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Homeoffice

Die Tücken flexibler Arbeitszeiten

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Homeoffice: Vater + Tochter
Das Homeoffice mit Familienanschluss kann nur funktionieren, wenn sich alle Beteiligten an einige Regeln halten.
Frauen als "geübtere Grenzgänger"

Weniger belastet fühlt sich das männliche Geschlecht daher mit selbstbestimmten, aber immer noch geregelten Arbeitszeiten – etwa Gleitzeit. Frauen hingegen haben mit völlig freier Zeitenteilung grundsätzlich keine Probleme. Sie nutzen die zeitliche Flexibilität statt für unzählige Überstunden eher, um Haushalt und Kinder mit dem Job unter einen Hut zu bringen. Frauen seien "typischerweise geübtere Grenzgänger" als Männer, sagt Lott.

Hoch ist die psychische Belastung für weibliche Arbeitnehmer allerdings bei Arbeitszeiten, die der Arbeitgeber kurzfristig ändert. So erschweren unvorhergesehene Dienstzeiten die Planung des Alltags enorm. Darunter leiden vor allem Frauen, weil sie traditionell noch immer den größeren Teil der Haus-, Pflege- und Erziehungsarbeit übernehmen, wie die Wissenschaftler berichten.

Flexibilität ja – aber mit Regeln

Im Lichte dieser Erkenntnisse sei eine von Unternehmen häufig geforderte weitere Deregulierung der Arbeitszeitbestimmungen äußerst kritisch zu sehen, sagt Lott. Neben den negativen Konsequenzen für die Work-Life-Balance verschärften Modelle wie die völlige Arbeitszeitautonomie auch die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern. Die Forscherin spricht vom "Risiko der Traditionalisierung von Partnerschaften", weil eine Seite – wahrscheinlich meist die Frau – der anderen den "Rücken frei halten" muss.

Dennoch hält Lott noch mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit grundsätzlich für vertretbar. Es müsse aber klare Regeln geben: zeitliche Obergrenzen, Zeiterfassung, realistische Vorgaben für das Arbeitspensum, genug Personal und Vertretungsregeln. Fortbildungen in "Grenzmanagement" für Beschäftigte und Vorgesetzte seien ebenso notwendig wie verlässliche Schichtpläne und eine Sensibilisierung aller Beteiligten für die geschlechtsspezifischen Folgen flexibler Arbeitsarrangements.

Wenn diese Voraussetzungen nicht nur im Betrieb, sondern auch beim mobilen Arbeiten oder im Homeoffice gegeben sind, könnten durchaus neue Spielräume für selbstorganisiertes Arbeiten geschaffen werden – zum Beispiel durch ein Recht auf Homeoffice, das bislang ein Privileg einzelner Beschäftigtengruppen und vielen Arbeitnehmerinnen nicht gestattet ist, so das Fazit der Wissenschaftler.

Hans-Böckler-Stiftung / DAL, 31.08.2017
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