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E-Roller im Test: Welches Modell überzeugt?

E-Mobilität liegt im Trend: Das gilt nicht nur für Autos, sondern auch für Motorroller. Doch wie gut sind die unterschiedlichen Modelle? Der ADAC hat nun sieben E-Scooter genauer unter die Lupe genommen. Aus dem Test gingen die beiden teuersten Kandidaten von Piaggio und Govecs zwar als klare Sieger hervor. Doch brauchbare und zufriedenstellende Scooter sind auch für deutlich kleineres Geld zu haben, wie die Ergebnisse zeigen.

Elektromotorroller
Motorroller mit elektrischem Antrieb haben gerade im Stadtverkehr viele Vorteile.

Sie sind klein, wendig, leise und emissionsfrei: Motorroller mit elektrischem Antrieb haben gerade für den Stadtverkehr viele Vorteile. Kein Wunder also, dass sie sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Nicht nur das Geschäft mit Verleih-Scootern boomt in größeren Städten. Es werden auch immer mehr dieser Flitzer an Privatkunden verkauft. Allein im vergangenen Jahr legte der Verkauf in diesem Bereich europaweit um gut 50 Prozent zu, wie der ADAC berichtet.

Für den Automobilclub war dies Grund genug, einige E-Roller genauer unter die Lupe zu nehmen. Was taugen die zurzeit im Handel erhältlichen Scooter in der Praxis? Für den Test untersuchten die Experten sieben Modelle der Führerscheinklasse AM - das heißt Kleinkrafträder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h, die mit dem normalen Autoführerschein gefahren werden dürfen.

Vespa und Schwalbe: Teure Testsieger

Gegeneinander antreten mussten dabei die Scooter-Ikone Vespa von Piaggio in der Version "Elettrica", die "Schwalbe" von Govecs sowie Modelle der aufstrebenden Marken Niu, Torrot, Vässla, unu und Kumpan. Im Test wurden die Roller zu Preisen zwischen 2.299 und 6.390 Euro in den Kategorien Alltagstauglichkeit, Ladedauer, Ergonomie, Antrieb und Fahreigenschaften auf die Probe gestellt.

Die gute Nachricht vorab: Wirklich schlecht ist laut ADAC keiner - voll überzeugen konnte allerdings auch kein Testkandidat. Am besten schnitten mit der Gesamtnote "gut" die Modelle von Govecs (Note 2,3) und Piaggio (Note 2,4) ab. Sie überzeugen unter anderem mit starken Motoren und guten Fahreigenschaften, sind mit einem Preis von mehr als 5.000 Euro aber auch sehr teuer.

Infografik zur Ladedauer und Strommenge der getesteten Fahrzeuge
Ladedauer und Strommenge im Vergleich

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis beim Niu

Ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bietet den Testergebnissen zufolge der aus China stammende Niu N1 S (Note 3,1): Für weniger als 3.000 Euro bekommen Verbraucher mit diesem Modell einen modern designten Scooter mit einer soliden Reichweite. Praktisch auch: Anders als bei Vespa und "Schwalbe" lassen sich die Akkus beim Niu zum Laden herausnehmen - und können bequem in der Wohnung Strom tanken.

Nicht überzeugen konnten bei diesem Modell allerdings die recht lange Ladedauer von achteinhalb Stunden sowie die Bremsleistung. Der Niu steht bei Tempo 40 erst nach 9,5 Metern und braucht zum Bremsen eine Fahrlänge mehr als die "Schwalbe". Damit hat er die schlechteste Bremswirkung unter allen Testkandidaten.

Kumpan verliert durch schlechte Scheinwerfer

Die anderen Modelle erreichen mit etwas schlechteren Gesamtergebnissen als der Niu ebenfalls eine zufriedenstellende Bewertung. Die einzige Ausnahme bildet der Kumpan 1954 Ri. Mit einer Note von 4,1 ist dieser Rolle der einzige mit einem nur ausreichenden Testergebnis. Der E-Scooter verfügt zwar über ein gutes Fahrwerk, ist trotz seiner Größe erstaunlich leicht und kann in Sachen Ergonomie besonders punkten. Bei einem Kriterium aber fällt der Roller durch: Er hat sehr schlechte Scheinwerfer, die Fahrten in der Dunkelheit gefährlich machen.

"Das schlechte Abschneiden beim sicherheitsrelevanten Testkriterium Fahrzeugbeleuchtung hat dazu geführt, dass der Roller abgewertet wurde", erklärt der ADAC. "Das ist insofern tragisch, als der in Deutschland entwickelte Roller das Zeug gehabt hätte, ganz weit nach vorn zu fahren. Man sieht dem Roller an vielen Details an, dass sich die Entwickler große Mühe gegeben haben."

Infografik zu Reichweite und Verbrauch
Reichweite und Verbrauch

Überlegungen vor dem Kauf

Für Interessierte können die Testergebnisse eine wertvolle Hilfe bei der Kaufentscheidung sein. Wer überlegt, sich einen E-Roller anzuschaffen, sollte darüber hinaus aber auch überlegen, welche Anforderungen das Fahrzeug im Alltag erfüllen muss: Welche Strecken fallen an? Gibt es Ladesäulen vor der Haustür oder müssen die Akkus möglicherweise in der Wohnung aufgeladen werden? Das geht nur, wenn sie nicht fest verbaut sind.

Wichtig vor dem Kauf ist zudem eine Probefahrt, wie der ADAC betont: "Die Roller fallen unterschiedlich groß aus; wer lange Beine hat, behindert womöglich mit seinen Knien den Lenkeinschlag. Bei großen Rollern wiederum kommen kleinere Menschen nicht mit beiden Füßen auf den Boden."

Bereits vor dem Kauf sollten Interessierte außerdem auf den Reparaturservice des Herstellers achten. So haben viele Hersteller neuer E-Roller - wenn überhaupt - nur in größeren Städten Servicepartner. Kleinere Reparaturen können geschickte Rollerfahrer zwar gegebenenfalls selbst durchführen. In diesem Fall ist aber eine ausführliche und leicht verständliche Bedienungsanleitung unerlässlich.

ADAC / DAL, 02.07.2019
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