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Endlich frei!

Haftentlassung Mandelas ist der Anfang vom Ende der Apartheid

Ein großer Tag nicht nur in Kapstadt: Nach über 27 Jahren Haft wird der südafrikanische Bürgerrechtler Nelson Mandela am 11. Februar 1990 freigelassen und von Zehntausenden Anhängern der Befreiungsbewegung "African National Congress" (ANC) jubelnd empfangen. Dank dieser Entwicklung können nun endlich jene Verhandlungen beginnen, die zum Ende der Apartheid führen sollen.

Apartheid in Südafrika

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Nelson Mandela, Führer des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), und seine Frau Winnie winken ihren Anhängern nach dem Verlassen des Viktor Verstor Gefängnisses zu
Der Reformprozess in Südafrika wurde bereits wenige Wochen nach der Amtseinführung von Präsident Frederik Willem de Klerk eingeläutet, als dieser im Oktober 1989 acht prominente Gefangene aus der Haft entließ. Bei der Eröffnung der Parlamentsitzung am 2. Februar 1990 hob de Klerk das Verbot des ANC sowie weiterer Organisationen auf. Noch unter de Klerks Vorgänger, dem im August 1989 zurückgetretenen Pieter W. Botha, hatte die Regierung starr am international geächteten Prinzip der Rassentrennung festgehalten. Sie ermöglichte die Herrschaft von 5,1 Mio. Weißen über 29,8 Mio. Schwarze.

Dass der neue Präsident sich so schnell dazu entschließen konnte, die bisherige Politik zu revidieren, hatte mehrere Ursachen. International wirkte sich das Ende des Ost-West-Konflikts aus: Die ideologische Differenzen zwischen Sozialismus und Kapitalismus, die lange eine Annäherung zwischen den weißen Machthabern und der Anti-Apartheid-Opposition verhindert hatten, verloren an Bedeutung. Zudem wirkten sich die Sanktionen der internationalen Gemeinschaft aus. Südafrika war kaum in der Lage, seinen Kreditverpflichtungen nachzukommen, und litt unter einer Wirtschaftskrise, die auch weiße Südafrikaner bedrohte. Schließlich wurden selbst für die Unternehmen die Nachteile der Apartheid immer offensichtlicher. So grenzte das Bildungssystem nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung aus: Noch 1990 geht von den 14 Mio. schulpflichtigen Kindern des Landes gerade jedes zweite auf eine Lehranstalt. Ohne ausreichende Bildung aber könnte die anvisierte Industrialisierung scheitern, die auf zahlreiche Fachkräfte angewiesen ist. Vertreter der Wirtschaft verhandelten deshalb unter Umgehung der Regierung schon seit längerem mit dem ANC.

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ANC Präsident Nelson Mandela 1994 bei der Stimmabgabe zur Wahl des südafrikanischen Präsidenten
Noch 1990 werden erhebliche Fortschritte bei der Demokratisierung Südafrikas erzielt: Der Ausnahmezustand wird aufgehoben und die Entlassung von 3000 politischen Gefangenen angekündigt; zudem ist ein Ende der drastischen Sicherheitsbestimmungen in Sicht. Alle etwa 22 000 im Exil lebenden Südafrikaner sollen zurückkehren können. Im Gegenzug beendet der ANC den bewaffneten Kampf gegen die weiße Regierung. - Kurz nach seiner Freilassung am 11. Februar hält Nelson Mandela auf dem Rathausbalkon in Kapstadt seine mit Spannung erwartete erste Rede und sagt dabei: "Es gibt keine Umkehr auf dem Weg zur Freiheit, und wir dürfen der Angst keinen Raum lassen."
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Chronik Jahresband 1990/ wissen.de-Redaktion
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