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Führt Aberglaube wirklich zum Erfolg?

Sie finden Aberglauben albern? Belächeln Menschen, die abergläubische Riten ausführen oder Glücksbringer bei sich tragen? Viele Menschen teilen sicherlich Ihre Auffassung – doch eine Reihe von Wissenschaftlern sieht das anders. Neue Studien verdeutlichen nämlich den Nutzen, den Aberglauben im täglichen Leben haben kann und zahlreiche Beispiele deuten darauf hin, dass er zum Erfolg führt.

Vierblättriges Kleeblatt
Nur etwa eines von 10.000 Kleeblättern ist vierblättrig.
Als eingefleischter Sportfan sieht sich Sozialpsychologin Lysann Damisch von der Universität Köln regelmäßig Sportereignisse an und liest auch viel zum Thema. Über die Jahre fiel ihr jedoch dabei etwas auf – viele Sportler sind ausgesprochen abergläubisch. Das betrifft sowohl Spitzensportler als auch diejenigen, die in ihrer Karriere noch nicht so weit fortgeschritten sind. Als Sozialpsychologin begann sich Damisch Fragen zu stellen und forschte nach.

Aberglaube in den verschiedensten Bereichen des Lebens

Aberglauben ist bei Sportlern besonders stark vertreten und es gibt zahlreiche Beispiele. So trägt Tiger Woods an Turniersonntagen stets ein rotes Hemd, da seine Mutter die Farbe Rot als seine Glücksfarbe bezeichnet. Rafael Nadal platziert seine Wasserflaschen bei einem Match immer so, dass sie nebeneinanderstehen und ihre Etiketten auf die Seite des Spielfeldes blicken, auf der er gerade spielt. Serena Williams zieht zu den Spielen eines Turniers immer wieder dieselben Socken an. Eishockeyteams lassen sich während einer Meisterschaft Bärte wachsen und rasieren sich erst, wenn sie die Meisterschaft entweder gewonnen oder verloren haben. Und Jan Ullrich bekreuzigte sich vor jedem Rennen – nicht, weil er gläubig ist, sondern damit es Glück bringt.

Nicht nur beim Sport ist der Aberglaube stark vertreten. Dass sich auch Glücksspieler darauf verlassen, ist sicher nachvollziehbar. Hier gibt es wieder zahlreiche Beispiele. Der Pokerspieler Robert Turner, der bereits eine Trophäe bei der Pokerweltmeisterschaft gewonnen hat, glaubt fest daran, dass eine Spende für wohltätige Zwecke ihm dabei hilft, zu siegen. Für Pius Heinz ist es ein Kleidungsstück – sein weißer Kapuzenpullover –, das ihm beim Pokerspiel hilft. Das Online Casino 32Red beschreibt einen Aberglauben bei Spielern in Indien, die sich an bestimmten Tagen nicht Rasieren, zum Friseur gehen und sich sogar die Nägel nicht schneiden. Es gibt viele derartige landestypische Riten, die oft mit der Kleidung zu tun haben. 32Red beschreibt weiter, dass in China die Farbe Rot als Glücksfarbe gelte und bis auf die Unterwäsche viele rote Kleidungsstücke in den Spielhallen getragen werden. Auch viele andere Casinos wie das RightCasino oder VegasMaster berichten über skurrile Angewohnheiten ihrer Gäste. Manche Casino-Hotels in Las Vegas bewahren sogar die Glücksbringer ihrer Gäste bis zu ihrem nächsten Besuch auf.

Man würde es vielleicht nicht vermuten, aber sogar unter Ärzten ist der Aberglaube weit verbreitet. Hier dreht sich alles um das Vermeiden von Katastrophen. Besonders die Angestellten einer Intensivstation halten daher am Aberglauben fest. Von Glücks-Stethoskopen bis hin zu Glückssocken helfen, das Unglück abzuwenden, meinen Ärzte und Krankenschwestern. Auch vom Aberglauben geprägt sind einige alternativen Heilmethoden, die in Deutschland angeboten werden.

Es gibt noch viele ähnliche Beispiele und teilweise sehr ausgeprägte Formen des Aberglaubens.

Studien zum Thema

Was steckt also dahinter? Lysann Damisch bildete ein Team und versuchte das, zusammen mit ihren Kollegen Barbara Stoberock und Thomas Musseiler, herauszufinden. Getestet wurde der Aberglaube unter anderem bei einer Gruppe von Studenten, die einen Golf-Abschlag ausführen sollten. Vor dem Abschlag wurde der Hälfte von ihnen erzählt, dass der Ball ein Besonderer sei und Glück bringen würde. Und tatsächlich war diese Gruppe erfolgreicher als die andere: Sie lochten sechs von zehn Bällen ein, wobei die andere Gruppe nur weniger als die Hälfte der Bälle einlochen konnte. Ein Erfolg, der also für den Aberglauben spricht.

Lysann Damisch und ihr Team führten dann ein weiteres Experiment durch. Sie baten Studenten einen Gedächtnistest zu absolvieren. Davor sollten diese noch einen Fragebogen ausfüllen, bei dem sie ihr Selbstbewusstsein einschätzten. Die Hälfte wurde gebeten, einen persönlichen Glücksbringer zum Test mitzubringen. Die andere Hälfte wurde nicht darauf angesprochen. Auch hier fiel die Studie zugunsten des Nutzens des Aberglaubens aus: Nicht nur zeigte der Fragebogen, dass die Studenten, die einen Glücksbringer bei sich trugen, selbstbewusster waren, sie schnitten beim Gedächtnistest auch besser ab als die anderen.

Welchen Sinn hat der Aberglaube?

So unangenehm der Gedanke an abergläubische Ärzte auch sein mag, so kann dies durchaus seine Vorteile haben. Beispielsweise waschen sich manche Ärzte auf fast neurotische Art und Weise die Hände oder begutachten jeden Aspekt einer Diagnose im Detail. Beim Aberglauben geht es oft um die Kontrolle einer Situation und womöglich kann Aberglauben dazu führen, dass sich Ärzte in bestimmten Situationen selbstsicherer fühlen.

Hilfreich ist der Aberglaube für Glücksspieler besonders bei Spielen, bei denen sich die Spieler nicht nur auf das reine Glück verlassen, sondern bei denen Strategie auch eine Rolle spielt. Ein Pokerspieler, der ruhig und gelassen ist, hat eine viel höhere Chance ein Spiel zu gewinnen als ein Spieler, der seine innere Anspannung nicht beruhigen kann. Das gesteigerte Selbstbewusstsein kann hier den Vorteil haben, dass weniger Fehler gemacht werden. Beim Poker gelingt ein Bluff mit mehr Selbstbewusstsein leichter. Strategien werden nicht hektisch, sondern überlegt und ruhiger ausgeführt. Außerdem steckt hinter abergläubischen Riten oft ein tieferer Sinn. So gibt es bei Glücksspielern das Ritual des Händewaschens (wie es auch bei Ärzten der Fall ist). Hier bietet der Gang zur Toilette dem Spieler allerdings eine Pause, durch die er Konzentration sammeln kann.

Sportpsychologen erkennen den Wert im Aberglauben

Auch für den Sinn im Aberglauben spricht, dass viele Sportpsychologen ihn befürworten. Die Website Psychological Science besteht sogar darauf, dass der Aberglaube ein notwendiger Teil einer Vorbereitung auf ein Sportereignis sein kann. Durch die Rituale könnten Sportler ihre Emotionen besser im Griff behalten, meint Gregg Steinberg von der Austin Peay State University. Angst und Unruhe beeinflussen ihr Verhalten so weniger.

Welche Schlüsse man daraus ziehen kann

Es ist also häufig der Fall, dass Aberglaube zu einer Steigerung des Selbstbewusstseins oder auch der Konzentration führt. Sportpsychologen sehen in ihm sicher nicht grundlos einen Nutzen. Er kann in vielen verschiedenen Bereichen des Lebens nützlich sein, denn Aberglauben beruhigt die Nerven.

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