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Henrik Ibsen: Das Glück der Lebenslüge

Er war ein Riese auf dem Theater und ein unerbittlicher Chronist der Wirklichkeit: der norwegische Schriftsteller Henrik Ibsen. Seine Stücke „Peer Gynt“, „Nora“ oder Ein Puppenheim“ und „Die Wildente“ werden auf den Theaterbühnen rund um die Welt gespielt. Hinter Shakespeare ist er der meist gespielte Dramatiker. Henrik Johan Ibsen starb am 23. Mai 1906.

Ein Leben im Exil 

Geboren wird Henrik Ibsen am 20. März 1828 als Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Knud Ibsen und seiner Frau Marichen im norwegischen Skien. Als er acht Jahre alt ist, schlittert sein Vater in den Bankrott. Mit 16 ist Ibsen auf sich gestellt und beginnt eine Apothekerlehre. 1848/49 bereitet er sich auf das Abitur vor und unternimmt erste dichterische Versuche. Mit 22 übersiedelt er nach Kristiania, das heutige Oslo. Wenig später erscheint sein erstes Drama als Privatdruck. Das Kristiania-Theater lehnt eine Aufführung ab.

Anfang de 50er Jahre ist Ibsen Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften und verfasst überwiegend politisch-satirische Artikel. 1851 wird er Dramaturg am neu gegründeten Norske Theater in Bergen und hat in den folgenden Jahren erste Erfolge als Dramatiker („Frau Inger auf Östrot“). 1857 geht er als Leiter an das Norske Theater in Kristiania. Nur ein Jahr später heiratet er die Pastorentochter Suzannah Thoresen. 1859 wird sein Sohn Sigurd geboren. Ibsens Familie lebt zu dieser Zeit in äußerst bescheidenen finanziellen Verhältnissen. Zu allem Überfluss muss drei Jahre später das Norske Theater Konkurs anmelden. Verzweifelt bemüht sich der Dichter um Geldgeber. 1864 erhält Ibsen ein Reisestipendium. Er zieht nach Rom und lebt dort vier Jahre lang. Mit dem dramatischen Gedicht „Brand“ gelingt ihm 1866 endlich der literarische Durchbruch. Das norwegische Parlament bewilligt wenig später eine jährliche Dichtergage.

1867 schließt Ibsen das dramatische Gedicht „Peer Gynt“ ab und verbringt die nächsten Jahre in Dresden und München. 1876 wird erstmals ein Stück außerhalb Skandinaviens aufgeführt: „Helden auf Helgeland“ im Hoftheater München. Die nächsten zwei Jahrzehnte gehören zu den produktivsten von Henrik Ibsen. Es entstehen u. a. „Die Stützen der Gesellschaft“ (1877), „Nora oder Ein Puppenheim“ (1879), „Ein Volksfeind“ (1882), „Die Wildente“ (1884), „Gespenster“ (1887), „Die Frau vom Meer“ (1888) und „Hedda Gabler“ (1890). Nach Jahren in Rom und München kehrt Ibsen erst 1891 als berühmter Schriftsteller nach Norwegen zurück. Sein 70. Geburtstag wird in allen skandinavischen Hauptstädten groß gefeiert. 1899 vollendet er sein letztes Stück: „Wenn wir Toten erwachen. Ein dramatischer Epilog“. Wenig später erkrankt er schwer. Nach mehreren Schlaganfällen bleibt er ans Bett gefesselt und stirbt am 23. Mai 1906. Mit einem Staatsbegräbnis nimmt Norwegen Abschied von seinem größten Dichter.

 

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von Michael Fischer, wissen.de
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