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Gertrude Bell – die Königin der Wüste

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Agentin seiner Majestät

Doch die arabischen Stämme auf dem Gebiet des heutigen Irak sind eine bunte Mischung ganz unterschiedlicher religiöser Richtungen und Herkunft – und teilweise zu keinerlei Verhandlungen mit den Briten bereit. Hinzu kommt, dass vor allem Politiker in der damals noch britischen Kolonie Indien strikt gegen eine arabische Unabhängigkeit sind.

Hier kommt Gertrude Bell ins Spiel: An Bord eines Truppentransporters reist sie nach Indien, um mit dem indischen Vizekönig Charles Hardinge zu verhandeln. 1916 begibt sich Bell dann nach Basra im heutigen Irak und berät dort als Landeskundige die britischen Truppen im Kampf gegen die Osmanen. Nachdem die Briten Bagdad eingenommen haben, folgte Bell ihnen. Sie ist mittlerweile in den Rang eines Majors erhoben und hat eine Schlüsselposition im Geheimdienst dieser Region inne. Die Stadt Bagdad wird bis zu ihrem Tode im Jahr 1926 ihre Heimat bleiben.

Foto der Teilnehmer der Cairo Conference von 1921 (Bidausschnitt)
Teilnehmer der Cairo Conference von 1921

In der zweiten Reihe stehend: Gertrude Bell (links) und T. E. Lawrence (rechts), besser bekannt als "Lawrence of Arabia" ; halbrechts sitzend erkennt man Winston Churchill, den damaligen Secretary of State for the Colonies der britischen Regierung.

Die Geburt des Irak

Nach Ende des Krieges wird die Region Mesopotamien unter das britische Mandat gestellt. Weil Gertrude Bell auch bei den Einheimischen als anerkannte Expertin für die Region gilt, trägt sie entscheidend dazu bei, einem neuen Staat in diesem Gebiet Form zu geben – dem Irak. "Ich hatte einen guten Morgen im Büro, wo ich damit beschäftigt war, die südliche Wüstengrenze des Irak herauszufinden", schreibt Bell Ende 1920 in einem Brief an ihren Vater.

Auch bei der Wahl des Haschemiten Faisal ibn Hussein zum ersten König des Irak im Jahr 1921 und der Gründung des Königreichs Irak spielt Bell eine wichtige Rolle. Später schreibt sie: "Ich werde mich nie wieder daran beteiligen, einen König zu machen – es ist einfach zu anstrengend." Nachdem ihr Chef und Förderer Percy Cox 1923 aus dem Mittleren Osten abgezogen wurde, verlässt auch Gertrude Bell die Politik und widmet sich nun primär der Archäologie. In Bagdad gründet sie das bis heute existierende Archäologische Museum. Am 12. Juli 1926 stirbt Bell relativ plötzlich mit 58 Jahren und wird in ihrer Wahlheimat Bagdad begraben.

Filmplaket "Königin der Wüste" mit Hauptdarstellerin Nicole Kidman
Der Film "Königin der Wüste" portraitiert die Archäologin, Forscherin und Geheimagentin Gertrude Bell.

"Königin der Wüste"  - der Film

Am 3. September 2015 kommt der Film "Königin der Wüste" in die deutschen Kinos. In ihm setzt Regie-Legende Werner Herzog Gertrude Bell ein Denkmal. Mit spektakulären Landschaftsaufnahmen, einem bildmalerischen Soundtrack und seinem ganz ureigenen Rhythmus für Drama und Gefühl erzählt Herzog die faszinierende Lebensgeschichte der Frau, die als "weiblicher Lawrence von Arabien" Historie schrieb.

Stark und sensibel zugleich verkörpert Leinwand-Ikone Nicole Kidman die einzigartige Gertrude Bell. An ihrer Seite spielen Hollywood-Multitalent James Franco, Robert Pattinson sowie Damian Lewis.

In den vergangenen Jahren für seine wegweisenden Dokumentarfilme ausgezeichnet kehrt Werner Herzog mit "Königin der Wüste" nun zu seinen epischen Wurzeln zurück. Er erschafft mit diesem Film ein bewegendes Abenteuer- und Liebesdrama über eine der außergewöhnlichsten Frauen der Weltgeschichte und gleichzeitig ein kraftvolles Plädoyer für die Schönheit des Nahen Ostens.

Filmtrailer zu "Königin der Wüste":

NPO, 03.09.2015
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