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Generation Altersarmut

Gibt’s ein Kraut gegen Altersarmut?

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Gründinger: Die solidarische Rentenformel (Die jeweils junge Generation erwirtschaftet die Rente für die Alten, die Red.) ist durch die zahlreichen Rentenreformen in den letzten Jahren demontiert worden. Sinkende Renten sollten durch die staatlich geförderte Riesterrente ausgeglichen werden. Nach zehn Jahren sieht man jetzt aber, dass das nicht so gut funktioniert, wie man sich das vorgestellt hat. Das Vertrauen in die hohen Renditen, die sich auf dem Kapitalmarkt erreichen ließen, hat sich als zu euphorisch erwiesen. Manche, die darauf gesetzt haben, haben praktisch ihre Altersvorsorge teilweise verloren.  Dazu kommt, dass die Riesterrente nichts weiter als ein Verschiebebahnhof ist. Weder die Sparquote noch die Zahl der sparenden Haushalte ist gestiegen. Es haben lediglich die, die vorher schon gespart haben, ihre Anlagen von nicht geförderten in staatlich geförderte umgewidmet. Altersarmut kann damit nicht bekämpft werden.

wissen.de: Wie denn sonst? Ihre Forderung, das Beste aus dem demographischen Wandel zu machen und mehr Generationengerechtigkeit walten lassen, klingt doch recht unrealistisch. Immerhin verstehen Sie darunter, dass sich die Alten mit den Jungen solidarischer zeigen sollen. Doch können die Alten wirklich mehr in ihre Enkelgeneration investieren, wo sie doch selbst immer öfter von Armut betroffen sind?

Gründinger: Also, die heutige Rentnergeneration lebt in goldenen Zeiten – im Vergleich zu dem, was bisher war, und zu dem, was noch kommen wird. In der Gesamtheit sind die Rentner heute ziemlich gut abgesichert. So ist die Anzahl der Älteren, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, deutlich niedriger als die der Kinder oder der Alleinerziehenden, die in Armut leben. Diese sind um ein Mehrfaches stärker belastet als die Älteren. Die Armut hat sich von den Älteren auf die Jüngeren verschoben. Das muss einmal gesagt sein.

Schon in wenigen Jahren wird die Rentnergeneration längst nicht mehr so abgesichert sein wie heute. Vielen wird Altersarmut drohen. Und das liegt auch daran, dass die Löhne im unteren Bereich eher noch weiter sinken statt steigen werden, sowie an dem Trend zu befristeten und schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen, den wir heute schon haben. Die Rechnung vom fiktiven Eckrentner, der 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hat, ist jedenfalls schon längst nicht mehr Realität.

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von wissen.de-Autorin Susanne Böllert
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