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Gut getarnt: Wie erkennt man Rechtsextreme im Web 2.0?

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Verräterische Sprache

Ähnliches gilt auch für andere "Bürgerinitiativen": Sprache und Bilder spielen beim Entlarven rechter Propagandastrategien eine wichtige Rolle. Wer typische Slogans wie "Deutschland wird überrannt", "die Asylanten nehmen uns die Arbeitsplätze weg", "es werden immer mehr" oder auch "die sind doch alle kriminell, zeigt schon die Statistik" liest, sollte noch einmal genau hinschauen, wer sich hinter der Gruppe verbirgt. Oft ist mit ein, zwei Klicks der NPD-Funktionär oder ein anderer Neonazi "enttarnt".  Während in rechten Kreisen der Begriff "Asylant" verwendet wird, sprechen andere von "Asylsuchenden", "Flüchtlingen" oder "Geflüchteten".

Ebenfalls aufmerksam werden sollte man, wenn die inzwischen zum Symbolbild der Islamfeinde gewordene durchgestrichene Moschee als Profilbild oder als sogenanntes PicBadge angezeigt wird: ein kleines, rundes Zeichen am rechten unteren Rand des Profilbilds, sozusagen die digitale Form des Ansteckbuttons. Zwar ist nicht jeder, der die durchgestrichene Moschee für sich in Anspruch nimmt, ein Islamfeind. Aber hier gilt: Zweimal hinschauen, ob jemand offen gegen Muslime hetzt oder nur vorsichtig hinterfragt, welche Religionsgruppe genau vor Ort eine Moschee bauen möchte.

Wie Neonazis "Kindesmissbrauch" für ihre Propaganda missbrauchen

Mit Fotos, Musik und virtuellen Veranstaltungen machen Neonazis in sozialen Netzwerken auch gerne Stimmung gegen "Kinderschänder". Sexueller Missbrauch an Kindern ist ein emotional und moralisch aufgeladenes Thema, das immer wieder zu heftigen Diskussionen führt. Ein gefundenes Fressen für Neonazis, um dieses Thema ideologisch zu instrumentalisieren.

Wer Seiten gegen Kindesmissbrauch unterstützen will, sollte ganz genau hinschauen, ob es eine ernstgemeinte, unterstützenswerte Initiative ist oder nicht am Ende doch Neonazis dahinter stecken. Wie bei der harmlos klingenden Facebook-Seite "Deutschland gegen Kindesmissbrauch", die bis zum Februar 2014 mehr als 40.000 Likes erreicht hatte. Verräterisch ist jedoch, dass nicht nur eine Diskussion über die Todesstrafe für Täter gefordert wird, sondern auch häufig über migrantischen Tätern und deutsche Kindern als Betroffene berichtet wird ("Vergewaltigung durch Südländer").

Wer Seiten gegen Kindesmissbrauch unterstützen, aber sichergehen will, dass es sich nicht um Propagandaseiten von Neonazis handelt, sollte auf folgende Merkmale achten:

  1. Neonazis sprechen häufig von "Opfern", was mit Hilflosigkeit assoziiert wird und den Eindruck erweckt, die "Opfer" könnten sich nicht selbst wehren. Seriöse Initiativen nutzen zunehmend den Begriff "Betroffene", um die emotionalen Konnotationen möglichst gering zu halten.
  1. Neonazistische Propagandaseiten fokussieren ihre "Berichterstattung" auf die Täter und ihre Bestrafung, nicht auf die Betroffenen. Oft werden "Auge um Auge, Zahn um Zahn"-Metaphern benutzt und Selbstjustiz befürwortet.
  1. (Nicht nur) Neonazis benutzen gerne das Wort "Kinderschänder" und lenken den Blick so vom Opfer – dem missbrauchten Kind – auf den Täter. Opferinitiativen finden den Gebrauch des Wortes "Kinderschänder" problematisch, weil der Begriff suggeriert, dass dem Kind eine "Schande" angetan wurde. Dadurch wird nicht der Opferschutz in den Vordergrund gestellt, sondern die Opfer werden einmal mehr missbraucht.
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