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Health Claims

Die Tricks der Lebensmittelindustrie

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Was Verbraucherschützer jetzt fordern

Auch die Verbraucherzentrale Hamburg fürchtet, dass Fett- und Zuckerbomben sich durch Zugabe von Vitaminen oder ähnlichem ein Gesundheitsimage verpassen können. Sie bemängelt, dass die seit Langem geplanten Nährwertprofile immer noch nicht eingeführt wurden. Diese sollen Höchstwerte für Zucker, Fett und Salz festlegen, oberhalb derer keine gesundheitsbezogene Werbung erlaubt ist.

Außerdem fordert die Verbraucherzentrale Höchstgrenzen für die Anreicherung mit Vitaminen, Mineralstoffen und ähnlichen Zusätzen, da eine Überdosierung eher schaden als nutzen könnte. So kam etwa das Max-Rubner-Institut in einer Studie zu dem Ergebnis, dass schon drei Gläser eines frisch abgefüllten Fruchtsaftes, dem künstliche Folsäure zugefügt wurde, die tolerierbare Tageshöchstmenge deutlich überschreiten können. Auch zu viel Eisen sehen Experten kritisch.  

Selbst um Produkte, die ihr Werbeversprechen auch einlösen, gibt es Streit. So senkt die Margarine „Becel pro.activ“ tatsächlich den Cholesterinspiegel und darf das daher auch auf die Packung schreiben. Foodwatch verweist allerdings auf mögliche gesundheitliche Risiken durch Nebenwirkungen, die nicht ausreichend erforscht seien. Die Organisation will dem Hersteller Unilever gerichtlich die Behauptung verbieten lassen, aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keinen Hinweis auf Nebenwirkungen. Foodwatch scheiterte aber vor dem Landgericht Hamburg, es läuft das Berufungsverfahren.

Unabhängig von diesem Fall hat die EFSA viele Health Claims, die sich auf pflanzliche Stoffe beziehen, noch gar nicht geprüft. Wegen methodischer Probleme könnte das auch noch eine Weile dauern. Was dabei auch herauskommen mag, Foodwatch formuliert die Kritik sowieso grundsätzlich. "Kein Mensch braucht Functional Food für eine ausgewogene Ernährung. Die Unternehmen nutzen die Versprechen nur, um den Kunden mehr Geld aus der Tasche zu ziehen“, sagt Experte Huizinga. Er fordert: „Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln sollten grundsätzlich verboten werden."

Auf einem Apfel steht schließlich auch nicht drauf, dass er viele Vitamine enthält. Trotzdem ist er im Zweifel gesünder als all die Produkte, die erst mit Werbung darauf hinweisen müssen.

Auf der Seite www.lebensmittelklarheit.de finden sich unter anderem auch aktuelle Verbraucherbeschwerden über Produkte mit irreführenden Gesundheitsversprechen und Nährwertkennzeichnungen.

von wissen.de-Autor Daniel Bakir, März 2013
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