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Interview: Gebärdensprache

Gestik und Mimik in Höchstgeschwindigkeit

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Muttersprache Gebärdensprache

Gebärdensprache
Ausdruck durch Gestik und Mimik

Stephan Straßer ist Muttersprachler Gebärdensprache und Dozent beim Gehörlosenverband München um Umland e.V..

"Aber das ist ja auch meine Muttersprache", erklärt Stephan Straßer, der selbst in eine hörende Familie geboren wurde und sich daheim anfangs mit sogenannten Hausgebärden verständigte. Also Gesten und Gebärden, die sich aus dem Familienkontext ergaben, die aber nicht mit der Standardsprache der Gehörlosen zu vergleichen seien. Die lernte Straßer erst, als er mit fünf in den Kindergarten einer Münchner Gehörlosenschule kam. "Vor allem von den anderen Kindern", konkretisiert Straßer. In der Schule selbst habe der ungeliebte Artikulationsunterricht, das Lippenlesen und eben auch Deutsch auf dem Programm gestanden. Natürlich kann er wie die meisten anderen Gehörlosen die Sprache der Hörenden nicht nur verstehen, sondern auch lesen und schreiben. Doch bliebe sie nur seine erste Fremdsprache. Seine Gedankenwelt, seine Logik und seine Gefühlswelt drücken sich dagegen in dem differenzierten Zeichensystem aus, das Gestik und Mimik formen.

Und da die Wirkung von Sprache und Denken wechselseitig ist, wird auch klar, wieso Straßer die Gemeinschaft der Gehörlosen als eigene kulturelle Minderheit bezeichnet. Und zwar eine, die für Hörende oft nur schwer zugänglich ist, innerhalb derer aber deutlich mehr Offenheit und Direktheit herrschen als in vielen gesprochenen Sprachen. Der Dozent und Sprachexperte, der Eltern, Erziehern und Lehrern die Gebärdensprache beibringt, gibt ein Beispiel: "Treffen sich zwei Klassenkameraden nach vielen Jahren wieder und der eine hat ordentlich zugelegt, würde ein Hörender höchstens vorsichtige Anspielungen wagen. Wir sagen ohne Umschweife, 'du bist aber dick geworden'." Diese Unverblümtheit würde aber niemanden verletzen, sondern sei lediglich der Konkretheit und Visualität der Gebärdensprache geschuldet. Was nicht bedeuten soll, dass, wer sich mit Gestik und Mimik verständige, kein Feingefühl besitze. Anders als in den meisten gesprochenen Sprachen verzichten Gehörlose indes auch auf die Unterscheidung von "Du" und "Sie". Die Gebärdensprache kennt nur das persönliche "Du".

 

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von Susanne Böllert, wissen.de
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Wissenswertes zur Gebärdensprache

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Wort- aber nicht sprachlos

Gebärdensprache besteht nicht nur aus Zeichen, sondern auch aus Mimik, Mund- und Köperbewegungen.

Versuchen Sie einmal selbst herauszufinden, was hier gesagt wird.