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E-Autos im Faktencheck

Sie sind leise, stinken nicht und stoßen keine klimaschädlichen Abgase aus: Für die einen sind Elektroautos ökologisch notwendig, andere verknüpfen mit den Stromern dagegen vor allem Probleme. Doch wie umweltfreundlich, alltagstauglich und sicher sind die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge wirklich? Antworten auf die acht wichtigsten Fragen.

Elektroautos
Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

1. Sind Elektroautos emissionsfrei?

Elektroautos gelten als umweltfreundlich, weil sie im Gegensatz zum Verbrennungsmotor keine direkten Emissionen erzeugen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Bei der Produktion des Stroms, der diese Fahrzeuge antreibt, entstehen nämlich sehr wohl CO2-Emissionen und Schadstoffe. Auch die Herstellung der Stromer ist alles andere als emissionsfrei.

Tatsächlich haben Elektroautos sogar einen "CO2-Rucksack", der deutlich größer ist als der von Autos mit Verbrennungsmotor. Grund dafür ist die energieaufwändige Produktion der Batteriezellen. Im Fahrbetrieb baut das Elektroauto diesen Rucksack nach und nach ab - je "grüner" der Betriebsstrom und je höher die Fahrleistung, desto schneller.

Traktionsbatterie ines BMW i3
Bei der Herstellung von Akkus und der Förderung der dafür benötigten Rohstoffe wird CO2 freigesetzt – eine Hypothek, die erst nach längerer Betriebszeit abgetragen ist.

2. Wie weit kommt man mit den Stromern?

Die tatsächliche Reichweite von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig: Neben dem Betrieb elektrischer Verbraucher wie Fahrlicht und Klimaanlage spielen vor allem die Außentemperatur und das individuelle Fahrverhalten eine Rolle. Grundsätzlich zeichnet sich jedoch ab, dass Elektroautos längst nicht mehr nur für den Stadtverkehr geeignet sind.

So kommen laut ADAC immer mehr Stromer mit realen Reichweiten von 300 bis 400 Kilometern auf den Markt und gleichzeitig wächst das Schnellladenetz. Dies führt dazu, dass auch längere Strecken immer besser mit E-Autos zurückgelegt werden können.

3. Gibt es genügend Ladesäulen?

Hinsichtlich der Verfügbarkeit von Ladesäulen gibt es in Deutschland viele Bedenken - und das nicht zu Unrecht, wie ein ADAC-Test zur Ladeinfrastruktur zeigt. Denn sind Tankstellen heutzutage leicht auffindbar und unkompliziert in Sachen Bedienung und Bezahlung, ist der Vorbereitungs- und Planungsaufwand für die Nutzung öffentlicher Ladesäulen eher ungewohnt und aufwändig.

Zwar wurden in den letzten Jahren hohe Summen investiert, sodass es inzwischen ein sowohl in der Stadt als auch auf dem Land ausgebautes Ladenetz gibt. Mit der wachsenden Zahl von Elektroautos muss die derzeitige Infrastruktur jedoch auf jeden Fall erweitert werden, damit keine Engpässe entstehen.

E-Auto an Ladesäule
Eine unzureichende Lade-Infrastruktur gilt als ein Haupthindernis beim Ausbau der Elektromobilität.

4. Droht eine Überlastung der Stromnetze?

Wo viele Autos am Netz hängen, verändert sich der Stromverbrauch - doch was bedeutet der Trend hin zum Elektroauto konkret für unsere Stromnetze? Kann es womöglich sogar zu Überlastungen kommen? Experten geben in diesem Zusammenhang Entwarnung. Sie prognostizieren: Basierend auf der aktuellen Situation des Strommarktes in Deutschland sind mittelfristig keine größeren Probleme zu erwarten.

So bedeuten zehn Millionen E-Autos einen zusätzlichen Strombedarf von lediglich 5,6 Prozent. Außerdem könnte der durch die Elektromobilität entstehende Mehrbedarf durch Effizienzsteigerungen und Energieeinsparungen in anderen Bereichen kompensiert werden.

Fakt ist aber auch, dass die Gefahr der lokalen Netzüberlastung mit der Anzahl an Elektrofahrzeugen steigt. Aus diesem Grund wurde für heimische Ladestationen bis 11 kW eine Meldepflicht, darüber eine Genehmigungspflicht eingeführt. Auf Basis dieser Informationen können die Betreiber das Netz gezielt stärken, ausbauen und gegebenenfalls auf sogenannte Smart Grids setzen. In solchen intelligenten Stromnetzen steuert eine Software die Energieversorgung - und könnte die Ladevorgänge zum Beispiel flexibel über die Nachstunden verteilen.

Tantalmine in der Demokratischen Republik Kongo
Die Rohstoffgewinnung für das Hightech-Produkt Elektroautos ist oft alles andere als Hightech - und mit Ausbeutung und Umweltverschmutzung verbunden.
5. Gibt es genügend Rohstoffe?

Für den Bau von Elektroautos werden Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Nickel, Grafit und Platin benötigt. Nach Angaben des Öko-Instituts übertreffen die Vorkommen dieser Rohstoffe den Bedarf allerdings deutlich. Engpässe könnte es demnach nur geben, wenn die Förderstätten dazu nicht rechtzeitig erschlossen werden.

Weitaus problematischer sind mit der Förderung verbundene Umweltfolgen und soziale Faktoren. Zu nennen sind unter anderem ein oft hoher Energiebedarf, das eventuelle Entstehen saurer Grubenwässer, Konflikte um begrenzte Wasservorkommen sowie nicht vertretbare Arbeitsbedingungen in den Minen. Ein trauriges Beispiel hierfür ist die Kinderarbeit bei der Kobaltförderung im Kongo.

6. Wie haltbar sind die Akkus?

Viele Menschen haben die Erfahrung gemacht, dass Akkus in Elektrogeräten mitunter schon nach relativ kurzer Zeit an Leistungsfähigkeit einbüßen. Wie zuverlässig sind die E-Auto-Batterien in dieser Hinsicht? Das wollte auch der ADAC wissen und hat seit 2012 unterschiedliche Fahrzeuge der ersten Elektroautogeneration einem langjährigen Dauertest unterzogen.

Das Fazit: Die Fahrzeuge und die Batterien halten das, was sie versprechen. Demnach blieb der Verlust an Speicherkapazität bisher im normalen Rahmen und auch innerhalb der Grenzen der Garantiezeiträume. Die Hersteller gewähren auf die Batterie in der Regel Garantien von bis zu acht Jahren bei Laufleistungen von mindestens 100.000 Kilometern.

7. Wohin mit kaputten Antriebsbatterien?

Doch was tun, wenn der Akku irgendwann doch den Geist aufgibt? Batterien von Elektroautos sind Sondermüll. Laut geltendem Gesetz müssen Hersteller und Händler die kaputten Energiespeicher zurücknehmen und wiederverwerten.

Technologisch gesehen sind Recyclingverfahren für Lithium-Ionen-Akkus bereits heute verfügbar. Dadurch können aus Antriebsbatterien bis zu 95 Prozent der relevanten Funktionsmaterialen Kobalt, Nickel, Lithium und Kupfer zurückgewonnen werden. Batterien, die für ihren Einsatz im Fahrzeug nicht mehr leistungsfähig genug sind, können in ihrem "second life" noch viele Jahre als stationäre Stromspeicher verwendet werden.

8. Wie hoch ist die Brandgefahr?

Je mehr Elektroautos auf den Straßen fahren, desto intensiver wird auch über mögliche Sicherheitsrisiken diskutiert. Stimmt es zum Beispiel, dass die Batterie leicht in Flammen aufgeht? Im normalen Betrieb können Elektroautos als sicher angesehen werden. Kritisch wird es laut ADAC theoretisch, wenn die Schutzmechanismen für die Batterie beeinträchtigt sind - etwa durch die mechanische Verformung infolge eines schweren Unfalles.

Dann könnten einzelne Zellen durch innere Schäden überhitzen und die Antriebsbatterie infolgedessen Feuer fangen. Dieses Risiko ist aber vergleichsweise gering, da sich das Hochvoltsystem abschaltet, wenn bei einem Unfall der Airbag auslöst.

DAL, 06.06.2019
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