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Die Verteilung der radioaktiven Strahlung nach dem Super-Gau

Tschernobyl und die weltweiten Folgen

Der Fallout nach Tschernobyl hat in den einzelnen Ländern zu einer sehr unterschiedlichen Strahlenbelastung geführt, insgesamt wurde eine Fläche von 200.000 Quadratkilometern verseucht. Starker Regen sorgte in Deutschland dafür, dass sich die Radionuklide besonders über dem Süden Deutschlands auswuschen. Mit Auswirkungen bis heute.

Wolken mit radioaktiver Strahlung

In den ersten zehn Tagen nach der Explosion in Tschernobyl fand die größte Freisetzung radioaktiver Stoffe statt. Außer den Edelgasen Xenon und Krypton, die völlig entwichen, gelangten die Radionuklide Jod, Cäsium und Tellur sowie die sog. schwerflüchtigen Nuklide Barium, Strontium, Plutonium usw. in die Luft. Aufgrund des im Reaktor herrschenden Graphitbrandes sowie der Nachwärme entstand ein Auftrieb, der die radioaktiven Stoffe bis zu 1700 m emporsteigen ließ. Sie wurden dort von der Höhenströmung erfasst und verteilten sich zunächst über weite Teile Europas und schließlich über die gesamte nördliche Halbkugel.

Die am 26. April freigesetzte radioaktive Strahlung gelangte wegen nordwestlicher Winde vorwiegend in den skandinavischen Raum. Die Emissionen vom Vormittag des 27. April zogen über Polen in Richtung Ostsee und wurden aufgrund eines Zwischenhochs in südwestliche Richtung umgelenkt: Nach Osteuropa, Süddeutschland, Italien und das damalige Jugoslawien. Zwischen dem 28. April und dem Mittag des 29. April wanderte die vom Reaktor abgegebene Radioaktivität in Richtung der Ukraine und in weiter östlich gelegene Gebiete der damaligen UdSSR. Eine vierte radioaktive Wolke bewegte sich vom Mittag des 29. April bis zum Abend des folgenden Tages in Richtung Westeuropa und zog über den Balkan und Norditalien hinweg.

Ab dem 1. Mai erfolgte die Ausbreitung zunehmend in südliche Richtungen wie dem Balkan und Vorderasien. Die ersten Meldungen über eine radioaktive Wolke stammten aus Finnland: Am Abend des 27. April wurden im Ort Kajaami erhöhte radioaktive Strahlung (zwischen 17 und 100 Mikroröntgen pro Stunde) gemessen. Die Radioaktivität lag bis zu zweieinhalbmal höher als üblich. Als am 28. April im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark, 100 km nördlich von Stockholm, gegen 11 Uhr extrem hohe Radioaktivitätswerte gemessen wurden, räumten die rund 800 Beschäftigten zunächst die Anlage, weil vermutet wurde, dass sich dort ein Störfall ereignet habe. Die Wissenschaftler des schwedischen Strahlenschutzinstituts analysierten die Nuklidzusammensetzung der Luft: Das ermittelte Verhältnis der Isotope Cäsium 134 (Halbwertzeit zwei Jahre) zu Cäsium 137 (Halbwertzeit 30 Jahre) deute darauf hin, dass es sich nicht um einen Kernwaffentest handeln könne. Am selben Abend wurde in Moskau der Unfall bestätigt.

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aus der wissen.de Redaktion, Quelle: Chronik Jahresband
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