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Geld im Eimer?

Ist das Geld bei der Bank noch sicher?

Nachdem einige Banken durch die Hypothekenkrise in fianzielle Schieflage geraten sind, ergibt sich für viele die Frage nach der Sicherheit der eigenen Einlagen.

Die Finanzkrise, von der auch einige europäische Banken betroffen sind, bringt Bilder hervor, die den normalen Kleinanleger verunsichern. Vor der Northern Rock Bank in England stehen die Kunden stundenlang an, um ihre Einlagen aufzulösen und so ihr Geld zu sichern. Den Bankrott dieser Bank schein nur der Eingriff der britischen Notenbank vermieden zu haben. Auch in Deutschland sind einige Banken akut betroffen. Gleichzeitig wird der negative Einfluss der Finanzkrise auf die derzeitige positive Konjunkturentwicklung beschrieben. Aber war diese Entwicklung wirklich nicht abseh- und abwendbar und müssen die Anleger um die Sicherheit ihres mühsam Ersparten wirklich bangen?
Seit längerer Zeit ist der amerikanische Kapitalmarkt ein unsicheres Anlagegebiet. Einerseits wird er durch den Boom auf Immobilien stark belastet, der durch die steigenden Grundstückspreise angetrieben wurde. Hier wurde schon seit geraumer Zeit vor einem Platzen dieser Spekulationsblase gewarnt, da die Erwartungen hinsichtlich der Auslastung der Immobilien und die Nachfrage nach ihnen in absehbarer Zeit befriedigt sein würden. Das Ende war bereits vor Monaten erkennbar. Andererseits kann eine Volkswirtschaft, auch wenn sie so groß und wirtschaftsstark wie die amerikanische ist, nicht dauerhaft über ihre Verhältnisse leben. Der Anteil des Konsums an der Verwendung der inländischen Einkommen überstieg bereits seit Beginn dieses Jahrhunderts die tatsächlich vorhandenen Einkommen. Das bedeutet, ein Teil dieses Konsums, der die positiven Wachstumsraten begründetet, war in den letzten Jahren auf Kredit finanziert. Das diese Kredite irgendwann einmal zurückgezahlt werden mussten, versteht sich von selbst. Auch das hat die ständig steigende Nachfrage nach Kapital vorangetrieben. Ein Großteil der jetzt geplatzten Hypothekenkredite diente dem Konsum und nicht der Schaffung von Einkommen. Wenn man zusätzlich bedenkt, wie restriktiv deutsche Banken bei der Vergabe von Krediten auch gegenüber Unternehmern sind, ist es umso erstaunlicher, dass amerikanische Banker Kredite ohne Prüfung der Einkommensverhältnisse vergeben haben. Da Kredite bekanntlich für eine Bank mit höheren Zinsen verbunden sind als Einlagen - so sie denn zurückgezahlt werden - erschien das offensichtlich als lukratives Geschäft für die Banker. Zumal diese Kredite an andere Banken und Fondgesellschaften weiter verkauft wurden, um Kapital zu beschaffen. Wenn wundert es da eigentlich wirklich, dass es zum Crash gekommen ist? Das Haushalte mit geringem Einkommen ihre Tilgung irgendwann nicht mehr leisten können, ist doch ziemlich wahrscheinlich, oder? Was eher verwunderlich dabei ist, ist dass es vergleichsweise lange gut lief.
Die Einlagen der heimischen Anleger sind nur dann von diesen Problemen betroffen, wenn sie entweder extrem risikoreich angelegt haben und sich von den Zinsversprechen der Hypothekenbanken ködern ließen, die ihre Kreditnehmer mit Kapital versorgt sehen wollten, um die hohen Kreditzinsen einzustreichen. Aber jeder, der sich mit Anlageformen befasst, kennt den Zusammenhang zwischen dem Risiko einer Anlageform und dem Zinssatz, den er für seine Anlage bekommt. Und diejenigen, die nur wenig Einkommen haben, das sie zur Seite legen können, beschäftigen sich in der Regel nicht mit diesen riskanten Anlageformen, bei denen sie nicht frei über ihr Geld verfügen können. Außerdem sind die Einlagen bei deutschen Banken und teilweise auch im Euroraum durch Sicherungsfonds abgesichert. Damit ist der Spargroschen den Kleinanleger bis 20.000 € gegen Zahlungsunfähigkeiten der Banken abgesichert.
Das Beispiel der amerikanischen Finanzmarktkrise zeigt allerdings wieder einmal exemplarisch, dass das Gewinnstreben der Banken über den dort eigentlich vorhandenen wirtschaftlichen Sachverstand der Manager hinaus geht. Zum Glück geht es diesmal nicht auf Kosten der Kleinanleger.

 

von Wieland, Werder (Havel)
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