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Google-Jahresrückblick: Danach hat Deutschland 2019 gesucht

Welches waren die häufigsten Suchwörter bei der Suche im Netz? Und welche Ereignisse wurden am häufigsten gegoogelt – hierzulande oder weltweit? Auskunft darüber gibt alljährlich die Google-Jahresbilanz. In ihr liegen 2019 der Brand von Notre Dame und der Anschlag von Halle weit vorne, aber auch Greta Thunberg, der Kinofilm "Joker" und der Tod von Karl Lagerfeld.

Gogglemenü auf Smartphone-Screen
Google-Suchtrends 2019

Bei den alljährlich veröffentlichten Google-Suchtrends handelt es sich nicht um die Begriffe, nach denen am häufigsten gesucht wurde. Denn dann würden sich die jährlichen Listen kaum voneinander unterscheiden und Begriffe wie "Telefonbuch", "Web" oder "Wetter" enthalten. Stattdessen wird ermittelt, bei welchen Suchbegriffen es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum den größten Anstieg an Suchanfragen gab.

Es für uns längst Routine: Wenn wir etwas nicht wissen, schauen wir einfach im Internet nach – am häufigsten bei der Suchmaschine Google. Doch die von uns eingegebenen Suchwörter werden nach getaner Arbeit nicht einfach gelöscht, sondern bleiben im Gedächtnis der Suchmaschine erhalten. Im Laufe eines Jahres kommt dadurch eine enorme Menge an Daten zum Suchverhalten in Deutschland, aber auch in anderen Ländern oder weltweit zusammen. Das ermöglicht es Google, am Jahresende eine Bilanz zu ziehen und zu schauen, welche Themen die Google-Nutzer im vergangenen Jahr am meisten bewegt haben.

Südostansicht der brennenden Kathedrale Notre Dame, 15. April 2019, 20:06 Uhr
Brand der Kathedrale Notre Dame am 15. April 2019

Top-Suchbegriffe: Rebecca Reusch und Notre Dame

Bei den Top-Suchbegriffen des Jahres 2019 liegt ein Name mit eher traurigem Hintergrund in Deutschland auf Platz 1: Rebecca Reusch. Das 16-jährige Mädchen war Anfang des Jahres in Berlin spurlos verschwunden. Noch immer ist ungeklärt, was mit der Jugendlichen geschehen ist. Zwar geht die Polizei von einem Verbrechen aus, aber trotz intensiver Suche wurde weder eine Leiche gefunden noch konnte ein Täter überführt werden.

Auf Platz zwei bei den allgemeinen Suchbegriffen liegt der Brand von Notre-Dame. "Ein Feuer hat im Frühjahr die Kirche zum Großteil zerstört, und gerade die Diskussion um den Wiederaufbau, das Rätsel um die Ursache, hat Notre-Dame ganz lange in den Nachrichten gehalten", erklärt Google-Pressesprecherin Hannah Samland. Auf Platz drei folgt die Handball-WM. Obwohl das deutsche Team ohne Medaille nach Hause fahren musste, versetzte die WM die Deutschen offenbar ins Handball-Fieber.

Karl Lagerfeld (2014; rechts) und Greta Thunberg (2019)
Die Umweltaktivistin Greta Thunberg ist die am häufigsten gesuchte Persönlichkeit des Jahres, der Mitte Februar verstorbene Modeschöpfer Karl Lagerfeld der prominenteste Todesfall.

Personen: Greta Thunberg und Karl Lagerfeld

Unter den im Jahr 2019 am häufigsten gesuchten Personen hat die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg den ersten Rang. Die Begründerin der "Fridays for Future"-Bewegung sorgte in diesem Jahr für Schlagzeilen, weil sie unter anderem mit dem Segelboot von Europa zur UNO nach New York segelte und dort eine emotionale, anklagende Rede vor den Politikern hielt. Anfang Dezember 2019 segelte sie erneut über den Atlantik, um an der Weltklimakonferenz in Madrid teilzunehmen. Diese allerdings scheiterte trotz weltweiter Proteste für mehr Klimaschutz am Unvermögen der Regierungsvertreter, sich auf konkrete Maßnahmen zu einigen.

Auch prominente Todesfälle haben 2019 für Aufsehen und verstärkte Suchen gesorgt. An erster Stelle steht dabei der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der am 19. Februar mit 85 Jahren starb – wahrscheinlich an den Folgen seiner Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung. "Gerade der Tod von Karl Lagerfeld hat international und auch hier in Deutschland ganz viele Menschen bewegt und deswegen führt er auch die Liste an", erklärt Samland.

Auf Platz zwei der Abschiede ist die Schauspielerin Lisa Martinek, die ganz unerwartet im Alter von 47 Jahren gestorben ist. "Außerdem sind auch noch Niki Lauda, Costa Cordalis, Rudi Assauer, Hannelore Elsner und Karel Gott von uns gegangen und das hat ganz viele Nutzer in Deutschland beschäftigt", sagt die Google-Pressesprecherin. Weltweit sorgte der überraschende Tod des US-Jungschauspielers Cameron Boyce für besonders hohes Suchinteresse. Der einstige Kinderstar ist im Juli 2019 mit nur 20 Jahren durch einen nächtlichen Krampfanfall gestorben.

Filmplakat Avengers: Endgame, 2019
"Avengers: Endgame" landete auf der Liste der meistgesuchten Filme zwar "nur" auf Platz zwei, aber mit dem besten Einspielergebnis aller Zeiten dürften die Marvel Studios auch zufrieden sein.

Filme: Joker, die Avengers und "Das perfekte Geheimnis"

Eine weitere Kategorie der Top-Suchbegriffe sind Filme. Unter diesen führte in Deutschland der Kinofilm "Joker" die Liste der meistgesuchten Filme an. Auf Platz zwei liegt die Marvel-Superheldenverfilmung "Avengers Endgame". Der vierte Avengers-Film war im Kino so erfolgreich, dass sein Einspielergebnis im Juli 2019 die bisherigen Spitzenreiter "Avatar" und "Titanic" überholte.

"Und ich freue mich, dass bereits auf Platz drei eine deutsche Produktion ist, und zwar die Komödie 'Das perfekte Geheimnis'", sagt Samland. In dieser Komödie geht es um sieben Freunde, die bei einem gemeinsamen Abendessen beschließen, ihre Handys auf den Tisch zu legen und ab sofort alle eintreffenden Nachrichten, Telefonate oder Fotos allen zu zeigen. Wie zu erwarten, führt dies im Laufe des Abends zu einigen peinlichen Enthüllungen und Streits.

Politik: Europawahl, Urheberrecht und Grundrente

Bei den Fragen nach politischen Themen stand 2019 bei den Deutschen die Europawahl ganz vorne. Diese Wahl zum Europaparlament fand im Mai statt und lockte in Deutschland rekordverdächtige 61 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen. Im Ergebnis lag die CDU bei uns vorne, doch dichtauf folgten mit 20,5 Prozent die Grünen – ein absolutes Novum bei einer Europawahl.

An Platz zwei der in Deutschland meistgesuchten politischen Begriffe war 2019 "Artikel 13". Dieser Suchbegriff steht im Zusammenhang mit der umstrittenen Reform des EU-Urheberrechts und besagt, dass künftig Plattformen wie YouTube und Co für Copyrightverletzungen der von ihren Nutzern hochgeladenen Medien haften. Sie müssen laut Vorgabe verhindern, dass ihre Nutzer solche geschützten Inhalte widerrechtlich hochladen – beispielsweise durch Uploadfilter. Der Beschluss dieser Reform führte Anfang des Jahres zu Massenprotesten in Deutschland und anderen europäischen Ländern.

Unter den politischen Suchbegriffen des Jahres waren in Deutschland auch der Anschlag von Halle, die Grundrente und die Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen. Auch "Fridays für Future" liegt in der Kategorie Politik in den Top Ten.

Alle Suchwörter des Jahres für Deutschland und die Welt finden Sie hier.

Google, 30.12.2019
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