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Im Gespräch: „Essen und Psyche“

Interview mit Prof. em. Dr. Gisla Gniech, 1973 - 2002 Psychologie-Professorin an der Universität Bremen

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Gerade beim Menschen ist Essen mit angenehmen Assoziationen verbunden. Es symbolisiert z.B. die Mutter, die stillt, die die Brust gibt, die umarmt, in deren Armen es warm, süß und weich ist. Wie hoch der Stellenwert ist, können Sie am Beispiel von Entgleisungen sehen - beispielsweise bei Kindern, die auf Grund irgendwelcher Defekte mit Sonden ernährt werden. Das ist äußerst schwierig. Es gibt einen kompletten Bereich von therapeutischen Maßnahmen, um diese Kinder zu einem lustvollen Essen zu bringen. Sie haben nämlich lebenslänglich die Assoziation, dass Essen eben nicht schön ist, weder weich, noch kuschelig, wärmend oder mit süßem Geschmack verbunden.

Es ist also eine Konditionierung, dass wir so gerne essen. Zum einen rein biologisch: Wir werden satt. Wenn wir Hunger haben, wird ein körperlicher Bedarf gedeckt. Zum anderen emotional: Die angenehme Atmosphäre des frühkindlichen Essens und Trinkens wird mit Geborgenheit assoziiert.

Jetzt stellt sich aber die Frage: Warum essen wir als erwachsene Menschen heutzutage so gerne? Das hat damit zu tun, dass die Nahrungsmittelindustrie den Umstand der Konditionierung geschickt nutzt und uns das Essen so nahe bringt, dass wir häufig mehr essen als wir eigentlich benötigen. Daran wird sowohl geschmacklich, als auch von Seiten des Geruchs und Widerstands gearbeitet. Man hört also z. B. das Beißen, Knacken und Krachen, zusätzlich gibt es schöne Verpackung mit angenehmen Assoziationen und dann essen wir eben gerne. Manchmal eben zu gerne.

Weisheit des Körpers

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Das Interview führte Monika Wittmann.
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