wissen.de
Total votes: 159
wissen.de Artikel

Hochwasser

Hochwasser in North Dakota

Gewaltige Wassermassen wirken auf die Brückenkonstruktion ein.

Überschwemmungen haben an dicht besiedelten Küsten und im Binnenland immer wieder katastrophale Folgen. Weltweit leben Millionen von Menschen ständig mit der Bedrohung durch Hochwasser. In Nordchina ertranken 1959 bei Überschwemmungen wahrscheinlich zwei Millionen Menschen. Hochwasser hat aber auch eine andere Seite: Überschwemmungen bringen nährstoffreiche Sedimente auf ausgelaugte Böden und machen in manchen Gegenden Landwirtschaft erst möglich.

Hochwasser an der Küste:

Hochwasser an der US-Küste

Der Hurrikans George hat gewaltige Wellen aufgetürmt, denen das Ufer ausgesetzt war.

Tiefliegende Küsten sind Hochwasserereignissen ausgesetzt, die durch Wellen von großer Höhe hervorgerufen werden. Gefährliche Wellen entstehen vor allem im Zuge von tropischen oder außertropischen Wirbelstürmen. Besonders gefährdete Gebiete sind beispielsweise die tiefliegenden Küstenbereiche der Nordsee und der Golf von Bengalen, der immer wieder von tropischen → Zyklonen heimgesucht wird. Überschwemmungen entstehen ebenfalls durch → Tsunamis, die beispielsweise durch → Erdbeben ausgelöst werden.

Hochwasser im Binnenland:

Hochwasser am Main

Mit der Bebauung der Flussufer begibt sich der Mensch in Bereiche, die von Natur aus periodisch überschwemmt werden.

Hochwasser und Überschwemmungen sind im Binnenland meist auf starke und langanhaltende Regenfälle zurückzuführen. Dabei spielt die Beschaffenheit des Bodens eine wesentliche Rolle. Kann dieser viel Wasser aufnehmen, wird es nicht so schnell zu Hochwasser und Überschwemmungen kommen. Fällt der Regen jedoch auf noch gefrorenen Boden, führt dies zwangsläufig zu Hochwasser. Insbesondere dann, wenn zusätzliche Wassermengen durch Schneeschmelze hinzukommen. Die Beschaffenheit des Bodens wird auch durch den Menschen beeinflusst. Durch die Bebauung der Landschaft mit Siedlungen und Verkehrswegen wird der Boden zunehmend versiegelt. Aber auch der steigende Bodenverlust durch Erosion vermindert die Möglichkeiten der Versickerung von starken Regenfällen. Mit der Bebauung der Flussufer begibt sich der Mensch zudem in Bereiche, die von Natur aus periodisch überschwemmt werden. Gleichzeitig werden die Flüsse begradigt. Mit der Flussbegradigung und Bebauung der Uferzonen verschwinden die Mäander, die Altarme und weite Teile der Auenlandschaften, die als natürliche Hochwasserrückhaltebecken dienten. Überschwemmungen können auch dadurch entstehen, dass Deiche oder Dämme, die zum Schutz der Talebenen errichtet wurden, an Hochwasser führenden Flüssen brechen. Dies war beispielsweise beim Hochwasser entlang der Oder im Jahr 1997 an mehreren Stellen der Fall.

Hochwasser in Deutschland:

Hochwasser in Frankfurt am Main

Immer wieder werden deutsche Flüsse Schauplatz von so genannten Jahrhunderthochwassern.

In Deutschland gab es im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine ganze Reihe von “Jahrhunderthochwassern“. 1988 kam es zum Beispiel an der Donau zwischen Regensburg und Passau zu katastrophalen Überschwemmungen. Ebenso am Rhein im März des gleichen Jahres. Im Jahr 1993 suchte eine Hochwasserkatastrophe Deutschland um die Weihnachtszeit heim. Vor allem Rhein, Mosel und Main traten über ihre Ufer. Im Januar 1995 gab es ein erneutes Jahrhunderthochwasser. Wiederum traten Rhein, Mosel und Main sowie Nahe und Maas über die Ufer. Auch viele andere Flüsse verwandelten sich in reißende Ströme. In Deutschland, aber auch in den Niederlanden, in Belgien und in Nordfrankreich kam es zu weitreichenden Überschwemmungen. Im Sommer 1997 entstand nach einem Jahrhundertregen das katastrophale Hochwasser entlang der Oder. Die Bundeswehr startete ihre größte Hilfsaktion seit der Sturmflut von Hamburg im Jahre 1962 (s. a. → Sturm-Katastrophen).

Umweltsünden:

Die häufigen Hochwasser der letzten Jahre in Mitteleuropa, insbesondere das Oderhochwasser im Sommer 1997, lassen Fragen aufkommen: Rächen sich die Umweltsünden der vergangenen Jahrzehnten? Nehmen solche Jahrhunderthochwasser zu und treten sie in immer kürzeren Zeitabständen auf? Fragen, für die sich verständlicherweise auch die Versicherungen interessieren.

Überschwemmungen hat es in den Tallagen und Auen immer gegeben. Sie sind eine Landschaftskonstante, ein Teil des Ökosystems Fluss. An historischen Gebäuden erhaltene Hochwassermarken und alte Chroniken sind an vielen Orten Zeugnisse dieser Geschehen über viele Jahrhunderte. Auch im Oderbruch waren und sind Hochwasser nichts Ungewöhnliches. Das wird schon durch den mittelhochdeutschen Begriff “Bruch“ deutlich. Denn das Wort Bruch steht für Moore, Sumpfgelände und periodisch überschwemmte, stets feuchte Gebiete entlang der Flussufer. Und Hochwasser führten im Oderbruch in der Vergangenheit immer wieder zu immensen Schäden. Bei einem Hochwasser des Jahres 1736 mussten über 170 Menschen ihr Leben lassen. Im Jahr 1947 wurden mehr als 20 000 Menschen durch ein katastrophales Hochwasser obdachlos. Und zwar trotz oder besser wegen der Deichbauten von Friedrich II. Denn erst durch die Bebauung der ufernahen Zonen mit Häusern, Straßen und Industrieanlagen infolge von Landnahme und wachsender Bevölkerungsdichte hat sich das Risiko von Überschwemmungen stark erhöht. Das ist an allen großen Flüssen Europas zu beobachten. In früheren Zeiten wurden flussnahe Siedlungen und Verkehrswege in erhöhter Lage angelegt, um bei Hochwasser sicher und trocken zu bleiben. Der Mensch setzte sich also immer mehr den Naturgewalten aus.

Hochwasser North Dakota

Rächen sich die Umweltsünden der vergangenen Jahrzehnten?

Hinzu tritt der Umstand, dass durch Bodenversiegelungen, Flussregulierungen und Veränderungen in der Vegetation durch Rodungen und immissionsbedingte Waldschäden den Starkniederschlägen immer mehr Speicherraum genommen wird. Das Wasser strömt in größeren Mengen und mit höherer Geschwindigkeit in Richtung der Flüsse. Nach Untersuchungen des WWF-Auen-Instituts ist seit Beginn der 1980er Jahre ein deutlicher Anstieg von Jahrhunderthochwassern zu verzeichnen.

Wenn sich an der derzeitigen Situation mitteleuropäischer Flusslandschaften nichts Wesentliches ändert, werden sich immer wieder Hochwasserkatastrophen ereignen. Verschiedentlich hat man jedoch aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt. Denn an einigen Flüssen wurde damit begonnen, alte Sünden zu beseitigen. Das Schlagwort: Renaturierung. Man gibt den Flüssen ihre natürlichen Uferzonen und Mäander mit der entsprechenden Vegetation zurück. In den dichtbesiedelten Landschaften Mitteleuropas kann der Natur aber z. B. aufgrund von Interessenskonflikten zwischen unterschiedlichen Gruppen, Verbänden und Parteien nur ein kleiner Bereich zurückgegeben werden.

Total votes: 159