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Faszination des Leidens

Warum uns der Krieg der Bilder in seinen Bann zieht

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Heute wird das Leid der Menschen ganz nah herangezoomt. Moderne Kommunikationstechnologien und die Medienpolitik der USA, Berichterstatter direkt in militärische Einheiten „einzubetten“ machen es möglich: Rund um die Uhr empfangen wir in unseren Wohnzimmern „Live-Streams“ von Toten, Tränen und Traumata.

Medienforscher bezweifeln jedoch, dass die Unmittelbarkeit und Fülle der Schreckensbilder zu einem besseren Verständnis des Kriegsgeschehens führen. Für Virilio hat die simultane Abbildung einer Katastrophe nichts mit Information zu tun. „Je intensiver gesendet wird, um so weniger weiß man im allgemeinen," betonte der Kulturkritiker in einem Interview mit der FAZ anlässlich der Terroranschläge vom 11. September.
Christian Hörburger vom Verein für Friedenspädagogik verurteilt in seinem „Fernsehalphabet“ Medienberichte, die nur auf kurzfristige Emotionen abzielen: „Kriegsbilder laden immer wieder zum Voyeurismus ein. Ohne Hintergrund von Einzelschicksalen und geschichtlichen Zusammenhängen bleiben sie 'schrecklich und dienen lediglich als Nachricht mit verstecktem Unterhaltungswert.“

Furcht und Mitleid

Den Vorwurf des Voyeurismus müssen sich die Medien immer wieder gefallen lassen. Medienskandale wie die Gladbecker Geiselaffäre oder die Reality-Soap Big Brother bereiteten den Boden für ein immer ungenierteres Vorstoßen in Tabuzonen der menschlichen Intimsphäre. Es scheint als hätten sich die Medien der sportlichen Devise „höher, schneller, weiter“ verschrieben. Menschen werden gegen Kopfgeld gejagt, Liebespärchen mit Handschellen aneinandergefesselt, Wildfremde wochenlang auf einer einsamen Insel ausgesetzt. Die Skandale und Sensationen werden immer ausgefallener, die Gefühle immer extremer.

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Monika Wittmann
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