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Herbstmond September – ein Monat für die Demokratie

oder die Qual nach der Wahl. Ein Kommentar

Der neunte Monat ist einer der schönsten. Niemanden kümmert noch die Glut des Sommers, aber richtig kalt ist es auch noch nicht. Die Bauern freuen sich, dass sie als Lohn für Aussaat und Pflege ihrer Pflanzen nun eine satte Ernte im Sack haben. Überhaupt ist der September ein ausgewogener Monat – sogar das Tierkreiszeichen Waage beginnt hier. Ein besonders markantes Datum für die Ausgewogenheit der Bundesrepublik war in diesem Jahr der 22. September: Der Tag war genauso lang wie die Nacht, kalendarischer Herbstbeginn auf der Nordhalbkugel also. Und Deutschland hat gewählt – irgendwie. Eine neue Regierung haben wir trotzdem noch nicht. Denn in unserer Demokratie geht es ein bisschen zu wie auf dem Spielplatz: Bis sich neue Spielkameraden zusammenfinden, muss erst mal reichlich am Karussell gedreht werden.

Regierungsbildung – ein Kinderspiel

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer
Auf Partnersuche

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am 24.09.2013 bei der Unions-Fraktionssitzung im Bundestag in Berlin.

Während sich die Blätter an den Bäumen herbstlich bunt färben, kommt das traditionelle Farbenmischen nach der Bundestagswahl in diesem Jahr eher farblos daher: Schwarz möchte mit Rot oder Grün, am liebsten jedoch mit Rot. Rot möchte aber nicht mit Schwarz – jedenfalls nicht so schnell –, und Grün ziert sich auch. Links würde gern mit Rot und Grün, Rot aber nicht mit Links. Und Gelb spielt nicht mehr mit.

Setzen wir anstelle der Parteibezeichnungen doch einmal die Namen Paul, Anna, Lotte, Lars und Timm. Das verlegt die Szene auf einen Kinderspielplatz – ist ja im Hinblick auf die Bundespolitik mitunter gar nicht so abwegig. Anna hätte gern mit Timm gespielt, aber der muss zum Nachhilfeunterricht und kann nicht mehr mitspielen. Sie würde auch mit Paul oder Lars spielen, aber die sind unschlüssig, ob sie nicht lieber zusammen ihre Zeit verbringen – wie schön könnten die beiden gemeinsam Anna ärgern! Und dann ist da noch Lotte, die findet Paul und Lars eigentlich ganz nett, aber die beiden wollen partout nichts mit ihr zu tun haben. Am Ende stehen alle blöd da: Das gemeinsame Spiel kommt zum Erliegen, aber nach Hause zu gehen ist auch keine Option.

Was auf Spielplätzen ganz normal ist, gestaltet sich auf der politischen Bühne zäh – schließlich sollen hier die Freundschaften vier Jahre halten, und das will wohlüberlegt sein. Demokratie ist eben nichts für Kindsköpfe.

 

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von wissen.de-Autor Jens Ossa, September 2013
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