militärischen Niederlagen auf eigenem Territorium erkauft werden müssen.

"Viele IS-Kämpfer aus arabischen Ländern sind offenbar bereit, im Ausland für die weltweite Ausbreitung des Islam und der Sharia zu sterben", erklärt Siebert. Denn nach Willen der IS soll die Welt von anti-islamischen Kräften "gereinigt" und andere Länder von innen her angegriffen werden. Die IS-Führung verkündet dabei sehr klar, auf welche Weise sie diese Ziele erreichen will: Durch die Tötung oder Einschüchterung von "Ungläubigen" und indem man neue Anhänger gewinnt und Gelder beschafft.

Die Anhänger: Gefühl der "Bruderschaft" und Macht

Bei den Anhängern des IS sind die Motive oft weniger eindeutig und durchaus unterschiedlich, wie die Forscher feststellten. So gibt es zwar viele Anhänger, die ebenso wie die IS-Führung religiöse Erfüllung zu finden glauben, wenn sie sich für eine "reine" und strenge Version des Islam einsetzen und "für Gott kämpfen". Andere erhoffen sich dagegen durchaus auch irdische Vorteile wie Freiheit von Unterdrückung und mehr soziale Gerechtigkeit.

Doch in vielen Fällen suchen IS-Anhänger schlicht persönliche Erfüllung: Gerade wenn sie ursprünglich eher ausgegrenzt wurden oder aus dem sogenannte Rand der Gesellschaft kommen, genießen sie es, einer "Bruderschaft von Kämpfern" anzugehören. Aber auch das Gefühl der Macht und die Möglichkeit, eigene Gewalttätigkeit und Brutalität auszuleben, locken viele Kämpfer. Durch entsprechende Propaganda weiß die IS-Führung dies – wenn auch religiös verbrämt – durchaus auszunutzen.

Allerdings kann das Streben nach persönlicher Befriedigung gerade bei Mitläufern aus Europa auch nach hinten losgehen, wie Siebert erklärt: "Darum kehren manche jungen Männer aus westlichen Ländern, die sich als Kämpfer dem IS angeschlossen haben, enttäuscht zurück", so der IS-Experte. Er sieht darin eine große Chance, Jugendliche davon abzuhalten, nach Syrien zu reisen um sich dem IS anzuschließen. "Wenn sie über diese Erfahrungen wiederholt öffentlich berichten, könnte dies die Illusionen anderer Jugendlicher, die sich zum IS hingezogen fühlen, möglicherweise dämpfen", meint Siebert.

NPO/ Universität Bayreuth, 03.12.2015
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