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Hormone spielen nicht verrückt – sie haben uns in der Hand

Die Wirkung von Testosteron, Östrogenen und Co. auf unser Liebesleben

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Auch Männer werden schwanger – ein bisschen

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Hormonfeuerwerk Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sind Hormone intensiv an der Entwicklung des Kindes beteiligt – aber nicht nur. Auch die Gefühlslage von Mutter, Kind oder sogar Vater haben die Hormone fest im Griff.

Während Testosteron den Mann also zum hungrigen Wolf mutieren lassen kann, sorgen für Weiblichkeit im Wesentlichen Östrogene. Größtenteils in den Eierstöcken produziert, fördern sie die Reifung der befruchtungsfähigen Eizelle. Auf mentaler Ebene steigert eine erhöhte Östrogenkonzentration zwischenmenschliches Interesse. Und so heißt es auch in Brizendines Buch weiter: „Bereits im Mutterleib werden Mädchen mit Östrogenen überschüttet und so auf Beziehungspflege programmiert.“ Heulkrämpfe und Zickenkrieg mit den Müttern in der Pubertät führt die Autorin auf einen schwankenden Östrogenspiegel während dieser schweren Phase zurück.

Bei allen hormonellen Unterschieden muss es doch etwas geben, was Frau und Mann aneinander bindet. Tatsächlich ist es ja auch nicht so, dass Männer nur triebgesteuert umherschweifen, ständig auf der Suche nach Sex, während die Frauen das Nest hüten, stets darum bemüht, die Familie zusammenzuhalten. Besonders in den ersten Wochen einer Schwangerschaft geht der Testosteronspiegel des Mannes zurück, und sein Körper produziert im weiteren Verlauf der Schwangerschaft um bis zu 20 Prozent mehr vom Milchbildungshormon Prolaktin. Dies bewirkt laut Brizendine eine erhöhte Fürsorglichkeit. Sie nennt diese Phase den „Übergang vom männlichen zum väterlichen Hirn“. Der Nebeneffekt: Werdende Väter setzen Speck an, und manchem wird wie seiner schwangeren Partnerin sogar übel. Die bei Männern anschließend einsetzende Nestbauphase schreibt die Neuropsychiaterin ebenfalls dem Prolaktin zu.

Ein weiteres Bindemittel für Frauen und Männer heißt Oxytocin. Ein Hormon, dem eine große Bedeutung beim Geburtsprozess zukommt und das zum Verhältnis zwischen Mutter und Kind beiträgt. Aber auch Verliebte schütten es aus vollen Eimern aus.

In der weiblichen Entwicklung spielt Oxytocin eine besondere Rolle. So erklärt Louann Brizendine die Telefonsucht vieler 14-jähriger Mädchen mit einem erhöhten Spiegel des Hormons. Nach den Wechseljahren sinke der übrigens wieder ab, was die Frauen scheidungsfreudiger mache.

Männer werden bei höherem Oxytocingehalt einfühlsamer, das ergab eine Studie der Universität Bonn und des Babraham-Instituts Cambridge. Die Forscher verabreichten der Hälfte der Probanden ein oxytocinhaltiges Nasenspray, dem Rest ein Placebo. Anschließend bekamen die Männer emotional belegte Fotos zu sehen. Das Ergebnis: Die Oxytocin-Probanden reagierten emphatischer. So kann ein Mann auch mal ein bisschen Frau sein.

 

von wissen.de-Autor Jens Ossa
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