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INSP – International Network of Streetpapers

Wir und die anderen

In der Welt der Straßenzeitungen ist BISS ein Rufer in der Wüste. Seit zehn Jahren verkünden wir im In- und Ausland, dass man bereits entwickelte Standards auch überprüfen muss, denn die existierende Charta des International Network of Streetpapers (INSP) sollte nicht nur eine Wunschliste sein. "Vendors' representative" (Repräsentantin der Verkäufer) nennen mich die INSP-Mitglieder deshalb manchmal scherzhaft auf den Sitzungen, oder sie sagen, BISS sei aus Verkäufersicht der „BMW unter den Straßenzeitungen". Überraschenderweise ist im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Zahl unserer Freunde trotzdem stetig gestiegen und die der Kritiker merklich gesunken. Wir werden häufig um Rat und Hilfe gebeten und haben uns diesen Bitten auch nie verschlossen. Damit nicht immer nur allgemein von INSP-Mitgliedern und deutschen Straßenzeitungen geredet wird, werde ich Ihnen nachstehend einige namentlich vorstellen.

BISS war vor neun Jahren eines der Gründungsmitglieder des INSP, weil wir über unseren Tellerrand hinausblicken wollten, „global denken, lokal wirken" („think globally, act locally," wie es auf Englisch heißt). Wir wollten von den anderen lernen und umgekehrt. Und obwohl es manchmal scheint, dass sich Dinge nur sehr langsam entwickeln, halten wir das Netzwerk für eine unverzichtbare Institution. Die Treffen in den verschiedenen Ländern und Kontinenten sind nicht nur wegen des Reisens schön, sondern wichtig, um in Kontakt zu bleiben, vor Ort zu sehen, was los ist, und die Initiatoren der einzelnen Projekte kennen und einschätzen zu lernen. Bei manchen hat sich in zehn Jahren nicht viel verändert, doch bei anderen hat sich eine Menge getan. Jedes Mitglied kann das Netzwerk kontaktieren, aber auch direkt auf die anderen Mitglieder zugehen.

So bat vor drei Jahren die Straßenzeitung „Concern" aus Gambia um Hilfe. Adamah Bah, der Geschäftsführer, wandte sich an das INSP: Die Zeitung konnte wegen der hohen Druckkosten nicht mehr erscheinen. Habe jemand eine Druckmaschine übrig in Europa, Amerika oder Australien, die man nach Gambia schaffen könne? Jo Tein von der Straßenzeitung „Hempels" in Kiel investierte viel Zeit und Mühe. Er fand nach langer Suche zwei identische Maschinen (vorteilhaft wegen der Ersatzteile!), die zusammen mit der Verschiffung etwa 14 500 Euro kosteten. Nicht viel Geld eigentlich für zwei Druckmaschinen, aber viel Geld für ein paar Straßenzeitungen. Jedoch ohne Druckmaschine keine Straßenzeitung, und ohne Straßenzeitung bleibt den dortigen jungen Leuten nicht viel mehr als der Straßenstrich, um Geld zu verdienen. Da ich bei einem INSP-Treffen in Südafrika das Elend und die Armut dort gesehen hatte, wusste ich nur, dass Adamah Bah diese Druckmaschine haben musste. Unbedingt! Nachdem wir mit unseren Bittbriefen bei den anderen Straßenzeitungen nicht allzu viel Erfolg hatten, nahmen wir 10 000 Euro aus unseren Rücklagen, die restlichen 4500 Euro kamen von den Straßenzeitungen „The Big Issue Scotland", „The Big Issue in the North" und „Trott-war", Stuttgart. Es gibt nun wieder eine Straßenzeitung in Gambia mit dem neuen Namen „Mango news", und Adamah Bah kann darüber hinaus auch für andere Leute Druckaufträge annehmen und sein „Social Business" ausbauen.

In 2002 konnten wir der brasilianischen Straßenzeitung „Bocca de Rua" helfen, ihr „Bildungs- und Gesundheitsprogramm" aufzubauen und nebenbei dadurch die Auflage ihrer Straßenzeitung zu verdoppeln. Sie arbeitet in der Nähe von Porto Allegre mit jungen Menschen zusammen. Clarinha Glock, die Initiatorin, hat nicht nur Herz, sondern auch Verstand, und nach ihrem dringenden Hilferuf beim INSP-Treffen in Madrid war klar, wir mussten helfen, soweit es uns möglich war.

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Hildegard Denninger, © BISS
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