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Einfache Lösungen für komplexe Probleme?

Sie liefern scheinbar einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen: Populisten, Meinungsbildner, selbst ernannte Volksvertreter - überall scheinen sie sich zu tummeln. Aber woher kommt der Begriff Populismus eigentlich, und was verbirgt sich dahinter? Welche Ängste und Stimmungen machen sich Populisten zunutze? Und warum sind Populisten eigentlich so problematisch für die Demokratie? Wir zeigen, was es mit dem Populismus auf sich hat.

Symbolbild Demonstration
Wir gegen die da oben, die da unten und die da draußen – Stimmungsmache gegen Feindbilder ist eines der wichtigsten Stilmittel des Populismus.

Der Begriff Populismus ist abgeleitet vom lateinischen Wort "Populus", auf Deutsch "Volk". Es bezeichnet eine politische Taktik, die sich daran orientiert, was das Volk gerade möchte - was also beim Volk "populär" ist.

Populisten nutzen aktuelle Meinungstrends und präsentieren sich als Volksvertreter. Dabei wird oft in Gut und Böse gedacht - also "der Wille des Volkes" gegen "die Anderen", den Feind, die Elite. Das Versprechen von Populisten ist es, endlich den Willen des ungehörten Volkes durchzusetzen. Sie stilisieren sich also gewissermaßen zum Retter des Volkes.

Populisten gehören nicht zwingend einer bestimmten politischen Richtung an - also etwa Rechtspopulisten oder Linkspopulisten. Der Begriff Populismus sagt lediglich aus, dass jemand mit populistischen Strategien vorgeht.

Einfache Lösungen für komplexe Probleme

Charakteristisch für Populisten ist es, dass sie einfache Lösungen für komplexe Probleme bieten. Sie haben eigentlich nur zwei Optionen im Angebot: Entweder ihr wählt uns, die Problemlöser, oder die Anderen, die unsere Probleme seit Jahren nicht in den Griff bekommen.

Dabei verschleiern Populisten oft sehr gekonnt, wie komplex gesellschaftliche oder politische Probleme sind. Sie lassen vielschichtige Zusammenhänge bewusst außen vor und konzentrieren sich in ihrer Rhetorik auf einfache Lösungsansätze.

Natürlich lassen sich die meisten Probleme nicht so einfach lösen. Gerade in Zeiten der Unsicherheit, oder wenn in der Bevölkerung Unmut gegenüber den Regierungsparteien auftritt, greifen viele Menschen aber gern nach einer scheinbar einfachen Lösung.

Populismus und Demokratie - ein schwieriges Verhältnis

Der Populismus birgt jedoch massive Gefahren, die für eine Demokratie gefährlich werden können. Da komplexe Zusammenhänge meist verschleiert werden, enthalten populistische Aussagen oft irreführende Versprechen, die weder der Realität entsprechen noch sich in der Realität umsetzen lassen.

Auch das Gut-Böse-Denken, die Unterteilung in das geknechtete Volk und die reiche Elite, kann zu Spannungen in der Gesellschaft führen. Menschen werden ausgegrenzt, es entstehen Feindbilder und eine Abwehrhaltung gegenüber Andersdenkenden.

Charakteristisch für Populismus ist zudem, dass unterschiedliche Meinungen nicht toleriert werden. Doch gerade auf der Meinungsvielfalt und dem Recht, seine Meinung frei zu äußern – auf die sich Populisten selbst berufen – basiert unsere Demokratie. Dadurch besteht bei stark populistischen Tendenzen die Gefahr, dass die demokratische Grundordnung unterwandert wird.

Gut informiert gegen populistische Meinungen

Populismus basiert auf vereinfachten Parolen und Schwarz-Weiß-Denken. Wer sich gründlich informiert und populistische Aussagen überprüft, kann falsche Versprechen schnell entlarven. Wichtig ist es hier, immer wieder nachzuhaken und Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. So wird aus dem Gut-Böse-Denken ein differenzierter Meinungsaustausch, der alle Aspekte eines Problems betrachtet.

Redaktion wissen.de, 13.07.2020
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