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Festung Breslau

Schlesien, die bevölkerungsreichste deutsche Ostprovinz, war genauso bedroht wie Ostpreußen, wäre aber aufgrund der Rückenfreiheit leichter zu evakuieren gewesen. Doch auch hier ließ Gauleiter Hanke die Gelegenheit dazu verstreichen und setzte seit Dezember 1944 auf Ausbau der bis dahin fast unzerstörten Hauptstadt Breslau zur Festung, an der sich „die rote Flut“ brechen sollte.

Dafür brauchte er alle Arbeitskräfte, weswegen auch Frauen und Kinder nicht ausreisen durften. Erst als sich am 17.1.1945 bereits Geschützdonner von der nahenden Front vernehmen ließ, ordnete er die Räumung der wegen der vielen Flüchtlinge auf über eine Million Einwohner angewachsenen Stadt an. Hals über Kopf mussten sich nun zunächst alle Flüchtlinge bei zwanzig und mehr Minusgraden auf den Weg machen. Es folgten die Frauen und Kinder wenige Tage später; der Treck ging als „Todesmarsch der Breslauer Mütter“ in die Annalen ein, denn ein Großteil der abwandernden Frauen fiel Hunger und Frost zum Opfer, womit ihre Kinder oft ebenfalls dem Tod preisgegeben waren.

Die Überlebenden erreichten nach entsetzlichen Entbehrungen Orte in Sachsen; besonders viele suchten in Dresden Unterkunft. Nur wenige Tage konnten sie sich in der schönen Stadt geborgen fühlen, dann holte sie der Krieg auch hier ein: Am 13./14.2.1945 starben unzählige von ihnen gemeinsam mit den Dresdenern beim einem der verheerendsten Luftangriffe der bisherigen Kriegsgeschichte.

Ihre Heimat Breslau war seit demselben Tag endgültig von der Roten Armee eingeschlossen, und noch immer dachte der Gauleiter nicht daran, den gänzlich sinnlos gewordenen Widerstand aufzugeben. Im Gegenteil: Wer die Übergabe der Stadt öffentlich befürwortete, musste mit dem Todesurteil rechnen. Nach und nach verwandelte sich die Perle Schlesiens in den nächsten Wochen in einen Trümmerhaufen, woran die Verteidiger fast mehr Anteil hatten als die Belagerer. Ganze Straßenzüge ließ Hanke sprengen zur Verbesserung des Schussfeldes oder zur Schaffung von Behelfspisten für Flieger. Bis in die ersten Maitage tobten die Häuserkämpfe, dann war das letzte Pulver verschossen.

Am 6.5.1945 fiel Breslau; Gauleiter Hanke setzte sich per Flugzeug ab, geriet aber bei einer Landung in die Hände tschechischer Partisanen, die ihn bei einem - angeblichen? - Fluchtversuch erschossen.

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