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Lengede

Eine Nation hält den Atem an

Selten hat ein Unglück die Menschen in Deutschland so bewegt wie die Tragödie, die am Abend des 24. Oktober 1963 in Lengede mit einer Grubenkatastrophe ihren Anfang nimmt.

Aus einem in der Nähe der Erzgrube "Mathilde" der Ilseder Hütte in Lengede gelegenen Teich brechen 500 000 Kubikmeter Wasser und Schlamm in die Schachtanlage ein. 129 Bergleute sind zu diesem Zeitpunkt unter Tage beschäftigt. Innerhalb kürzester Zeit ist die 100 Meter tief liegende Sohle der Grube überschwemmt. 29 Bergleute kommen in den eindringenden Wassermassen ums Leben.

Bis zum Morgen des 25. Oktober melden sich 79 Überlebende bei der Grubenleitung. Kurz nach halb elf Uhr morgens gelingt den Rettungsmannschaften, durch ein Bohrloch Sprechkontakt zu sieben eingeschlossenen Kumpels zu bekommen. Am Nachmittag wird ein Loch von einem halben Meter Durchmesser in die Erde getrieben, in das die so genannte "Dahlbusch-Bombe" eingeführt werden kann. Dieses 2,5 Meter lange Bergungsgerät hat einen Durchmesser von nur 40 Zentimetern und bietet so einem Mann mit nach oben ausgestreckten Armen Platz. Damit gelingt die Rettung von sieben verschütteten Bergleuten, die nacheinander an die Oberfläche geholt werden.

Als trigonometrische Berechnungen ergeben, dass sich in 79 Meter Tiefe, 15 Meter unter dem Wasserspiegel, eine Luftblase gebildet hat, dringt man am Morgen des 26. Oktober mit einer erneuten Bohrung in den Hohlraum vor. Die drei Bergleute, die dort Zuflucht gesucht haben, werden am 29. Oktober in Druckkammern geborgen. Am 3. November besteht keine Hoffnung mehr, noch Überlebende zu finden. Doch aus einer Tiefe von etwa 60 Metern dringen plötzlich schwache Klopfzeichen nach oben. In größter Eile kehren die bereits abgezogenen Rettungsmannschaften an den Unglücksort zurück. Am 7. November, kurz nach sechs Uhr morgens, erreicht eine Bergungsbohrung in 56 Metern Tiefe die elf Bergleute. Kurz nach 14 Uhr ist der letzte der elf Kumpel gerettet.

aus der wissen.de-Redaktion; Quelle Chronik Verlag
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